Am Ende gab es noch einmal Party in Moers

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Für den Auftritt von Bassekou Kouyaté räumte das Team vom Moers Festival noch mal die Stühle aus der Halle: Erinnerungen an die legendären African Dance Nights.

Moers..  Für den Auftritt von Bassekou Kouyaté räumte das Team vom Moers Festival noch mal die Stühle aus der Halle. Am Ende gab es noch mal richtig Party. Der Familienclan aus Mali präsentierte durchaus Tanzbares und weckte wohl bei manchem älteren Semester Erinnerungen an die legendären African Dance Nights. Derweil räumte das Gastronomenteam das Festivalaußengelände schon mal leer. Da schaute mancher sparsam aus der Wäsche, der nach dem Konzert noch gerne einen Absacker getrunken hätte. Obwohl: Der Händlermarkt war ja noch geöffnet und auch am Montagabend recht gut besucht. Da hat es schon traurigere Abschlüsse des Moers Festivals gegeben.

Gefiedel trifft Improvisation

Zuvor hat es noch ein ausgesprochen kontrastreiches Programm gegeben. Die schwedische Sängerin Sofia Jernberg verlangte dem Publikum allerhand ab. Schließlich hatte sie Olav Mjelva als Partner auf der Bühne, einen norwegischen „hard-core Fiddler“. So gingen hier – begleitet vom Trondheim Jazz Orchestra – Volksmusik und Improvisation eine spannende und zuweilen schrille Verbindung ein.

Eine großartige Entdeckung war Frank Gratkowskis „Z Country Paradise“, nicht zuletzt wegen der Sängerin Jelena Kuljic, einer kleinen, hellhäutigen Frau mit einer großen schwarzen Stimme. Unglaublich, was sie aus sich herausholt. Und Gratkwoski ging nicht zimperlich zu Werke. Es ging ordentlich zur Sache mit deutlichen Übergriffen ins brettharte Fach.

Artist in Residence Colin Stetson lieferte Montag seinen vierten Auftritt ab, diesmal solo. Auch wenn es sich eher nach einer ganzen Band anhörte, soviel Geräusch erzeugte er mit Saxofon, Ventilklappen und Stimme. Alles gleichzeitig, übrigens. So kannten ihn die Moerser schon von 2009. Aber sie ließen sich gerne noch einmal auf diese sphärischen, fast beschwörenden Endlos-Schleifen ein.

Insgesamt geht das Konzept von Reiner Michalke auf: Das Moers Festival ist ein Konzert-Ereignis und kein Happening. Das war besonders deutlich zu spüren beim Auftritt von Michael Mantler und der Nouvelle Cuisine Big Band. Dieser Beitrag fesselte das Publikum so sehr, dass so gut wie keine Bewegung im Saal war. Keine Selbstverständlichkeit beim Festival, dass alle, alle sitzen bleiben. Ebenso in den Bann zog auch Elvind Opsvik, der mit atemberaubender Sicherheit Brüche setzte.

Positive Bilanz

Ein zufriedener künstlerischer Leiter Reiner Michalke zog am Abend Bilanz. Für ihn waren die Konzerte von Nouvelle Cuisine, Eve Risser sowie von Peter Evans mit „Pulverize the Sound“ herausragend: „Das waren tolle Erlebnisse.“ Dass der Sound im Gegensatz zum Licht in manchen Bereichen optimierbar ist, räumte er ein. „Aber bei einigen Künstlern kommt soviel Druck von der Bühne, das ist kaum steuerbar.“ Schmunzelnd verkündete er, dass die Festivalhalle die „sicherste Halle der Welt“ sei. Das hätten der Fehlalarm und das prompte Ausrücken der Feuerwehr in der Nacht zu Montag gezeigt.