Chisholm kuschelt sich in Moerser Ohren

Foto: Christoph Karl Banski
Was wir bereits wissen
Sein erstes Konzert als Improviser in Residence gab der Saxophonist an einem Ort mit Geschichte: im Keller der „Röhre“, der Wiege des Moers Festivals.

Moers..  Am Ende seines ersten Konzerts in Moers sagte Hayden Chisholm, Improviser in Residence, zu seinem begeisterten Publikum: „Dieses Konzert war sicher anders, als Sie erwartet haben, und ich kann Ihnen versprechen, das wird jedesmal so sein.“ Das sind ja prima Aussichten. Fürs erste entließ er seine Zuhörer aus einem Konzert in bester Club-Atmosphäre, klein und fein, serviert hatte er klassischen Jazz, Old School im besten Sinne. Und es schien, als wollte sich der virtuose Saxophonist und Tausendsassa erstmal ganz sanft in die Ohren seiner Moerser kuscheln, mit seinem zart schmelzenden Schmuseton, den er seinem Tenorsax zu entlocken weiß.

Dabei fürchtete noch mancher nach den ersten beiden Stücken, das würde ein Abend mit seichter Musik, bei der man prima weghören kann, und der Schlagzeuger (Hendrik Smock) könnte womöglich über seinem gelangweilten Gebese einschlummern. Aber dann nahm das Konzert doch schnell Tempo auf (auch beim Schlagzeuger), und im zweiten Set wurde es sogar noch ein bisschen schmutzig im Ton und auch frecher, etwa bei vierfachen Schlussschleifen.

Für seinen ersten Auftritt hat sich der Improviser in Residence, der Saxophonist und Tausendsassa Hayden Chisholm, bewusst einen bescheidenen Ort ausgesucht, aber einen mit Geschichte: die Kneipe „Die Röhre“. Sie ist sozusagen die Wiege des Moers Festivals, mit dem ja die Einrichtung des Stadtmusikers auf Zeit verbandelt ist. Eingeladen hatte Chisholm für seinen Einstand im Keller an der Weygoldstraße Pedja Avramovic, der „als logische Folge“ von der klassischen Oboe zur Orgel fand, wie Chisholm scherzte, und der seine legendäre, unverkennbar klingende Hammond B3 mitgebracht hatte. Ein Instrument, das diesen Abend natürlich wesentlich prägte.

Bescheidener Teamplayer

Chisholm selbst präsentierte sich seinem Publikum als ein ausgesprochen bescheidener Teamplayer, der nicht jedes Solo selbst spielen muss, sondern oft und gerne Avramovic oder dem nicht minder fingerfertigen Maurice Peter an der E-Gitarre den Vortritt ließ. Und dabei versunken lächelnd und mit sichtlichem Spaß in den Backen auf der Conga trommelte. Dieses Quartett harmonierte wunderbar und verstand sich musikalisch aufs Beste. Das wiederum war nicht anders als erwartet.