Aufklärung im Dialog fördern

Innenminister Ralf Jäger (SPD) stellte sich den Fragen der Moerser Bürger zur Flüchtlingspolitik.
Innenminister Ralf Jäger (SPD) stellte sich den Fragen der Moerser Bürger zur Flüchtlingspolitik.
Foto: Ulla Michels
Was wir bereits wissen
Landesinnenminister Ralf Jäger stellte sich im Schlossgespräch der Diskussion mit 100 Moerser Bürgern. Das Thema: Flüchtlingspolitik. Der SPD-Politiker mahnte, Sorgen in der Bevölkerung ernst zu nehmen.

Moers..  Einen besonderen Ort hatte sich die Moerser SPD für den Auftakt in ihre neue Gesprächsreihe ausgesucht. Im Rittersaal des Schlosses fanden rund 100 interessierte Bürger Platz, um mit NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD) ins Gespräch zu kommen. Der Minister stellte sich zu einem brisanten Thema: der Flüchtlingspolitik.

„Meine Großmutter musste 1944 vor der Roten Armee fliehen, meine Mutter ist aus dem Osten Deutschlands nach Duisburg gekommen“, sagte Jäger zu Beginn und machte damit deutlich, dass jeder zu allererst den Blick auf die eigene Geschichte richten soll, bevor er vorschnell urteilt. Keiner der Flüchtlinge, die in Deutschland Zuflucht suchen, gibt alles auf, ohne einen triftigen Grund dafür zu haben, mahnte der SPD-Politiker. Dennoch gebe es in der Flüchtlingspolitik auch Probleme. Sorgen in der Bevölkerung müsse man ernst nehmen und durch Aufklärung und Dialog ausräumen. „Ängste rechtfertigen nicht, montagabends irgendwelchen Nazis in Nadelstreifen hinterherzulaufen“, machte Jäger aber deutlich.

Eine Lösung der weltweiten Flüchtlingsproblematik könne es nur geben, wenn konsequent die Fluchtgründe der Menschen in ihren Herkunftsländern bekämpft werden. „Wir müssen die Flüchtlingspolitik in Europa ändern. Ich weiß nicht wie, aber es muss etwas getan werden“, gab sich dann aber auch der Innenminister ein wenig ratlos. Trotzdem: „Der Ansturm der Flüchtlinge ist für uns in Deutschland eine Herausforderung, aber keine Überforderung.“

Willkommenskultur in NRW ist gut

Moderator und NRZ-Politikchef Jan Jessen warf die Frage nach der oft diskutierten Willkommenskultur in Deutschland auf. Er wolle die Konflikte, die es unbestritten gebe, nicht kleinreden, trotzdem sehe Jäger das Problem in NRW weitaus kleiner als in anderen Bundesländern. „Wir in NRW wissen, dass unser Wohlstand und Erfolg auch von den vielen Menschen mit Migrationshintergrund kommt. Bei uns gibt es ein anderes Klima im Umgang mit Fremden.“

In der Diskussion brannte den Moerser Bürgerinnen und Bürgern kam vor allem ein Thema unter den Nägeln: Der Umgang der Behörden mit den Flüchtlingen. „Warum kommen Amtsschreiben im schon für uns nur schwer verständlichen Behördendeutsch unübersetzt zu den Flüchtlingen. Diese Menschen haben Angst vor Behördengängen. So wird diese Angst nicht ausgeräumt“, ärgerte sich eine Dame.

Er könne diese Anregung nur aufnehmen und weitergeben an die Kommunen, die die 70 Ausländerbehörden in NRW betreiben. „Ich bin schließlich nur der Innenminister NRWs und nicht der König von Deutschland“, so Jäger.