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Herzinfarkt

Beherzt handeln!

14.11.2012 | 07:00 Uhr
Beherzt handeln!
Drei Männer, ein Ziel: Feuerwehrchef Christoph Rudolph, Dr. Hans Nühlen und Prof. Dr. Stefan MöhlenkampFoto: Heinz Kunkel

So etwas, da waren sich Ärzte und Rettungssanitäter einig, hatten sie noch nicht erlebt: Menschen, die Schlange stehen, um lebensrettende Maßnahmen zu trainieren. Und genau darum ging es an dem Montagabend im Autohaus Nühlen. Zur „Herzensangelegenheit“ hatte Inhaber Dr. Hans Nühlen eingeladen, in Prof. Dr. Stefan Möhlenkamp vom Krankenhaus Bethanien und Feuerwehrchef Christoph Rudolph überzeugte Mitstreiter gefunden.

Als Hans Nühlen vom Tod eines Mannes auf dem Altmarkt hörte, der durch einen Herzinfarkt starb und dem niemand half, sagte er sich: „So etwas darf sich nicht wiederholen.“ Sein Ziel: möglichst viele Menschen sensibilisieren für etwas, was über Leben und Tod entscheidet. Realitätsnahes Training der Herzmassage an Puppen, Gespräche mit Fachärzten des Bethanien, EKG und Blutdruckmessung im Rettungswagen durch Experten der Feuerwehr – all das war möglich und wurde von den rund 350 Gästen intensiv genutzt.

Pumpen bis der Arzt kommt

10 000 Einsätze fährt der Rettungsdienst der Moerser Feuerwehr pro Jahr, viele davon wegen Verdachts auf Herzinfarkt. Christoph Rudolph kann garantieren, dass in spätestens acht Minuten Hilfe vor Ort ist, aber die ersten lebensrettenden Maßnahmen kann jeder leisten. Man muss nur wissen wie – und man muss handeln.

Prof. Dr. Stefan Möhlenkamp verband in seinem Vortrag Theorie und Praxis: „Das Wichtigste ist: Die Pumpe muss funktionieren!“ Jede Minute, die das Herz kein Blut mehr durch den Kreislauf pumpt, senkt die Überlebenschance nach einem Infarkt um zehn Prozent. „Man kann nur eins falsch machen: nichts tun.“ Der Kardiologe warnte davor, dass nun die geburtenstarken Jahrgänge ins Herzinfarktalter kommen; jeder könne in die Situation kommen, ein Menschenleben retten zu müssen.

Aber was tun gegen die drohende Gefahr? Die beiden Hauptursachen für den Herzinfarkt führte Möhlenkamp den Zuhörern klar vor Augen: Nikotin und Übergewicht. Wobei es „viel, viel wichtiger“ sei, das Rauchen einzustellen als Übergewicht abzubauen. Der Professor dozierte über die Entstehung des Infarkts, Wahrscheinlichkeiten und Prävention. Doch wenn es zum Herzinfarkt kommt, bedarf es schneller Hilfe durch beherzte Mitmenschen. Für die die Hilfe eine Herzensangelegenheit ist.

Lebensrettung im Tennisclub

Es war ein Tag wie jeder andere auf dem Tennisplatz des TC Moers, dieser Mittwoch Ende Mai 2012. Inge Götze-Glörfeld ging nach einem Damen-Doppel in die Dusche, ihre Freundin Silvia Delfino folgte ihr kurze Zeit später. Nichts deutete darauf hin, dass sich ihrer beider Leben in wenigen Augenblicken ändern würde.

Silvia Delfino erinnert sich: „Inge kam aus der Dusche, trocknete sich ab und ging plötzlich in die Knie. Ich fragte: Inge, was ist? Ist dir schlecht? Dann ist sie umgefallen.“ Die 49-Jährige rannte hin, sah ihre Freundin blau anlaufen: „Ich hab’ Atmung, Puls, Herz überprüft – nix da. Ich hab’ einfach angefangen.“ Herzinfarkt. Hilfe leisten bedeutet: Sich in Sekunden entscheiden. Herzmassage: 100 Mal in der Minute den Brustkorb eindrücken. Leben retten. „Zwei Mal fing sie an zu atmen, beim zweiten Mal habe ich sie in die Seitenlage gebracht.“

Der ganze Tennisclub wird diesen Tag nicht vergessen, denn Silvia Delfino rannte splitternackt aus der Dusche nach oben, platzte in eine Vorstandssitzung, schrie nach einem Notarzt und war Sekunden später wieder bei ihrer Freundin. Elvira Igel folgte ihr; beide ließen mit Herzmassage und Beatmung nicht nach, bis der Notarzt eintraf. Von all dem Drumherum weiß die 49-Jährige nichts mehr: „Ich hab wie eine Maschine reagiert. Ich war damit beschäftigt, sie am Leben zu halten.“

Drei Tage lag die 72-jährige Inge Götze-Glörfeld Inge im künstlichen Koma auf der Intensivstation. „Dann macht man die Augen auf und wundert sich, weil man ein Krankenhaushemdchen an hat. Dann hat man mir erzählt, was passiert ist.“ Der 72-Jährigen wurde ein Defibrillator eingesetzt, der sofort reagiert, sollte ihr Herz noch einmal aussetzen. „Wir verdrängen den Tod. Aber ich denke jetzt darüber nach, wie man seine Zeit nutzen kann.“ Auch Silvia Delfino hat dieser Tag Ende Mai verändert: „Ich habe nach ein paar Stunden gedacht: Du hast einem Menschen das Leben gerettet.“

Harry Seelhoff



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