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Blauer Dunst: Willkommen im Club

30.06.2008 | 19:39 Uhr

GESUNDHEIT. Ab heute sind Gaststätten und Restaurants rauchfrei. Viele kleine Kneipen wollen deshalb Raucherclubs gründen.

AM NIEDERRHEIN. Mal gut, dass die Wetterpropheten für diese Woche Sonnenschein und warme Temperaturen bis weit in die Abendstunden vorhergesagt haben. Dann dürfte der Gang nach draußen für viele Raucher nicht ganz so stressig werden. Denn ab heute müssen sie draußen bleiben, wenn sie eine Zigarette rauchen wollen, ab heute sind Gaststätten und Restaurants rauchfreie Zone.

Gefallen tut das den wenigsten Gastronomen. Sie befürchten Umsatzeinbußen, denn so mancher Raucher hat schon angekündigt, dass er ab heute lieber zuhause bleibt und in den eigenen vier Wänden sein Bierchen trinken und sein Zigarettchen rauchen will. Der Geschäftsführer der Dehoga Nordrhein Thomas Kolaric sieht jedenfalls massenhaft Probleme auf seine Klientel zukommen. "Gesicherte Zahlen haben wir nicht, aber die Erfahrungen aus den Bundesländern wo es schon ein Rauchverbot gibt, zeigen, dass der Umsatz eingebrochen ist." Ob das am Ende dazu führt, dass hier ein massenhaftes Kneipensterben einsetzt, will Kolaric aber nicht kommentieren, sagt aber, dass ein oder zwei miese Monate für eine Eckkneipe schon tödlich sein können. Sie dürften, wenn das Gesetz in aller Schärfe kommt, die Verlierer sein. "Viele dieser Betriebe haben noch Hoffnung, dass das Bundesverfassungsgericht in ihrem Sinne entscheiden wird."

Noch in diesem Monat wird es ein Urteil des obersten deutschen Gerichts geben. Geklagt haben mehrere Gastronomen. Diese sehen sich in ihrer Berufsausübungsfreiheit und Eigentumsgarantie beschränkt. "Es geht vor allem um die sogenannten Ein-Raum-Kneipen, Betriebe bis 100 Quadratmeter, die dann ein Wahlrecht bekommen."

Mustersatzungen für Raucherclubs

Zwar ist schon länger klar, dass das Gesetz kommt, aber reagiert haben bislang höchstens ein Drittel der Mitglieder. Viele Gastronomen sehen in der Einrichtung von Raucherclubs eine Chance, sich den Krallen des Gesetzes zu entziehen. "Man merkt, dass die Gastronomen hier am Niederrhein in den letzten Tagen doch etwas nervös wurden", sagt Kolaric. "Wir haben pro Tag 50 bis 60 Anfragen von Mitgliedern zu diesem Thema, dazu kommen noch gut 20 Anfragen von Nichtorganisierten." Zwar hat die Dehoga Mustersatzungen erstellt, die sie wie entsprechende Aufkleber verteilt, aber die Anträge sollten von den Gästen kommen. "Am Anfang waren wir von der Idee nicht begeistert, aber mittlerweile ist dies die einzige Chance für unsere kleineren Mitglieder."

Die größeren haben solche Fluchtmöglichkeiten nicht. Ihre Gäste stehen draußen. Kleiner Trost aus Hamburg, wo das Gesetz schon länger gilt: Man kann dabei jede Menge interessanter Menschen kennenlernen. Bei fast jedem Wetter. VERBOTSSCHILDER, EIGENE RAUCHERRÄUME UND RAUCHZONEN DRAUSSENUnterschiedlich reagieren Gaststätten in der Moerser Innenstadt auf das neue Gesetz. Das Cafe? "Extrablatt" und das "Carthago" sind bereits mit Rauchverbotzeichen ausgestattet. Im "Fiddlers" wird es draußen extra eine Rauchzone geben, da es im inneren Bereich ebenfalls rauchfrei bleiben wird.

Der Besitzer des "Bierhauses"hat das Gesetz genau gelesen. Wenn nämlich ein Gastronomiebetrieb über mehrere Räume verfügt, kann der kleinere Raum als Raucherzimmer genutzt werden. Im "Bierhaus" wird in Zukunft in der obersten Etage geraucht werden. Im unteren ist das Rauchen verboten und soll durch ein entsprechendes Schild gekennzeichnet werden. Die finden sich in der "Galerie" und im "cafe? des artes" noch nicht, jedoch ist auch hier das Rauchen untersagt. Auch bei Cafe Mehrhoff und im Mondrian finden sich keine Verbotsschilder. "Wir gehen davon aus, dass unsere Gäste das Gesetz kennen."

MICHAEL VON LEHMDEN

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