Baby in Lebensgefahr – Bewährung für Vater aus Kamp-Lintfort

Das Gericht entschied sich für eine Bewährungsstrafe, weil die Inhaftierung des Vaters der Familie noch mehr schade.
Das Gericht entschied sich für eine Bewährungsstrafe, weil die Inhaftierung des Vaters der Familie noch mehr schade.
Foto: dpa
Was wir bereits wissen
Das Amtsgericht Moers verurteilt einen Vater zu zwei Jahren Haft auf Bewährung. Kamp-Lintforter hatte seinem Säugling ein Schütteltrauma zugefügt.

Kamp-Lintfort.. Für die lebensgefährliche Misshandlung seines zwei Monate alten Sohnes ist ein Vater in Moers zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt worden. Der 38-Jährige gestand am Mittwoch, das schreiende Baby geschüttelt zu haben. Sein Geständnis und die besonderen Umstände der Tat bewahrten den Mann vor dem Gefängnis. Der Tenor des Urteils lautete: „Der Angeklagte wird wegen Misshandlung von Schutzbefohlenen zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren verurteilt. Die Vollstreckung der Strafe wird zur Bewährung ausgesetzt.“

Der heute 38-Jährige war zur Tatzeit im Juli 2013 an Krebs erkrankt, hatte seinen Job verloren, erhielt nur noch Krankengeld und lebte mit seiner Familie – vier Kinder – auf einem Campingplatz auf engstem Raum. Als der Säugling gegen 23 Uhr schrie, schüttelte es der 38-Jährige – was die Juristen als Augenblicksversagen werteten.Er rief selbst sofort den Notarzt.

Auch habe es zuvor oder danach keinerlei Übergriffe auf Kinder der Familie gegeben. Eine Inhaftierung würde der Familie eher noch mehr schaden. "Die Gefahr einer ähnlichen Tat sehen wir als nicht gegeben an", sagte der Richter.

Einblutungen in die Hirnhaut

Bei der Einlieferung ins Krankenhaus im September 2013 war bei dem Baby ein Schütteltrauma mit Einblutungen in die Hirnhaut und Blutungen in den Augennetzhäuten festgestellt worden.

Der Prozess war bereits im September gestartet, wegen eines neuen Gutachtens aber ausgesetzt worden. Der Verteidiger hatte überraschend angegeben, die Verletzungen des Kindes seien möglicherweise schon durch die schwierige Geburt hervorgerufen worden.

Die Krebserkrankung hat der Kamp-Lintforter offenbar überwunden, er steht als Alleinverdiener zudem kurz vor der beruflichen Wiedereingliederung. Ihn hinter Gitter zu schicken, wollten weder Gericht noch Staatsanwaltschaft.