1000 Unterschriften für die Praxis

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Kamp-Lintfort..  Britta Rehse reicht’s: „Ich höre täglich: Das ist ja wohl das Allerletzte.“ Damit meinen die Kamp-Lintforter den Streit um die ehemalige Orthopädie-Praxis des Dr. Bernd Simon, die mit Dr. Carsten Maier und Dr. Christian Illian zwei junge Orthopäden übernahmen – oder vielmehr: übernehmen wollten. Denn es brach ein Streit um die Kassenzulassung aus, da das St. Bernhard-Hospital diese gern für sich gehabt hätte. Jetzt haben die Kamp-Lintforter mit rund 1000 Unterschriften dokumentiert, was sie davon halten.

Britta Rehse arbeitet in der Zahnarztpraxis Dr. Stawicki und machte Nägel mit Köpfen. Als ehemalige Patientin Dr. Simons, dessen Nachfolger wegen der vom St. Bernhard vor dem Sozialgericht eingereichten Klage keine Kassenpatienten behandeln dürfen, hat sie für das Vorgehen des Krankenhauses nicht das mindeste Verständnis: „Das wird auf dem Rücken der Patienten ausgetragen.“ Und so legte sie mit Erlaubnis und Unterstützung ihres Arbeitgebers, des Zahnarztes Dr. Henry J. Stawicki, Unterschriftenlisten in dessen Praxis aus.

Er steht voll hinter den Kollegen

„Ich finde es eine unmögliche Situation, dass zwei Ärzte, die eine Zulassung hatten, plötzlich keine mehr haben“, zürnt Dr. Stawicki. Er stehe voll hinter den Kollegen – es seien „die Verwalter, die sie bestrafen.“ Theresia Scharfschwerdt, Oberärztin am St. Bernhard-Hospital, bewarb sich aber vergeblich um den Kassensitz am „Medizinischen Versorgungszentrum“ des St. Bernhard; sie klagt nun vor dem Sozialgericht mit der Konsequenz, dass Illian und Maier vorerst keine Kassenpatienten behandeln dürfen. Und solche Verfahren können Jahre dauern – eine Katastrophe für die Orthopäden, die längst ihre Praxis eingerichtet haben. Carsten Maier: „Das Klagerecht von Frau Scharfschwerdt wird über alles andere gestellt. Aber was ist mit unserem wirtschaftlichen Recht? Einer Angestellten haben wir bereits kündigen müssen.“ Es mache keinen Spaß, sich überlegen zu müssen, wen man von denen entlasse, die man gerade eingestellt habe.

Bleibt anzumerken, dass nicht nur die Kassenärztliche Vereinigung, sondern auf die Beschwerde der Oberärztin hin auch deren Berufungsausschuss den Kassensitz den beiden jungen Orthopäden zusprachen. „Der Rechtsausschuss der KV hat ein Schreiben ans Landessozialgericht geschickt“, erläutert Dr. Carsten Maier den derzeitigen Stand der Dinge. Er will nun die Petition mit den 1000 Unterschriften ebenfalls dem Landessozialgericht vorlegen. Vielleicht sorgt der Patientenwille dort für etwas Bewegung.