Braun in Moers entlässt Aushilfen

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Dass dies am Mindestlohn liegen müsse, war schnell vermutet, wird aber vom Unternehmen ebenso verneint wie die Zahl von 50 Kündigungen.

Am Niederrhein..  In sozialen Netzwerken verbreitete sich die Nachricht wie ein Lauffeuer: Das Modehaus Braun in Moers habe 50 Leute entlassen. Dass dies am Mindestlohn liegen müsse, war schnell vermutet, wird aber vom Unternehmen ebenso verneint wie die angebliche Zahl der Kündigungen.

Einer der ehemaligen Mitarbeiter (Name der Redaktion bekannt) erhielt wie einige andere auch einen Brief des Modehauses, in dem ihm mitgeteilt wurde, dass seine Unterstützung ab 1. Januar nicht mehr benötigt werde. Beschäftigt war er als „Läufer“, der die Ware aus den Abteilungen zur Hauptkasse bringt – ein typischer Job für Schüler oder Studenten, die sich an den Wochenenden etwas dazu verdienen wollen.

Keine Saison mehr für „Läufer“

Mit ihm, so erklärte er, seien etwa 15 weitere „Läufer“ entlassen worden: „Alle ab 18 sind ‘rausgeflogen.“ Als Grund könne er sich nur die Einführung des Mindestlohns von 8,50 Euro vorstellen, da er pro Stunde 5,50 Euro erhalten habe. Was allerdings eine für diese leichte Tätigkeit völlig korrekte Entlohnung gewesen sei, wie er hinzufügt.

Dazu erklärte ein Sprecher des Un­ternehmens, man habe – bedingt durch EDV-Umstellung und Räumungsverkauf – deutlich mehr Studenten und Schüler beschäftigt als in den Jahren zuvor. Beides sei jetzt erledigt; hinzu käme, dass das Weihnachtsgeschäft beendet sei. Weshalb man sich von etwa neun „Läufern“ getrennt habe – von rund 80, die man beschäftige. Woher die 50 Entlassungen kommen sollen, könne sich die Geschäftsführung nicht erklären. Allerdings habe man versäumt, die Mitarbeiter, die man als stundenweise Aushilfen nicht mehr benötige, frühzeitig zu informieren. Dies sei am 29. Dezember schriftlich geschehen, was zugegeben die schlechtere Alternative sei.

Keine Kündigungsschutzklage

Der Einzelhandelsverband ist der zuständige Arbeitgeberverband. „Uns liegt keine einzige Klage vor“, so Hauptgeschäftsführer Wilhelm Bommann. Von durch den Mindestlohn bedingten Kündigungen sei nichts bekannt, zudem sei es völlig normal, dass Kräfte für einen Einpack- und Bringservice nach der Saison, also dem Weihnachtsgeschäft, nicht mehr benötigt würden. So auch Robert Neuhaus, Justiziar der Niederrheinischen Industrie- und Handelskammer: „Uns ist nicht bekannt, dass Unternehmen wegen des Mindestlohns Entlassungen vorgenommen hätten.“ Allerdings sieht die IHK Zurückhaltung bei den Einstellungen, besonders was Langzeit-Praktikanten betreffe.

Thomas Keuer, Geschäftsführer der Gewerkschaft Verdi für den Bezirk Duisburg-Niederrhein, kann dies nur bestätigen. Von einer Entlassungswelle könne überhaupt keine Rede sein, so Keuer. Ganz im Gegenteil: Der Einzelhandel habe in letzter Zeit inventurbedingt viele Hilfskräfte für 8,50 Euro die Stunde eingestellt.

Dazu Michael Niel, Pressesprecher der Arbeitsagentur Wesel: „Aktuell und rückwirkend seit Dezember 2014 ist noch keine Zurückhaltung bei Einstellungen oder gar ein Stellenabbau im Bereich der Geschäftsstellen Moers und Kamp-Lintfort erkennbar, die Folge der Einführung des gesetzlichen Mindestlohnes sein könnten.“