Babylonisches Sprachengewirr in Kamp-Lintfort

Kalibima: mit viel Liebe zum Detail.
Kalibima: mit viel Liebe zum Detail.
Foto: NRZ
Was wir bereits wissen
Caritas und die Gemeinde St. Josef hatten Flüchtlinge zu einer Aufführung des Kalibima, des Kamp-Lintforter Biblischen Marionettentheaters, eingeladen.

Kamp-Lintfort..  Das war ein wahrhaft babylonisches Sprachengewirr, als Caritas und die Gemeinde St. Josef jüngst Flüchtlinge zu einer Aufführung des Kalibima, des Kamp-Lintforter Biblischen Marionettentheaters, eingeladen hatten. Mehr als 20 Gäste waren gekommen, sie sprachen beispielsweise russisch, arabisch, französisch oder die Landessprache in Eritrea, trigrinya. Damit sie bei der Aufführung des Stücks „Esther“ nicht nur Bahnhof verstanden, hatten einige der Flüchtlinge jeweils eine kurze Zusammenfassung in ihrer Landessprache verfasst. In „Esther“ geht es darum, dass man niemanden verurteilen soll, bevor man sich nicht wirklich kennengelernt hat. Und so waren zu diesem Anlass auch viele Gemeindemitglieder gekommen.

„Es war faszinierend zu sehen, dass die Menschen auch nachher noch geblieben sind und sich unterhalten haben, die Kinder haben miteinander gespielt und sie durften auch die Marionetten anfassen“, erzählt Sabine Marx-Krimi, die bei der Caritas Migrationsberatung macht. Sie hatte ihren kurzen Draht bei der Einladung der Flüchtlinge genutzt.

Richtig gemütlich wurde es zusätzlich dadurch, dass alle etwas zu essen mitgebracht hatten und so ein ungewöhnliches, internationales Buffet zusammen kam. „Es war uns wichtig, dass nicht nur über Flüchtlinge gesprochen wird, sondern mit den Flüchtlingen. Das war ein Schritt in die Gesellschaft“, erklärt Thomas Riedel, Pastoralreferent der St. Josef-Gemeinde. Eine Überraschung gab es auch: ein talentierter junger Mann aus Syrien entdeckte den Flügel und gab ein spontanes Konzert.

Ganz nebenbei kamen noch 1000 Euro zusammen, denn Kalibima spielte ohne Gage. „Es ist schön, dass wir nun in besonderen Notlagen auch unbürokratisch helfen können, selbst wenn das nicht unser Hauptanliegen war“, sagt Marx-Krimi. Teilhabe sei vielmehr das Stichwort. Denn Flüchtlinge seien ja zum Nichtstun verdammt: „Da kann man zusehen, wie die Energie verpufft.“ Deshalb setzen Kirche und Caritas vor allem auf Ehrenamtliche, die sich engagieren und Sprachkurse, Sport oder anderes anbieten. „Wenn ein Kühlschrank gebraucht wird, ist das kein Problem. Sowas ist nach dem Gottesdienst erledigt. Dauerhafte Angebote sind schwerer zu realisieren“, weiß Riedel. Er selbst trifft sich regelmäßig mit einem Mann aus Eritrea und versucht, ihm ein bisschen Deutsch beizubringen. „Vielleicht haben ja einige Studenten der Hochschule Interesse an einem solchen Amt“, setzt Marx-Krimi auf die Internationalität der Studenten.