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Café-Besucher in Moers leisteten Mann nach Herzinfarkt keine Erste Hilfe

25.07.2012 | 09:00 Uhr
Café-Besucher in Moers leisteten Mann nach Herzinfarkt keine Erste Hilfe
Auch wenn der eine oder andere vor einer Beatmung zurückschrecke: Eine Herzdruckmassage könne jeder leisten, sagt der ärztliche Direktor des St. Josef-Krankenhauses in Moers.Foto: Gero Helm

Moers.   Am Moerser Altmarkt sackte ein Mann nach einem Herzinfarkt tot im Stuhl zusammen. Was aber seine Tochter unglaublich wütend und fassungslos macht: Niemand hatte ihrer Mutter und ihrem Vater geholfen. Alle sahen weg. Dabei ist unterlassene Hilfeleistung strafbar.

Das Ehepaar hatte Glück an diesem Donnerstagabend, 5. Juli. In einem Café am Altmarkt war noch ein Tisch frei. Die beiden aßen eine Kleinigkeit und bestellten ein zweites Getränk. Plötzlich sackte der Mann in sich zusammen – Herzstillstand. Auch der Notarzt konnte ihn nicht retten. Was aber seine Tochter unglaublich wütend und fassungslos macht: Niemand hatte ihrer Mutter und ihrem Vater geholfen. Alle sahen weg.

Der Anruf ging bei der Feuerwehr um 20.14 Uhr ein, eine Minute später war der Rettungswagen unterwegs, traf um 20.18 Uhr am Altmarkt ein. Nina Holzkamp, Tochter des Verstorbenen, schildert die Situation: „Für meine Mutter brachen die wohl schrecklichsten Minuten ihres Lebens an, und was mich dabei so unglaublich wütend macht, ist, dass sie diese ganz allein durchstehen musste, obwohl zig Menschen um sie herum saßen.

Andere Gäste wählten noch nicht einmal den Notruf

Nina Holzkamp schilderte der Redaktion das Geschehen der vergangenen Woche am Moerser Altmarkt.

Sie versuchte meinen Vater aufrecht zu halten, ihn zum Weiteratmen zu bewegen – an den Nachbartischen keine beziehungsweise unfassbare Reaktionen: Zwei junge Frauen suchen schnell das Weite und die drei Männer am anderen Nebentisch unterhalten sich ungerührt weiter. Also musste meine Mutter selber den Rettungswagen alarmieren, vertippte sich in ihrer Aufregung mehrfach – und immer noch keine Hilfe und Unterstützung von Menschen, die nicht einmal einen halben Meter entfernt sitzen. Dann ruft sie, ob zufällig ein Arzt unter den Gästen sei. Selbst darauf kommen die anderen Besucher nicht von alleine...“

Herzdruckmassage kann jeder leisten, sagt der Mediziner

Der Notarzt bestätigt die Situation: Er habe den Mann tot im Stuhl vorgefunden, und „keiner hat was gemacht“. Nina Holzkamp: „Ich bin mir absolut sicher, dass mein Papa, der Zeit seines Lebens einen Or­ganspenderausweis bei sich trug, niemals so untätig geblieben wäre und einfach weggeschaut hätte, wenn unmittelbar neben ihm ein Mensch um sein Leben gekämpft hätte und sein nächster Angehöriger hilflos und allein Rettungsversuche unternehmen muss.“

Gefängnisstrafe möglich
Unterlassene Hilfeleistung

Josef Wißen, Pressesprecher der Kreispolizei Wesel: „Jeder ist verpflichtet, Menschen zu helfen, die verletzt sind – nicht nur gesetzlich, sondern auch moralisch. Wenn wir feststellen, dass einer ganz bewusst weggesehen hat, wird eine Strafanzeige geschrieben.“ Unterlassene Hilfeleistung – Paragraf 323 c Strafgesetzbuch – wird mit bis zu einem Jahr Gefängnis bestraft.

Für sie stellt es fast eine unterlassene Hilfeleistung dar, dass niemand zu Erste-Hilfe-Maßnahmen bereit war. Wobei, wie Dr. Thomas Ziegenfuß, ärztlicher Direktor des St. Josef, erklärt, bei einem Herzstillstand eine Herzdruckmassage (100-mal in der Minute) und eine Mund-zu-Mund-Beatmung Leben retten könne. Auch wenn der eine oder andere vor einer Beatmung zurückschrecke: Eine Herzdruckmassage könne jeder leisten.

„Wütend und traurig machen auch die Gerüchte, die bald darauf im ,Dorf Moers’ die Runde machen: „Da ist ein Besoffener tot umgekippt am Altmarkt. Oder: Da ist einer mit einem Sonnenstich zusammengebrochen. Doch ich frage mich, selbst wenn es so gewesen wäre, hätte das dieses feige Wegsehen etwa gerechtfertigt? Lernt man nicht schon in der Grundschule wie man einen Notruf absetzt? Sollte es nicht eine menschliche Grundeigenschaft sein, Mitmenschen in einer Notsituation beizustehen und Trost zu spenden? Was ist das bloß für eine Gesellschaft?“

Harry Seelhoff

Kommentare
31.07.2012
16:18
Café-Besucher in Moers leisteten Mann nach Herzinfarkt keine Erste Hilfe
von silverstone | #29

Mein Beileid!

Mich wundert es nicht was in Moers geschehen ist!

Ich könnte jetzt die Location raten.Ich würde trotzdem richtig liegen!

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http://www.derwesten.de/staedte/nachrichten-aus-moers-kamp-lintfort-neukirchen-vluyn-rheurdt-und-issum/cafe-besucher-in-moers-leisteten-mann-nach-herzinfarkt-keine-erste-hilfe-id6914395.html
2012-07-25 09:00
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