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Bei der Niag herrscht Angst vor Ausschlachtung

05.07.2010 | 19:19 Uhr
Bei der Niag herrscht Angst vor Ausschlachtung

Moers.Es ist kein schönes Spiel, das da mit den Niag-Mitarbeitern getrieben wird. Wie berichtet bemüht sich Rhenus Veniro, der 51-Prozent-Teilhaber des Kreis Weseler Nahverkehrsunternehmens, darum, trotz bestehenden Kündigungsschutzes 26 Niag-Mitarbeiter per Entschädigungszahlungen loszuwerden.

Rhenus Veniro, der 51-Prozent-Teilhaber des Kreis Weseler Nahverkehrsunternehmens Niag, will sich von Niag-Mitarbeitern trennen. Nach NRZ-Informationen wurden 52 Verwaltungsmitarbeiter angesprochen. Die Angebotssumme für einen Mitarbeiter mittlerer Hierarchie mit 25 Dienstjahren soll bei 75 000 Euro liegen. Rhenus wolle eigenes Personal an diese Stelle setzen. Innerhalb der Belegschaft beäugen sie sich argwöhnisch, es herrschen Misstrauen und Angst. Es gibt nun eine Belegschaftsversammlung.

Miese Stimmung in der Belegschaft

Die Sorge, spätestens 2013 ausgeschlachtet und billig ersetzt zu werden, umtreibt nicht nur die ÖPNV’ler und deren Betriebsrat um Harald Winter. Mancher vermutet das „Modell Minden: plattmachen, rausschmeißen, neu einstellen mit Lohndumping“. Die Niag ist das Thema des Tages, aber kaum einer will genannt werden. Es herrscht Angst, der Druck sei ohnehin immens.

Dabei geht’s ja nicht nur um den Busverkehr. Eine Übernahme der Logistiksparte – Stichwort Häfen – konnte im Aufsichtsrat noch einmal abgewehrt werden. Klar ist aber: In eine Kooperation der Häfen Emmelsum, Rhein-Lippe, Wesel und des Niag-Hafens Orsoy müsste kräftig investiert werden, um sie wirtschaftlich betreiben zu können. Dafür braucht es einen privaten Geldgeber, und den, frohlockte die CDU-Kreistagsfraktion nach einer Hafenbereisung vor zwei Monaten, gebe es ja.

Was die Kreis-SPD in Stellung bringt. „Mit einem Unternehmen, das so arbeitet, wollen wir gar nicht über die Häfen verhandeln“, sagt Sprecher Peter Kiehlmann. Die Anfrage der Genossen zu den Mindener Vorfällen liegt derzeit beim Landrat. Schließlich laufen 2012 einige Buslinien aus und die Befürchtung, Rhenus könne mit Ablauf des Kündigungsschutzes 2013 diese Linien mit Lohndumping-Fahrern besetzen, ist nahezu allgegenwärtig.

Kooperation mit der FH wurde abgeschmettert

Außer bei Niag-Aufsichtsratschef Heinz-Dieter Bartels, gleichsam stellvertretender Landrat (CDU). Der will sich zu Minden nicht äußern, „weil ich keine Einzelheiten des Vertrages kenne“, und hat auch um die Niag wenig Sorgen. Weil: „Es besteht eine Zielvereinbarung, bis 2013 wirtschaftlich zu arbeiten. Das wird gelingen. Eine Kündigungswelle danach sehe ich nicht, weil Rhenus dann vertragsbrüchig würde.“

Von einem Wegfall des Kündigungsschutzes könne nämlich keine Rede sein. Man habe zwar im Kernbereich der Niag Stellen abgebaut, die Zahl inklusive der Töchter aber um fast 100 auf jetzt 676 Stellen erhöht. Und zur Hafenkooperation: „Wer sich im Wettbewerb durchsetzt, erhält den Zuschlag.“

Die Lesart scheint entscheidend in dieser Glaubensfrage zwischen Privatisierung und Interessenschutz der Mitarbeiter. Dabei ist nach NRZ-Informationen auch Bartels bereits ausgebremst worden bei Rhenus Veniro. Er war sich wohl mit Fachhochschuldirektorin Marie-Luise Klotz einig über eine Kooperation mit der Niag. Um eine mit jährlich 50 000 Euro dotierte Stelle, Laufzeit vier Jahre, soll es gegangen sein. Rhenus habe abgelehnt. Begründung: kein Geld. Bartels dazu: „Ich werde hier nicht indiskret.“

Dasselbe Problem hat der Landrat, der seinerzeit entschieden gegen den Vertrag mit Rhenus, damals noch Keolis, war. Er wird sich nun erstmal mit der Anfrage der SPD befassen und gibt freimütig zu: „Unter dem Strich mache ich mir Sorgen um die Niag-Mitarbeiter.“

Für 25 Millionen freigekauft

Rhenus, bei denen am Montag weder in Mainz noch in Moers jemand zu erreichen war, war angetreten, um die Niag in schwarze Zahlen zu führen und die Mitarbeiterzahl zu erhöhen. Dies mit einem Zuschuss der Kommunen, die sich mit 25 Millionen Euro von den Zahlungen an die Niag freikauften und einer Rücklage, die ebenfalls von den Kommunen angehäuft wurde. Die, heißt es, trage erheblich zu den guten Jahresergebnissen bei.

Michael Passon

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Kommentare
20.07.2010
21:57
Bei der Niag herrscht Angst vor Ausschlachtung
von AlexausNV | #14

Hallo der Fahrer,
Rhenus ist der Deckel vom Topf, mein Arbeitsvertrag war von der UTG. Die Rhenus weiß schon wie sie es machen müssen, hoffe das denen das Handwerk irgent wie zu mindest schwerer gemacht wird.
Ich habe nun eine sehr gute Spedition gefunden und fühle mich wohl dort, nie mehr Rhenus!!!!!!

17.07.2010
02:17
Bei der Niag herrscht Angst vor Ausschlachtung
von der Fahrer | #13

Hallo Alex
Die UTG hat angeblich nichts mit Rhenus zu tun.
Erfahrung Aussage eines UTG Mitarbeiters bei Gerrichtsverhandlung.Rhenus betreibt Vorstellungsgespräche und wenn es zum Abschluss kommt wird einen Gesagt das der Arbeitsvertrag mit der UTG zustande kommt da sie die Tochter von Rhenus ist.Bei Gerichtverhandlung bestreitet man es Vehement und Plötzlich kennt keiner mehr das Gefüge bei dein beiden .Komisch wenn was war und bei der UTG nachgefragt hat sagte UTG das muss die Rhenus entscheiden.Löhne usw wurden von der Rhenus bestimmt aber UTG hat damit nichts ZU TUN haben nur bezahlt weil es ja so eine Tolle Leihfirma ist wo der ausleiher die Löhne bestimmt.
So einfach macht sich Rhenus das wenn mann unbequem wird dann hat man kein Interesse mehr und die UTG darf Kündigen ohne das die Rhenus AG in die Schlagzeilen kommt.Gleiche machenschaften wie bei Schlecker

08.07.2010
01:26
Bei der Niag herrscht Angst vor Ausschlachtung
von AlexausNV | #12

Nachtrag
die Rhenus stellt doch schon seit Jahren Existierende Firma (ich nenne es eigene Zeitarbeitsfirma) UTG (Umschlag und Transport Gesellschaft) das Personal ein, so können sie die Löhne noch mehr drücken und das Personal noch mehr hetzen. Danke UTG und Rhenus das ihr mich so ausgenutzt habt.

08.07.2010
01:20
Bei der Niag herrscht Angst vor Ausschlachtung
von AlexausNV | #11

Andreas, da kann ich Ihnen nur zustimmen!!!
Die Rhenus ist ein Ausbeuter der durch das Schwester (Hauptunternehmen) Rethmann (heute Remondis) geleitet wird. Herr Rethmann wusste seiner Zeit schon warum er seinem Unternehmen einen neuen Namen gab. Habgier regiert leider in diesem Unternehmen koste es was es wolle.Die letzten im Glied werden ausgebäutet und dann verschrottet. Schade das man es so nennen Muß.

08.07.2010
00:09
Bei der Niag herrscht Angst vor Ausschlachtung
von AndreasausKMO | #10

Da hat die Kreis-CDU den vermeintlichen Teufel (= den früheren Alleinvorstand Kinzel, der auch heute noch Vorstand ist, wenn auch faktisch entmachtet) mit dem Beelzebub (= Rhenus bzw. Rethmann-Gruppe) ausgetrieben.
Vielleicht ist eines tröstlich dabei: Die Rhenus hat durch die Vorgänge bei der NIAG in ganz Deutschland einen grauenhaften Ruf bekommen. Es bleibt zu hoffen, dass damit über kurz oder lang die Nahverkehrsaktivitäten der Heuschrecken-Familie Rethmann gestoppt werden und sich diese über kurz oder lang aus diesem Geschäft zurückzieht.

Ich habe selbst meine Erfahrungen mit der Rhenus gemacht. Es ist der schrecklichste Arbeitgeber, den ich mir vorstellen kann. Die Inkompetenz regiert, und alle stieren nur auf das Monats-/Jahresergebnis. Die Zusammenhänge werden häufig nicht verstanden (= wie ein Ergebnis zustande kommt), und der Umgang mit Mitarbeitern spottet jeder Beschreibung.
Die Politik ist jetzt gefordert und muss einschreiten, zum Wohle der Mitarbeiter, aber auch um eine Ausplünderung des Unternehmens zu verhindern (die Rethmänner wollen sich natürlich die Rücklagen einsacken und die NIAG filetieren). Das Sinnvollste wäre, den Konsortialvertrag zu kündigen und die Rhenus-Anteile an den NIAG-Aktien zurückzukaufen.

Das wäre für die Kommunalpolitik völlig ungefährlich, weil die NIAG schon im zweiten Jahr nach dem Einstieg durch die Rhenus schwarze Zahlen geschrieben hat, Defizite also nicht zu befürchten sind. Diese werden unweigerlich kommen, wenn die gewinnträchtige Logistiksparte zu 100% bei der Rhenus ist und die Kommunen irgendwann für die (defizitären) Busverkehrsleistungen bluten müssen.

Und den Bürgern des Kreises Wesel kann man nur den guten Rat geben, bei Kommunalwahlen niemals aus Protest über die Bundespolitik die CDU oder die FDP zu wählen - dann kommt nämlich so etwas wie bei der NIAG heraus.

07.07.2010
17:36
Die Angst vor der Ausschlachtung
von AlexausNV | #9

Rhenus ist doch bekannt für solche Machenschaften. Ich war auch mal Mitarbeiter und wurde auf sehr Unliebsame Weise Entfernt. Bei manch Vorgesetzten frage ich mich wie sie zu diesen Posten gekommen sind.
Ich kann nur einen jeden warnen, wer da eine Anstellung z.B. als LKW / Busfahrer haben will, sollte sich das sehr genau überlegen. Versprechungen und Zusagen haben bei der Rhenus KEINERLEI !!!! bedeutung und sind auf einmal Null und Nichtig.

07.07.2010
15:30
Bei der Niag herrscht Angst vor Ausschlachtung
von Bahnbote | #8

Für 25 Millionen freigekauft
Rhenus war ursprünglich angetreten, um die Niag in schwarze Zahlen zu führen und die Mitarbeiterzahl zu erhöhen. Dies mit einem Zuschuss der Kommunen, die sich mit 25 Millionen Euro von den Zahlungen an die Niag freikauften und einer Rücklage, die ebenfalls von den Kommunen angehäuft wurde. Die, heißt es, trage erheblich zu den guten Jahresergebnissen bei.

Nachtigall ich hör dir trapsen. Unter dem Strich mache auch ich mir mit gutem Recht Sorgen um die Niag-Mitarbeiter.

06.07.2010
17:36
Bei der Niag herrscht Angst vor Ausschlachtung
von essenberger | #7

@GerdStihl: Von wegen Sommerloch - es geht um Kündigungen und Lohndumping. Verharmlosung ist da völlig unangebracht.

06.07.2010
15:41
Bei der Niag herrscht Angst vor Ausschlachtung
von GerdStihl | #6

Uiii, das Sommerloch ist da !!!

06.07.2010
15:18
Bei der Niag herrscht Angst vor Ausschlachtung
von Vollbrandt | #5

zu #4 in den ehemals ... der ex-DDR ...

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