Ackern für das eigene Bio-Gemüse in Kamp-Lintfort

Ackerheldin Tanja Kuttig baut eigenes Gemüse auf ihrer Parzelle an.
Ackerheldin Tanja Kuttig baut eigenes Gemüse auf ihrer Parzelle an.
Foto: Christoph Karl Banski
Was wir bereits wissen
Tanja Kuttig ist Ackerheldin und pflanzt und pflegt auf 40 Quadratmetern kiloweise nahrhaftes Grün.

Kamp-Lintfort..  Der Salat in Parzelle 33 ist in der letzten Woche prächtig gewachsen, ebenso Kohlrabi und Rotkohl. Aber wo verflixt noch mal kommen auf einmal diese unschönen Erdhügel zwischen den noch zarten Rote Bete-Blättchen und den Kartoffelpflanzen her? „Oh nein, ich glaube, ich habe einen Maulwurf“, sagt Tanja Kuttig und bleibt erstaunlich gelassen. „Letzte Woche habe ich die Hügel noch ganz am Ende des Ackers gesehen.“ Nun wäre die 37-Jährige keine Ackerheldin, wenn sie so ein blindes Wühltier aus der Furche schmeißen würde. Und mal so gesehen: Wenn auch nur die Hälfte des Gemüses, das auf den gemieteten 40 Quadratmetern vis-a-vis des Biolandhof Frohnenbruch gerade prächtig gedeiht, geerntet werden kann, hat Tanja Kuttig immer noch satt und genug zu ernten.

Ein Mal pro Woche heißt es, ab ins Beet

Via Facebook erfuhr Tanja Kuttig im letzten Jahr von der Idee der „Ackerhelden“ der beiden Essener Birger Brock und Tobias Paulert. Das Unternehmen vermietet biozertifizierte Landparzellen zum selbst beackern und abernten – unter anderem in Kamp-Lintfort. Tanja Kuttig mochte die Vorstellung, ein eigenes Stück Acker mit Biogemüse zu haben, auf Anhieb. Fast. „Erst habe ich mich nicht so recht getraut, aber dann hat mein Mann gesagt, ,komm, das machen wir jetzt einfach’.“

Um ihren Gartenstreifen auf dem Ackerland bei Hoerstgen kümmert sich Tanja Kuttig jetzt schon im zweiten Jahr mit viel Lust und Liebe. Drei Viertel davon sind vorbepflanzt, unter anderem mit Kartoffeln, Rotkohl, Radieschen, Fenchel und Rosenkohl. Im anderen Viertel können sich die Ackerhelden selbst austoben – das gehört zum Konzept. Von Mitte Mai bis Mitte November kommt die Maskenbildnerin ein Mal pro Woche hierher, um Unkraut zu rupfen, zu gießen, zu pflanzen, zu säen und natürlich irgendwann ihre Ernte einzufahren. „Ab Juli“, sagt Tanja Kuttig, „schleppt man hier körbeweise Gemüse ‘raus.“

„Der wächst ja gar nicht im Netz“

Heute kommen unter anderem Zucchini, Porree, Tomaten, essbare Blüten, Schnittlauch und Asia-Salat in die Erde. Bevor sie zur Ackerheldin wurde, hatte Tanja Kuttig kaum Erfahrung als Gemüsegärtnerin. „Tomaten auf dem Balkon, das war’s im Prinzip.“ Gelernt hat sie schnell, man werde ziemlich gut mit Informationen versorgt bei den Ackerhelden, findet sie. Nicht nur wie und wann man was am besten wohin pflanzt, weiß sie inzwischen, sondern auch, wie Spitzkohl schmeckt. „Den hatte ich vorher noch nie gegessen“, sagt die 37-Jährige, „genauso wenig wie Mangold.“

Spannend sei das, von Woche zu Woche zu beobachten, wie das Gemüse wächst. „Letztes Jahr habe ich ein Foto von meinem Rosenkohl gepostet, frei nach dem Motto: Guckt mal, der wächst ja gar nicht im Netz...“

Begeistert ist sie auch von der Bio-Qualität ihrer Ernte. „Von meinen Kartoffeln hatte ich im letzten Jahr sechs Monate was – ohne, dass sie gekeimt hätten.“ Dass auf dem Acker nur Bio-Gemüse wächst, darauf wird streng geachtet. Angefangen von der Auswahl der bereitgestellten Pflanzen und des Saatguts bis hin zu strikten Vorschriften beim Gärtnern. „Düngen dürfen wir hier beispielsweise nicht.“ Will Tanja Kuttig auch gar nicht. Das, sagt sie, sei nämlich überhaupt nicht nötig.

Eine Zeit lang hatte die 37-Jährige auch mit einem Schrebergarten geliebäugelt – aber auf die Vereinsmeierei habe sie einfach keine Lust gehabt, sagt sie. Mit dem Gärtnern auf Ackerhelden-Art hat sie mittlerweile auch andere angesteckt. Nicht nur wegen des lila Kartoffelpürees, mit dem sie im letzten Jahr an ihrem Arbeitsplatz im Theater Krefeld kurzfristig Aufsehen erregt hat. Die Saat ist aufgegangen: Eine ihrer Kolleginnen ist in diesem Jahr auch zur Ackerheldin geworden.