„Applaus, Applaus ...“

Foto: Christoph Karl Banski

Kamp-Lintfort..  Der Name ist nicht nur Wortspielerei, er ist zugleich auch Programm: „Musik inklusive“ heißt ein ungewöhnlicher Projektchor in Kamp-Lintfort, in dem behinderte und nicht behinderte Menschen allen Alters zusammen Musik machen. „Inzwischen sind wir sogar ziemlich bekannt“, freut sich Susanne Hausmann, auf deren Initiative hin sich der Chor vor zwei Jahren gründete.

Eigentlich aber war es Tom, heute 19 Jahre alt, Down-Syndrom, der den Anstoß gab: „Er möchte auch mal was mit Musik machen, mit richtiger Musik, nix mit Kirchenchor“, erzählt die Verbundleiterin des Familienzentrums St. Josef vom Wunsch des Jugendlichen. Als ehemalige Leiterin der integrativen KiTa „Oase“ hatte sie vor Jahren eine sogenannte „Expertenrunde“ ins Leben gerufen, in der sich Eltern behinderter Kinder austauschen. Und schnell stellte sich heraus – es gab noch mehr Menschen, die darauf Lust hatten.

Für alle Sänger gilt: man entscheidet sich immer nur für ein Projekt – und davon gibt es in der Regel zwei im Jahr. An den Anfang setzen die Chorleiter Monique Bleek und Günter Sanders – im wirklichen Leben übrigens nebenberuflich auch als Rockduo „Heat wave Lite“ unterwegs – ein Brainstorming. Was wollen wir, was können wir zusammen singen und vor allem wie? Und weil im Chor Basisdemokratie herrscht, wird bis zur Generalprobe diskutiert ... „Es ist nicht unser Ziel, überall singen zu wollen“, sagt Hausmann. „Man darf nicht vergessen, dass die behinderten Menschen in unserem Chor nicht immer gleich belastbar sind.“ Die Dauer eines Programms, die Schwierigkeit der Texte – „da muss man immer ein bisschen gucken.“

Am ersten Adventwochenende sang der Chor auf dem Barbaramarkt sein Programm „It’s christmas time“ – und es war pickepacke voll im Zelt. Das Repertoire: ziemlich poppig und rockig – vom Band Aid-Song bis zu „Angel“ von Robbie Williams. Und letzteres, gesteht Hausmann, die selbst auch im Chor mitsingt wann immer sie Zeit hat, sei schon eine Herausforderung ...

Dabei nimmt der Chor viele Herausforderungen an – zum Beispiel auch, mit Gehörlosen Musik zu machen. Für Susanne Hausmann zählt der Auftritt beim beim ökumenischen Gemeindefest im Niersenbruch immer noch zu einem ihrer persönlichen Gänsehautmomente: „Unser Chormitglied Andreas ist gehörlos. Zusammen mit ihm haben wir den Refrain ,Applaus, Applaus’ von den Sportfreunden Stiller in Gebärdensprache einstudiert und mit ihm gemeinsam gesungen. Andreas saß ganz nah an den Boxen, damit er den Rhythmus fühlen konnte. Das war schon sehr emotional.“

Ein anderes Lied im Repertoire, dass der Chor sehr schätzt, ist „Wunder“ von Andreas Bourani. „Das ist ein sehr spezielles Lied für uns. Wenn man den Text mit unserem Chor singt, das berührt immer wieder.“

Die Proben für das nächste Projekt beginnen voraussichtlich im Februar – neue Interessenten können sich bei Susanne Hausmann unter 02842/707 314 melden. Was Hausmann noch unter den Nägeln brennt: „Wir sind ganz aktuell auf der Suche nach Sponsoren. Beim letzten Projekt waren auch acht Bewohner des Peter-Janßen- Hauses dabei – da haben wir ausnahmsweise im Jansen-Haus geprobt. Dieser Raum ist aber zu klein und unser eigentlicher Probenort ist das Gemeindehaus Gestfeld. Damit die Hausbewohner mitmachen könnten, müssten wir den Transport und eine Betreuung für die Probe finanzieren.“

Denn eines steht für Susanne Hausmann fest: „Musik verbindet – und das ist der größte Gewinn.“