Auffälligkeiten
07.05.2010 | 19:25 Uhr 2010-05-07T19:25:00+0200
Abgesehen vom Klever Wahlkreis mit Issum und Rheurdt, wo Margret Vosseler das CDU-Heft zum Durchmarsch reicht, wird’s morgen spannend. Überraschungen wahrscheinlich.
Gut möglich etwa, dass sich Wolfgang Roth (SPD) zwischen Vluyn und Xanten gegen die erfahrene Landtagsabgeordnete Marie-Luise Fasse das Direktmandat zurückholt. Es schien fast so, als mache Fasse einen Bogen um die tiefrote Zechenstadt, während Roth im gutbürgerlichen Rheinberg nahezu jeden Markttag Klinken putzte. Das war aber schon alles, was auffiel, in einem eher ruhigen Wahlkampf zweier Routiniers.
Anders in Moers und Neukirchen. Neuling Ibrahim Yetim holte fast die gesamte SPD-Parteispitze, stellte 600 leere Teller in der City auf, war omnipräsent. Kontrahent Bruno Vinschen, der spät ins Rollen kam, verbrüderte sich unter anderem mit den Marktbeschickern. Pfiffig. In Podiumsdebatten wirkten beide versiert.
Sollte es wider Erwarten knapp werden für Yetim, liegt es allein an der SPD. Vinschen kann sich auf seine CDU-Stammwähler verlassen, Yetim polarisiert, besonders in Rheinkamp, wo er Mark Rosendahl um die Kandidatur gebracht hat. Spannend, ob die Genossen wirklich bereit sind für einen Kandidaten mit türkischen Wurzeln. Der Vorwurf jedenfalls, dem „zugezogenen Duisburger“ wäre Moers wurscht, ist fadenscheinig. Vinschen, dessen Lebensmittelpunkt sich längst zu Frau und Kind nach Düsseldorf verlagert hat, muss solche Vorwürfe nicht fürchten.
Irritierend bleibt der FDP-Coup mit Alexandra Mertin. Die völlig unerfahrene Studentin stürzte sich tapfer und sympathisch ins kalte Wasser, als Karpfen unter den Hechten. In der Debatte überfordert, gefüttert mit liberalen Stereotypen - das war zu wenig. Und ein schwerer Fehler ihrer erfahrenen Parteifreunde.
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