Bei Enni in Moers nichts dem Zufall überlassen

Lutz Hormes (rechts), Vorstand von Enni Stadt & Service, und Bürgermeister Christoph Fleischhauer beim ersten Spatenstich am Moerser Bahnhof
Lutz Hormes (rechts), Vorstand von Enni Stadt & Service, und Bürgermeister Christoph Fleischhauer beim ersten Spatenstich am Moerser Bahnhof
Foto: NRZ
Was wir bereits wissen
Enni Stadt & Service seit drei Monaten neu aufgestellt. 25 Mitarbeiter wechseln vom Rathaus an den Jostenhof. Vorstand Lutz Hormes im Interview.

Moers..  Seit einem Vierteljahr arbeiten 25 ehemalige Mitarbeiter der Stadtverwaltung für Enni Stadt & Service. Über den nicht ganz einfachen Neubeginn, die Arbeit im Container und kommende Enni-Projekte spricht Geschäftsführer Lutz Hormes im NRZ-Interview.

Sie arbeiten seit Jahresbeginn für Enni. Haben sie sich schon eingelebt?

Lutz Hormes: …lächelt. Das musste ich nicht wirklich, war ich doch in Teilzeit schon zwei Jahre bei Enni. So bin ich gut vorbereitet, mit den neuen Aufgaben der Bereiche Kanal und Straße im Gepäck, bei Enni eingezogen. Hier habe ich ein tolles Team aber auch wichtige und drängende Zukunftsthemen angetroffen. Ich bin daher sofort durchgestartet.

Wie unterscheidet sich ihre neue Tätigkeit von der früheren Aufgabe im Rathaus?

Als Vorstand stehe ich heute in der Verantwortung für die strategische Entwicklung und die zahlreichen operativen Themen von der Abfallentsorgung bis hin zum Friedhofswesen. Bei selbst verordneten Praxistagen, etwa als Lader hinten auf einem Abfallfahrzeug habe ich hautnah gespürt, wie nah wir dem Bürger mit unseren Themen sind. Deren Wünsche mit unseren wirtschaftlichen Interessen in Einklang zu bringen, ist die neue tägliche Aufgabe und sicher einer der größten Unterschiede zu meiner bisherigen Beigeordnetentätigkeit.

Zu Jahresbeginn sind auch 25 Mitarbeiter aus der Stadtverwaltung zu Enni gewechselt. Ist die Integration gelungen?

Ein klares Ja, weil wir nichts dem Zufall überlassen haben. Denn schon kurz nach dem Okay des Stadtrates haben wir einen Integrationsprozess gestartet, mit dem wir alte und neue Kollegen auf das neue Miteinander eingeschworen haben. Die ehemaligen städtischen Kollegen haben wir so Schritt für Schritt an das Leitbild bei Enni, an deren Prozesse und bestehende EDV-Werkzeuge herangeführt. Mein Eindruck ist, dass wir so schnell Ängste vor dem neuen Umfeld genommen haben und es auch deswegen für Kollegen und Bürger schon rund läuft.

Wann werden die Container auf dem Enni-Gelände wieder abgebaut?

Da sprechen sie einen wunden Punkt an, denn für neue Kollegen war es sicher ein Kulturschock aus einem neuen Rathaus in eine Containerlandschaft am Jostenhof zu ziehen. Die ist aber nicht mehr als eine praktikable und funktionelle Übergangslösung. Denn die Zukunft bringt einen neuen Betriebshof, mit attraktiven Arbeitsplätzen und einem Kreislaufwirtschaftshof, mit dem wir noch intensiver auf Kundenbedürfnisse eingehen können.

Schwerpunkt dieser Mitarbeiter ist der Kanalbau. Welche Maßnahmen stehen hier in diesem Jahr an?

Vor uns stehen Mammutprojekte, allein bis Ende 2016 werden wir rund 22 Millionen Euro in die Moerser Kanalisation und die Moerser Straßen investieren. Allem voran werden wir die Kanäle auf dem Parkplatz Solimare, in der Friedrich-Ebert-Straße und der Schul- und Ehrenmalstraße in Moers-Kapellen oder in der Lauff-, Heine- und Kampstraße in Moers-Repelen sanieren. Nicht zuletzt wird die Römerstraße zwischen Homberger- und Essenberger Straße ein Facelift bekommen. Hier werden wir Kanal- und Straßenbau kombinieren und mit neuen Radwegen und Mittelinseln als Querungshilfen für mehr Bürgersicherheit sorgen.

Wird sich die Müllentsorgung in nächster Zeit deutlich verändern?

Sie wissen: Unsere Abfallsatzung steht auf dem Prüfstand. Auf Antrag der Politik haben wir das Moerser Modell mit benachbarten Kommunen verglichen, mit externen Branchenkennern bundesweit unterschiedliche Entsorgungsansätze analysiert. Dabei haben wir gut abgeschnitten, weil wir schon heute die auch gesetzlich gewollte Kreislaufwirtschaft fördern und Bürger einen Teil ihrer Gebühren beeinflussen können. Der Teufel steckt aber wie so oft im Detail. Themen wie „wilder Müll“ oder eine steigende Zahl von falsch befüllten Bioabfalltonnen müssen wir in den Griff bekommen. Zum Zukunftskonzept soll auch ein Mindestvolumen pro Einwohner und Woche gehören und es soll mit kleineren Behältergrößen den immer häufigeren Single-Haushalten Rechnung tragen. Nicht zuletzt sollten sich auch Gewerbebetriebe zukünftig an den allgemeinen Entsorgungskosten beteiligen. Die Diskussion über die Zukunft der Moerser Abfallentsorgung ist aber gerade erst eröffnet.

Was sind in den kommenden Jahren die wichtigsten Projekte ihres Hauses?

Geht es um Baustellen, ganz sicher die für 2018 geplante und unumgängliche Sanierung der Innenstadt, im Bereich der Stein- und ihrer Nebenstraßen. Hier sind wir gefordert, noch deutlich vor Baubeginn eng mit Anwohnern und auch Geschäftsleuten nach einem praktikablen Weg zu suchen. Überhaupt gilt unser Hauptaugenmerk den Kunden- und Bürgerinteressen. Denn neben dem Tritt auf die Kostenbremse müssen wir bei einigen unserer Angebote wie auf den zehn Moerser Friedhöfen sicher über ganz neue Konzepte nachdenken. Knappe Budgets passen oft nicht zu Bürgerinteressen. Dies in Einklang zu bringen, daran werden sich Enni aber auch wir Vorstände messen lassen müssen.