Ausgang offen
05.11.2010 | 15:27 Uhr 2010-11-05T15:27:00+0100
Gefahr im Verzug. Das Motto vieler Moerser Politiker beim Blick auf die Endlosverhandlungen über das Prestigeprojekt Königlicher Hof mit dem Investor MAB lautet ganz offenbar: Die Hoffnung stirbt zuletzt.
Zu schön waren die Zeichnungen und Grafiken vom neuen kleinteiligen Cityquartier. Aber: Wer immer noch frohlockt, glaubt auch, dass Schalke im Mai Deutscher Meister wird.
Noch viel früher steht der Ratsentscheid über den Vertrag an und für den Moerser Bürger bleibt zu hoffen, dass die unerfüllte Sehnsucht nach einem attraktiven Kern nicht die Sinne seiner Vertreter trübt. Bürgermeister Norbert Ballhaus verhandelt seit Monaten, und das hat gute Gründe. Zum einen in der hausgemacht verschlechterten Position der Stadt – Stichwort Entmietung am Kö. Außerdem setzt der Investor immer neue Stiche. Mal mit dem Florett, mal mit der Axt.
Die ersten Nachverhandlungen von MAB nach einem Wettbewerbsverfahren, dessen Rahmendaten beiden Seiten wohl bekannt waren, haben schon hellhörig gemacht. Plötzlich war das Parkhaus Kautzstraße aus der Planung und der Kaufpreis für das Schlüsselgebäude sollte gedrückt werden. Dann die Posse um den angeblichen Ausstieg der Niederländer, mit dem Jürgen Käfer als Besitzer wichtiger Immobilien unter Druck gesetzt werden sollte. Das war bestenfalls ungeschickt. Wer ehrlich um das Vertrauen der Kommunalpolitik und der Moerser Bürger werben möchte, erspart sich solche Peinlichkeit.
Erschwerend hinzu kommt die öffentliche und wiederholte Absage Käfers an MAB und Stadt, für Verhandlungen überhaupt zur Verfügung zu stehen. Damit hat der Mann sich mit Wort und Glaubwürdigkeit weit aus dem Fenster gelehnt.
Wohlgemerkt: Noch immer scheint die Grundlage für einen endgültigen Vertragsabschluss nicht gegeben, der Ausgang ist völlig offen. Vielleicht baut MAB am Ende ein schickes City-Quartier. Vielleicht wird Schalke Meister. City-Aufwertung ja, aber nicht um jeden Preis.
18:06
Sehr geehrter Herr Passon! Habe mit grossem Interesse Ihren Kommentar gelesen. Gut geschrieben! Echt! Würde mir für unsere Region (Raum Münster) auch solche Journalisten wünschen, die so direkt und ohne Schönreden die Leser zum Nachdenken bringen. Mit Ihren Klartexten haben Sie bestimmt schon so manche Diskussion ausgelöst. :-) Klasse!!!
16:14
Da treffen wohl einige Lokalpolitiker heftigst auf den Boden der Realität. Dass ein Investor die halbe Innenstadt umbaut ist Wunschdenken. Mehr Realitätssinn wäre hilfreich. Bleibt zu hoffen, dass die Moerser Altstadt am Ende nicht auf der Strecke bleibt. Diese zu fördern sollte Hauptziel sein.