Alle Bäume fällen? Das will keiner
14.02.2012 | 10:51 Uhr 2012-02-14T10:51:00+0100
Kamp-Lintfort. Aber die nahe an den Grundstücken stehenden Platanen oder Kastanien stören die Anwohner zum Teil doch sehr.
Wer einmal in seinem Garten eine Platane gehabt hat und das Laub entsorgen musste, der weiß, worüber die Anwohner der Altsiedlung und anderer Straßen in Kamp-Lintfort speziell bei altem Baumbestand klagen. Der Laubmassen wird man kaum Herr.
Das war auch am Donnerstagabend wieder in der Mensa der Diesterwegschule zu hören. Dorthin hatte die Verwaltung zu einer Informationsveranstaltung eingeladen, bei der das Konzept zur Erneuerung der Straßenbäume vorgestellt wurde.
Bei seiner Begrüßung zeigte Bürgermeister Christoph Landscheidt gleich das Problem des Themas auf. Bäume hätten etwas mit Lust, aber auch mit Leid zu tun. „Wir werden Ihnen nicht alle Fragen beantworten können.“ In das Erneuerungsprogramm werden jährlich 170 000 Euro investiert – über einen Zeitraum von, derzeitiger Stand, zunächst fünf Jahren. „Wir können nicht alle Probleme lösen und es wird auch nicht für alle zufriedenstellend sein.“
Die Teilnehmer berichteten teilweise emotional von ihren Sorgen. Manche klagten über Laub- und Rindenbeseitigung von Februar bis Dezember. „Nach dem Fegen bekomme ich, obwohl ich kein Allergiker bin, keine Luft mehr. Wie soll das erst älteren Menschen gehen? Und wie soll es uns Jüngeren später gehen, wenn wir jahrzehntelang Laub beseitigt haben?“ Auch um die Sicherheit bei Sturm machte sich so mancher Gedanken. Ein Besucher berichtete davon, dass seine Tochter dann immer im Keller statt im Dachgeschoss schlafe.
Der von der Stadt mit der Erstellung des Konzepts beauftragte Sachverständige Jürgen Kutscheidt gab zu bedenken: „Ohne Bäume verlieren Grundstücke ein Viertel ihres Werts.“ Das von Einigen geforderte Kleinhalten der Bäume sei fachlich falsch. „Wenn man oben abschneidet, wächst der Baum genau da noch schneller nach.“ Und dann koste die Pflege noch mehr Geld.
Pflegerisch sinnvoll mit den Bäumen umgehen oder alle beseitigen: Das wären zwei Alternativen. Aber alle Bäume fällen, das wollten die Zuhörer dann auch nicht.
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