Beim Fußball in Neukirchen-Vluyn steht der Teamgeist vorn

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Was wir bereits wissen
Einmal wöchentlich gibt es Sport für Männer. Die anderthalb Stunden sind Teil des so genannten Programms „Beschäftgigungsangebot gegen Langeweile“.

Neukirchen-Vluyn..  In der Turnhalle der Haarbeckschule gab es gestern ein international besetztes Fußballturnier. Das Besondere dabei: Die Mannschaften selbst waren international besetzt. Vier Teams mit jeweils fünf Spielern traten gegeneinander an. Und dabei ging es fürwahr spannend zu. Einige der Herren zeigten in voller Eleganz, was sie am Ball drauf haben. Die Leibesübungen waren Teil des „Beschäftigungsangebotes gegen Langeweile“, wie das Programm zur Betreuung von Flüchtlingen heißt.

Organisiert wird die Sportgruppe von Siegfried Reimers, Ralf Eccarius, Klaus Plonka und Norbert Hüren. „Ich hatte schon vorher mal die Idee“, sagt Siegfried Reimers. Dann habe Anneke van der Veen vom Treff 55 den Vorschlag aufgegriffen, und jetzt treffen sich die vier „Senioren“ einmal wöchentlich in der Halle, um mit den männlichen Flüchtlingen Sport zu treiben. Dabei gibt es zunächst eine Aufwärmphase, dann in der Regel Mannschaftsspiele.

Gestern war das vierte Treffen. Beim ersten Mal waren 16 Leute da, beim zweiten 18, dann 13. Jetzt 20. Das mag womöglich daran liegen, dass für den Nachmittag Fußball angekündigt war.

Die Verständigung scheint unproblematisch. Im Sport ist es ja zuweilen wie in der Musik. Da braucht es nicht viele Worte. „Wir sprechen Englisch“, sagt Ralf Eccarius. Etliche der Sportler könnten sich auch auf Arabisch untereinander verständigen. Ansonsten helfen im Zweifel Hände und Füße weiter.

Im Vorfeld haben die vier Organisatoren Klamotten für die Männer besorgt. Auf der Flucht nimmt man ja nicht gerade seine Trainingsanzüge und Sportschuhe mit. „Die Vereine haben uns sehr unterstützt“, lobt Ralf Eccarius. Da gab es Kleidung, Schuhe, Handtücher. Auch Duschzeug. Im privaten Umfeld habe man ebenso gefragt. Noch bringt Siegfried Reimers jedes Mal neue Sachen mit zum Training. Denn: Es kommen an jeden Dienstag neue Sportler dazu. Und auch die können nicht in Straßenschuhen durch die Halle rennen.

Im Beschäftigungsangebot gibt es darüber hinaus für Frauen einmal wöchentlich eine Teestube, für Kinder und ihre Mütter einen Spielenachmittag, Jugendliche bekommen einmal die Woche Deutschnachhilfe, an fünf Tagen stehen Lern- und Spielangebote für Kinder und Jugendliche auf dem Programm. Und der Treff 55 möchte die Betreuungsleistung noch weiter ausweiten. Ideen dazu gibt es bereits, wie zum Beispiel die Einrichtung einer Schach-AG sowie die Einrichtung einer Strickrunde in Kooperation mit der Kulturbeauftragten der Stadt sowie der Dorfmasche. Ferner soll eine Kooperation mit der Stadtbücherei aufgebaut werden, das Angebot gegen Langeweile soll ausgeweitet werden, weitere Patenschaften sollen vermittelt werden. Zudem erhofft sich der Treff 55 die Nachbarschaft in der Umgebung der Flüchtlingsunterkünfte weiter einbeziehen zu können, beispielsweise durch Nachbarschaftsfeste.

Die Politik hat das Thema ebenso auf der Agenda. In der nächsten Sitzung des Sozialausschusses am 25. Februar soll über das Konzept zur Unterbringung der Flüchtlinge gesprochen werden. Der zuständige Dezernent Jörg Geulmann hatte mehrfach darauf hingewiesen, dass sich die Situation durch weiter steigende Zuweisungszahlen verschärfen wird. Zudem soll jetzt die Stelle der Flüchtlingskoordination zeitnah eingerichtet werden.