Achtung vor den Menschen in Afrika
15.01.2013 | 16:31 Uhr 2013-01-15T16:31:00+0100
Kamp-Lintfort. Wer opfert heutzutage Freizeit und Urlaub für notleidende Menschen? Der Chefarzt der Unfallchirurgie Thomas Merten und Schwester Angelika Wilms vom Krankenhaus St. Bernhard tun so etwas. Schon zweimal waren sie 14 Tage im afrikanischen Kamerun, um dort in einem kirchlich unterstützten Krankenhaus ehrenamtlich Menschen zu behandeln.
Im Herbst 2010 und im Herbst 2012 flogen die beiden Lintforter nach Afrika. „Den Kontakt hatte ein afrikanischer Assistenzarzt hergestellt, der bei uns in Lintfort seine Ausbildung absolvierte“, schildert der Chefarzt. Der Afrikaner, inzwischen sein Freund, sei heimgekehrt und selbst an dem Krankenhaus in Ngaoundéré als Mediziner tätig. Daneben habe sich auch ein Pfleger von dort am St. Bernhard-Krankenhaus fortgebildet. „Vor allem die Hygiene ist dort noch wenig entwickelt“, weiß die Schwester. Seit der Pfleger in Lintfort war, mache dies aber große Fortschritte.
„Wenn die Menschen im Kamerun ins Krankenhaus kommen, müssen sie einen finanziellen Beitrag leisten. Ganz ohne Geld geht es in der Klinik nicht.“ So legten oft Verwandte oder das ganze Dorf zusammen.
Die beiden Niederrheiner behandeln in Ngaoundéré meistens Patienten mit schweren Verletzungen wie Knochenbrüchen oder Verbrennungen. „Oft müssen wir auch falsch zusammengewachsene Brüche nachbehandeln“, so der Mediziner. Dabei stehe ein Instrumentarium zur Verfügung, das nicht gerade auf dem neusten technischen Stand sei. „Das ist zwar verwendbar, aber nicht optimal.“
„Ein Teil unserer Aufgaben in Afrika besteht auch in der Schulung des Pflegepersonals“, schildert die Schwester. „Vor allem der Bereich Hygiene und die Handhabung der Instrumente machen Fortschritte.“
Die Art, wie die Menschen im Kamerun mit ihren Leiden umgehen, ringt den beiden Deutschen jedes Mal Hochachtung ab: „Man kann sich hier kaum vorstellen, wie die Menschen dort mit schweren Behinderungen leben; ohne zu klagen.“ Auch die Geduld, die die Kranken aufbringen, wenn sie warten müssen, sei bewundernswert. „Wir können viel von diesen Menschen lernen, sie klagen nicht, sind unglaublich leidensfähig“, schildert der Arzt. „Und sie sind dankbar. Oft sprechen sie uns an, wenn wir beispielsweise abends aus der Klinik kommen“, erzählt Angelika Wilms (55).
Das Sozialsystem im Kamerun sei nach wie vor die Großfamilie. So müsse man sich denn auch den Klinikalltag anders als in Deutschland vorstellen. „Dort schlafen die Angehörigen auf dem Boden vor den Betten. Sie kochen für die Kranken, waschen sie, versorgen sie rund um die Uhr“, erklärt Thomas Merten.
Das Krankenhaus St. Bernhard nimmt seinen christlichen Auftrag auch bei den beiden Kamerun-Helfern ernst. Sie bekommen eine Woche frei für ihren Einsatz. Die zweite Woche legen sie noch einmal vom Urlaub drauf. Am liebsten würden die beiden diesen Herbst wieder fahren. „Mal sehen, ob das zeitlich klappt“, sagt der Arzt.
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