Annika Stadler ist neue Dramaturgin am Schlosstheater

Annika Stadler, neue Dramaturgin am Schlosstheater Moers.
Annika Stadler, neue Dramaturgin am Schlosstheater Moers.
Foto: Christoph Karl Banski
Was wir bereits wissen
Die 31-Jährige hat es noch nicht geschafft, alle 46 Bücherkisten von berlin nach Moers zu holen. Dabei machen sie Wände ohne Bücherregale nervös

Moers..  Es überrascht nicht wirklich, dass die Zahl der freudigen Umzugshelfer überschaubar ist: Bei 46 Bücherkisten, die Annika Stadler von Berlin nach Moers transportieren muss, könnte nämlich der Freundschaftsdienst in ziemliche Arbeit ausarten. Insofern wird es noch was dauern, bis die neue Dramaturgin am Schlosstheater endgültig am Niederrhein ankommt. Obwohl: „Wände ohne Bücherregale machen mich nervös“, lacht die 31-Jährige, die dieses Trauma schon öfter durchleben musste. Geboren in Stuttgart, aufgewachsen in Reutlingen, studiert in Leipzig („Ich spreche besser sächsisch als schwäbisch“), gearbeitet in Dresden, Hamburg und zuletzt eben in Berlin.

Jetzt also Moers: „Den Westen hatte ich noch nicht.“ Es war eine schnöde Stellenanzeige, die die junge Frau hierhergeführt hat und ein Bewerbungsgespräch, bei dem man sich „offensichtlich sympathisch war.“ Wie auch der erste Aufschlag im Dezember in der Stadt die Theaterwissenschaftlerin für sich eingenommen hat: „Die Menschen sind sehr freundlich hier“, schildert sie ihre ersten Erfahrungen, „Ich habe hier am ersten Tag mit mehr Menschen geredet als in Berlin.“

Ambitionierter Spielplan

Auf ihre Arbeit freut sie sich: „Das ist schon ein sehr besonderes Theater mit überregionaler Bedeutung und mit einem sehr ambitionierten Spielplan bei der Größe des Hauses.“ Und die Überschaubarkeit hätte den entscheidenden Vorteil, dass man sich schnell alle Namen merken könnte, scherzt sie. Nach zwei Jahren als freie Dramaturgin schätzt sie auch die feste Anstellung: „Frei zu arbeiten ist wie zu Besuch sein und den Abwasch nicht zu machen. Jetzt kann ich mitreden und mitplanen.“ Das konnte sie auch umgehend tun, waren doch die Vorbereitungen für die Premiere von Orwells „1984“ in vollem Gange. „Da musste ich erst mal mein Schulliteratur-Trauma überwinden, aber man kann doch immer noch was Neues drin entdecken“, hat die junge Frau erkannt.

Natürlich hat sie schon die Auseinandersetzungen um die Moerser Kultur mitbekommen, nimmt das aber zunächst mal lässig: „Das habe ich noch nie anders erlebt, dass Theater in der Diskussion stehen. Da bin ich vorbereitet. Gegen die geplante Schließung des Hamburger Schauspielhauses habe ich mit demonstriert, auch das Gorki Theater in Berlin liefert sich immer einen Wettkampf gegen Geld und Politik.“

Erstaunt ist Annika Stadler, dass Moers eine unerwartet musikalische Stadt ist: „Obwohl meine Freunde auf Anhieb wussten, wo Moers liegt. Wegen des Moers Festivals. Ich hatte das nicht auf dem Schirm.“

Dass ihre Idee von Theater durchaus zu der von Intendant Ulrich Greb passen könnte, zeigt ein Blick auf zwei der letzten Inszenierungen Stadlers: „Das Verein“, ein Stück über drei Nichtdeutsche, die einen Verein gründen, aber nicht wissen warum, und eines über einen Isländer, der Holzfäller werden möchte und dafür nach Deutschland kommen muss.

Wer weiß, vielleicht muss Annika Stadler jetzt nicht mehr soviel reisen und nach drei Abschieden in fünf Jahren ist jetzt erst mal Schluss mit Bücherkisten packen.