Chance für Senkrechtstarter beim SCI: Moers

Projekt Integration durch Arbeit, Ausbildung und Sprache beim SCI Moers.
Projekt Integration durch Arbeit, Ausbildung und Sprache beim SCI Moers.
Foto: Ulla Michels

Moers..  John und Johnson sind zwei Senkrechtstarter. Die beiden Ghanaer sind seit September im Inte-grationsprojekt des SCI:Moers und haben schon Furore gemacht: „Ich hab sie nur schweren Herzens gehen lassen“, meint Ausbilder Dirk Vier und lacht. Er brachte den beiden 20-Jährigen in den ersten Monaten Kenntnisse des Malerberufs bei. Ihre Arbeitsproben in der Werkstatt der Barbara-Schule zeugen von viel Liebe zum Beruf: „Das sind Dinge, die man sonst im dritten Lehrjahr abliefert“, lautet der fachmännische Kommentar von Jonas Barthen von der Maler-Firma Marschmann GmbH. Bei ihm arbeiten die beiden Asylsuchenden ab jetzt ein halbes Jahr lang. „Wenn alles klappt, gibt es bei uns auch einen Ausbildungsplatz“, meint Barthen. Denn gute und engagierte Lehrlinge seien im Handwerk heute kaum mehr zu bekommen.

Zusammen mit 14 anderen Asylbewerbern haben John und Johnson beim SCI:Moers ihre Chance auf Bildung bekommen; vier als Maler, vier weitere als Tischler, und acht Asylsuchende hat Enni unter die Fittiche genommen. „Möglich wurde das Projekt durch die gute Zusammenarbeit von Lionsclub, Rotariern, Kreishandwerkerschaft und Enni“, erklärt SCI:Geschäftsführer Frank Liebert.

Neben der praktischen Arbeit büffeln die jungen Leute täglich auch zwei Schulstunden Deutsch. Wobei es auch um typische Dinge des Gastlandes geht: „Gerade heute war ich Zeuge einer Diskussion, bei der es um die Gleichstellung der Frau in Deutschland geht. Und dass die Flüchtlinge dies akzeptieren müssen“, schildert Projektleiter Tobias Nienaber. Er lobt vor allem den Einsatzwillen seiner jungen Leute: „John und Johnson haben die deutschen Jugendlichen in der Ausbildungswerkstatt regelrecht mitgezogen.“

Die positive Zwischenbilanz, die der SCI gestern zog, freute auch Ursula Elsenbruch als Vorsitzende des Sozialausschusses der Stadt und Michael Rüddel, Fachbereichsleiter für Soziales: „Wir bemühen uns gerade, John in eine andere Unterkunft zu bekommen, wo er mehr Ruhe zum Lernen hat.“

Das Projekt des SCI „Integration durch Arbeit, Ausbildung und Sprache“ hat schon Kreise gezogen: „Wir erhalten aus ganz Deutschland Anfragen“, sagt Frank Liebert. Was zeige, dass auch kleinere Initiativen Beachtung fänden. Und: „Wir müssen die Menschen ernst nehmen und nicht vertrösten.“

Neben dem laufenden Projekt betreut der SCI unter anderem auch 36 minderjährige Flüchtlinge. „74 müsste Moers aufnehmen“, schildert Rüddel. Und auch diese Zahlen stiegen sicherlich weiter.