Bedingt bezugsbereit

Moers..  Acht Jahre ist es her, seit die letzten Abschiebehäftlinge das ehemalige Hafthaus verlassen haben. Seither diente das Gebäude an der Haagstraße 7a gelegentlich als Adventsmarkt, Theaterbühne und – wie in diesen Tagen – als Filmkulisse. Doch meist war es leer und geschlossen. Nun ist das Haus wieder in der Diskussion. Es soll geprüft werden, so fordert es die FDP, ob es Flüchtlingen als vorübergehende Unterkunft dienen könnte.

Beret Roots, Mitglied der FDP-Ratsfraktion, hatte vorgeschlagen, den früheren Abschiebeknast als zentrale Flüchtlingsunterkunft zur Verfügung zu stellen – „provokant“, wie sie selbst sagt, weil damit ein Gebäude ausgerechnet Menschen beherbergen soll, die vor Bürgerkrieg und Bedrohung geflohen sind und oft in Diktaturen lebten, in denen man für ein falsches Wort im Gefängnis landet.

Eigentümer dieser Immobilie in bester Innenstadtlage ist der Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW (BLB). Dort hat man tatsächlich das Hafthaus auf seine Eignung als Unterkunft geprüft – wie alle leer stehenden landeseigenen Häuser. „Mit der Moerser Diskussion hat das nichts zu tun“, versichert BLB-Sprecherin Liane Gerardi, die auch das Ergebnis der Hafthaus-Prüfung kennt: „Bedingt nutzbar“, lautet das Urteil.

Bevor dort Menschen einziehen könnten, müsste einiges umgebaut werden – bei einem denkmalgeschützten Gebäude umständlich und teuer. Auch in den Brandschutz ist zu investieren. Offenbar fehlen – keineswegs überraschend bei einem Gefängnis – Fluchtwege. 54 Einzelzellen mit je acht qm stehen zur Verfügung, dazu sechs Zellen für je zwei bis drei Personen. Im Übrigen würde der BLB das Haus mietfrei zur Verfügung stellen.

Den Charakter des Hauses ändern

CDU-Fraktionschef Ingo Brohl hält trotzdem nichts davon, Flüchtlinge in ein leicht aufgehübschtes Gefängnis zu stecken: „Das Gebäude müsste durch den Umbau seinen Charakter ändern, das wäre extrem teuer.“ Amar Azzoug, Vorsitzender des Bunten Tisches, lehnt die Idee auch ab: „Ich kenne das Haus sehr gut, weil wir früher dort ein Büro hatten und Insassen beraten haben. Ich habe erlebt, wie sich Menschen dort umgebracht haben. Als Wohnung für Flüchtlinge kann ich mir es nicht vorstellen.“