Angehörigen Todesnachrichten zu überbringen ist ihr Job

Polizeioberkommissarin Melanie Hoerhold überbringt Angehörigen traurige Nachrichten.
Polizeioberkommissarin Melanie Hoerhold überbringt Angehörigen traurige Nachrichten.
Foto: Lars Heidrich/ Funke Foto Service
Polizeioberkommissarin Melanie Hoerhold überbringt seit vier Jahren Angehörigen die Todesnachricht eines geliebten Menschen. Eine belastende Arbeit.

Am Niederrhein.. Ein tödlicher Unfall, ein Herzinfarkt, Arbeitsunfälle, vielleicht ein Selbstmord – oft wissen die Angehörigen von einem Todesfall nichts, bis die Polizei vor der Türe steht. Für die Angehörigen ist die Nachricht, welche die Beamten überbringen, ein Schock; für die Überbringer ist die Situation äußerst belastend. Bei der Kreispolizeibehörde Wesel wird diese Aufgabe ausschließlich von speziell geschulten Beamten wahrgenommen. Polizeioberkommissarin Melanie Hoerhold ist eine von ihnen.

„Die Frage ist: Wie möchtest du, dass dir diese Nachricht überbracht wird?“ Melanie Hoerhold macht es seit ein paar Jahren und sagt: „Ich trau es mir zu.“ Ihr Freund und ihre Familie sind ihr Schutzschirm, dort wird sie aufgefangen, wenn die Aufgabe einmal mehr sehr belastend war.

Wer diesen „Job“ übernimmt, der begleitet eine Zeit lang einen der Kollegen, die sich bereist dieser Aufgabe stellen. „Man muss testen: Kannst du das, oder nicht?“ Wenn man sich wie Melanie Hoerhold dafür entschieden hat, absolviert man nicht nur Seminare mit Notfallseelsorgern, sondern auch solche mit Schauspielern, die die Rolle der Hinterbliebenen übernehmen, „damit man nicht überfahren ist.“

50 traurige Nachrichten im Jahr überbringen

Rund 50 Einsätze sind es kreisweit im Jahr, zwei bis drei Mal im Monat, muss Melanie Hoerhold erschütternde Nachrichten überbringen: „Trauernde reagieren unterschiedlich. In einem Fall eines Selbstmordes erlebte ich, dass die Mutter weinte, und der Vater war sauer. Jeder ist für seine Trauer selbst verantwortlich.“ Sie machte die Erfahrung, dass Migranten anders trauern: „Sie schreien, klopfen an die Wände.“ Schlimm sei ihre Aufgabe besonders dann, wenn es um Kinder geht.

All dies ist nicht während des normalen Polizeidienstes zu leisten. Nach ihrem normalen Dienst und am Wochenende ist sie in Bereitschaft, wird oft genug nachts aus dem Bett geklingelt. Seit vier Jahren stellt sie sich dieser Aufgabe; ans Aufhören denkt sie nicht, auch wenn sie es jederzeit könnte. Denn sie stellt sich stets die eine Frage: „Wie möchtest du, dass dir diese Nachricht überbracht wird?“