Bauern klagen: zu viele Wildgänse

Wildgänse
Wildgänse
Foto: Christoph Karl Banski
Rund 200.000 arktische Wildgänse überwintern am Niederrhein. Zwar erhalten die Landwirte eine Entschädigung für die Einsaat, aber nicht für den Ernteausfall.

Am Niederrhein..  Für die Ausflügler und Touristen am Niederrhein sind sie ein imposantes Naturschauspiel. Für manchen Landwirt eher eine rechte Plage. Wer seine Äcker und Wiesen in Rheinnähe hat, hat so viel Fraßschäden, dass er jedes Frühjahr Ausgleich bei der Landwirtschaftskammer beantragen muss. Was nicht Sinn der Sache sei, man wolle ja wirtschaften und eigentlich nicht wilde Gänse füttern, wie Landwirt Peter Leimkühler aus Moers meint.

Allein 15 Gutachter der Kammer in Kleve schwärmen jedes Frühjahr aus, um die Schäden, die die arktischen Gäste über Winter angerichtet haben, zu schätzen. „Das Land zahlt den Bauern einen Ausgleich“, schildert Heinrich Schnetger von der Kreisstelle. Hunderte betroffener Betriebe gebe es in den Kreisen Wesel und Kleve. Da haben die Gutachter einiges zu tun.

Beispiel Heuernte: „Das über Winter abgefressene Gras kann ja erst im Frühjahr wieder anfangen zu wachsen. Es kann daher auch erst später gemäht werden und gibt dann auch noch weniger Futtermasse.“

Es kann zum Totalausfall der Ernte kommen

Gleiches gelte für die Felder mit Raps oder Wintergetreide. „Wenn die Pflänzchen von den Gänsen ausgerupft werden, kann es zum Totalausfall kommen.“ Hinzu kommt, dass der scharfe Kot der Gänse den Aufwuchs verbrennt, bei Nässe werden die kleinen Getreidepflanzen von den schweren Vögeln zertreten. Drei Millionen Euro lasse sich das Land die Überwinterung der Gänse in den beiden Landkreisen kosten.

Rund 170 Euro zahle er, um einen Hektar Grünland neu einzusäen. „Wir bekommen Geld für die Einsaat, aber nicht für einen Ernteausfall“, so Peter Leimkühler. Er hat seinen Hof im Norden von Moers, in Kohlenhuck, nicht weit vom Rhein entfernt.

Der Bauer hat auch festgestellt, dass Wildgänse Feinschmecker sind: „Alte Weiden im Rheinbogen meiden sie eher. Gern lassen sie sich auf den gut gedüngten Feldern hier bei uns nieder, wo das saftige junge Getreide steht.“

Vernünftige Ernte nicht möglich

Noch ein Problem: Da Gänse gern in der Mitte des Ackers grasten, sei das nicht geschädigte Getreide am Außenrand im Sommer schon reif – während die abgefressenen, mühsam nachgewachsenen Pflanzen in der Mitte des Feldes noch grün seien. „So was kann man nicht vernünftig ernten“, erklärt Schnetger. Er weiß, dass sich jeden Winter rund 200 000 arktische Wildgänse am Niederrhein niederlassen.

Mit der Entschädigung seien trotz allem aber die allermeisten der 700 betroffenen Landwirte zufrieden. „Es gibt leider keine Alternative. Vergrämt oder verscheucht man die Tiere, lassen sie sich nur beim Nachbarn nieder.“

Es werden immer mehr

In Moers scheint die Welt noch einigermaßen in Ordnung zu sein. Da meldeten letztes Frühjahr fünf bis zehn Bauern Schäden durch Wildgänse an. In Neukirchen-Vluyn waren es ebenso viele. In Kamp-Lintfort verzeichneten elf Landwirte Fraßschäden. „In manchen Gemeinden sind jedoch 40, 50 Landwirte betroffen“, weiß Schnetger.

Dass die Wintergäste aus dem hohen Norden inzwischen zum Landschaftsbild des Niederrheins gehören, weiß auch Peter Leimkühler. „Aber es werden ja immer mehr. Was auch dem Steuerzahler zu denken geben müsste.“