Ältestes Gebäude von Vluyn feiert Jubiläum: die Dorfkirche

Was wir bereits wissen
Vor 300 Jahren wurde das Gotteshaus in Vluyn erweitert. Es hat aber weit ältere Wurzeln. Eine lebendige Gemeinde füllt es mit Leben

Neukirchen-Vluyn..  Vor 300 Jahren war es, als die Vluyner Bürger ihre Dorfkirche mit einem größeren Kirchenschiff erweiterten und gleich noch den Glockenturm mit einem schönen Spitzdach aufstockten. Das Jubiläum will die evangelische Gemeinde Vluyn ein Jahr lang gebührend feiern.

Das Denkmal Dorfkirche ist das älteste Gebäude in Vluyn. Das weiß auch Pfarrer Stefan Vogt: „In einer Urkunde des Klosters Kamp von 1297 geht es um einen Bauernhof nahe der Kapelle in Neuenkirken“, schildert Vogt. Dies müsse die damalige katholische Vluyner Kapelle gewesen sein, Vorläuferin der heutigen Kirche an gleicher Stelle. Als das Gotteshaus angesichts einer wachsenden Gemeinde zu klein wurde – längst hatte die Reformation stattgefunden – entschloss man sich 1715 zur Erweiterung.

Pfarrer Vogt liebt seine Kirche, wie zu merken ist. Was nicht weiter wundert. Der Innenraum ist licht und beherbergt eine schöne alte, vor einigen Jahren renovierte Einrichtung. „Man sieht sehr schön, wie Tradition und Moderne harmonieren. Was übrigens auch ein gutes Bild für unsere Gemeinde ist.“

Kanzel ist Blickfang

Die alte Kanzel ist Blickfang hinter dem Altar. Die Beleuchtung dagegen ist modern, aus schlichtem Glas. Und die sehenswerte, schön restaurierte Orgel steht im Kontrast zum E-Piano am anderen Ende des Raumes. Die Säulen, auf denen die Emporen stehen, zieren Palmenmotive. Zwei Palmblätter auch an der gläsernen Eingangstür. Am modernen Altar wurde ebenfalls Palmholz verbaut: Denn der Legende nach soll ein Palmensamen, obwohl ein schwerer Stein auf ihm lag, zu einem starken Baum gewachsen sein, der selbst dem Sturm standhielt. „Die Palme ist daher Symbol des christlichen Glaubens“, erklärt der Pfarrer.

2003 kam Stefan Vogt nach Vluyn. „Wir sind eine sehr lebendige Gemeinde“, berichtet er. „Jeder gehört dazu. Wir feiern auch alles, was eine Gemeinde ausmacht. Mittelpunkt sind die Gottesdienste, die bei uns gut besucht sind.“ Wenngleich der Theologe weiß: „Die Herausforderung, Jugend zu erreichen, sehen wir auch.“ So wolle man beispielsweise das Angebot der Jugendgottesdienste erweitern.

Veränderte Hörgewohnheiten

Zudem hätten sich auch die Hörgewohnheiten verändert. In Zeiten des Internetkonsums sei es nicht mehr selbstverständlich, 20 Minuten einer Predigt zu folgen. Videoclips, moderne Musik, Theaterszenen, verkürzte Texte gehörten daher zum Jugendgottesdienst dazu, der übrigens von den jungen Leute selbst gestaltet wird. „Bist Du schon on?“ oder „I seek you“ sind einige der Themen. Übrigens: „Die Jugendband such immer neuen Mitglieder.“

Die Menschen nehmen, wie sie sind: „Angedacht“ heißt es für alle, die sich vom klassischen Gottesdienst nicht angesprochen fühlen, sonntags nachmittags in der Kirche. Daneben werden auch Glaubenskurse angeboten. Nicht zuletzt die zahlreichen Angebote für Senioren. Auch ein Jugendheim betreibt die Gemeinde. Trotz allem geht die Zahl der Gemeindeglieder durch den demografischen Wandel zurück. „Als ich kam, waren es 5600, jetzt sind es noch etwa 5000.“

Im September soll ein großes Gemeindefest über die Bühne gehen. „Dafür suchen wir noch Menschen, die Geschichten mit unserer Kirche erlebt haben und diese hier erzählen“, lädt der Pfarrer ein.

Auch für den Glauben rührt Vogt gerne die Werbetrommel: „Der hat den Menschen viel mehr zu bieten als die alltägliche Arbeit es beispielsweise kann. Predigten sind Inspiration für den Alltag.“ Und: „Wir sind auch Seelsorger. Die Menschen können sich an uns wenden, wenn sie Sorgen haben. Oft reicht ja schon ein gutes Gespräch. Die Zeit dafür ist immer da.“