Aus New York nach Moers
25.01.2012 | 18:52 Uhr 2012-01-25T18:52:00+0100
Moers. Die Saxofonistin Ingrid Laubrock zieht als neue Improviser in Residence in die Kleine Allee.
Was macht eine aufstrebende und bereits international erfolgreiche Jazzmusikerin aus New York in Moers? „Gute Frage“, sagt die neue Improviser in Residence, Ingrid Laubrock und scheint an ihrem ersten offiziellen Arbeitstag in Moers erst mal einen leichten Kulturschock verdauen zu müssen. „Gestern habe ich versucht, Gemüse in der Stadt zu kaufen - dafür habe ich zwei Stunden gebraucht.“ Als Teenager flüchtete die Saxofonistin aus ihrer münsterländischen Heimat Stadtlohn - „vor allem wegen des mangelnden Kulturangebotes“, so die 41jährige rückblickend. Nun ist Moers zwar nicht New York - aber das örtliche Kulturangebot dürfte - zumindest derzeit noch - größer sein, als das in Stadtlohn.
Natürlich setzt Moers-Festival-Chef Reiner Michalke mit der Entscheidung für Ingrid Laubrock als neue Stadtmusikantin Akzente. Er wolle in diesem fünften Jahr von n!mm (Netzwerk Improvisierte Musik Moers), in dem die Förderung des Bundes ausläuft, ein Signal weit über Moers hinaussenden: „Es geht weiter!“ Mit einer Musikerin, die auch überregional bekannt ist.
Ingrid Laubrock, die schon mit bekannten Größen wie Anthony Braxton oder mit Django Bates’ Human Chain musizierte, gewann 2004 den BBC Jazz Award for Innovation und wurde 2009 mit dem SWR Jazzpreis ausgezeichnet. Sie ist verheiratet, lebt und arbeitet in New York - und wird in ihrem Residentenjahr zwischen der Metropole und Moers pendeln.
„Ein Saxofon ist ihre einzige Konstante“, schrieb die New York Times vor zwei Jahren über die Musikerin, deren erstes Instrument in Stadtlohn von einem Bus überfahren wurde. „Als nach einem Jahr die Versicherung zahlte, wollte ich eigentlich kein neues Saxofon mehr.“ Es kam anders.
Moers sei für sie eine Herausforderung, so Laubrock, die frank und frei zugibt, ihre erste Reaktion auf das Angebot seien die Worte „no way“ - auf keinen Fall - gewesen. „New York ist ein großer Proberaum“, beschreibt sie, warum es Musiker aus aller Welt dorthin zieht. „Aber Moers kennt auch jeder in der Szene.“ Mit Kindern will sie hier arbeiten, renommierte Kollegen zu Gastkonzerten holen und auch da Musik machen, wo Leute lauschen, die sonst nicht in ihre Konzerte kämen.
Ihr Jahr in Moers wird ausschließlich von der NRW Kulturstiftung finanziert. „Das sind die Früchte des Moerser Engagements auf diesem Sektor“, betont Michalke, der die Hiobsbotschaft einer neuen Sparwelle, die auch das Moers Festival treffen könnte, derzeit mit Sorge betrachtet: „Was passiert, wenn sich die Situation verschärft, müssen wir sehen. Aber wir werden versuchen, eine Lösung zu finden, mit der man möglichst wenig kaputt macht.“
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