Zwischen Artilleriefeuer und Kapitulation

Freienohl..  Morgen feiern viele Kinder in der Region ihre Erste Heilige Kommunion. Renate Voß, heute 78 Jahre alt, erinnert sich an ihr Hochfest, das im April 1945 in Freienohl stattfand, kurz vor Ende des Zweiten Weltkrieges - zwischen Artilleriefeuer und Kapitulation.

„Zuvor schon war es schwierig gewesen, überhaupt ein weißes Kleid für den Festtag zu finden“, erinnert sie sich. „Das musste teilweise im Tauschhandel gegen Lebensmittel beschafft werden.“

Auch sei die Angst wegen der Bombenangriffe groß gewesen, „Wir verbrachten an diesem Tag viel Zeit im Keller.“

Chronist Pfarrer Ferdinand Gerwinn

Am weißen Sonntag 1945, dem 8. April, gingen in Freienohl 77 Kinder, 42 Jungen und 35 Mädchen zur Kommunion. Festgehalten hat das Pfarrer Ferdinand Gerwinn in der Kirchenchronik. Gerwinn war von 1916 bis 1949 in der Gemeinde tätig und ist Ehrenbürger des Ortes.

Er schreibt: „Die Kommunionfeier fand morgens um 7 Uhr statt und verlief ungestört. Der Auszug der Kinder aus der Kirche über die Straße zur Schule wurde von den amerikanischen Soldaten, die auf dem Küppel Aufstellung genommen hatten, mit Fernrohren beobachtet.“

Geschenke gab es kaum, erinnert sich Renate Voß. Ein kleines Heiligenbildchen und eine Urkunde des Pfarrers hat sie noch gefunden. Erinnerungsbilder gab es natürlich auch nur wenige. Christel Mockenhaupt, eine Freundin von Renate Voß, hat eins in ihrem Album gefunden. „Kaum jemand hatte die Möglichkeit, geschweige denn die Nerven, die Kommunionkinder zu fotografieren, während die Amerikaner vor der Stadt lagen“, sagt die Freienohlerin.

Ruhig blieb es auch nur am Weißen Sonntag. Am Montag, so berichtet wieder Pfarrer Gerwinn, sprengten die deutschen Soldaten, die in Freienohl ihr Standortquartier hatten, sämtliche Brücken. „Sofort setze als Antwort das Artilleriefeuer der amerikanischen Soldaten ein und dauerte mit Unterbrechungen bis Mittwochmorgen.“

Mittwochmorgen bemerkte der Pfarrer dann einen Volksaufauflauf vor dem Gasthof Hötte, wo das Militärkommando lag. Er schreibt: „Mit Bitten und Drohungen versuchten die Leute die Soldaten zu bewegen abzuziehen, damit die Übergabe stattfinden könne. Das Ansinnen wurde schroff abgelehnt.“

Daraufhin ging Pfarrer Gerwinn selbst zum Kommandanten, einem SS-Mann. „Als Seelsorger“ bat er ihn: „Leisten Sie keinen Widerstand. Sie stürzen uns und damit alle ins Unglück.“ Der Kommandant erwiderte Gerwinn kurz: „Wir werden abziehen.“ Beim Rückzug sprengten die deutschen Soldaten noch die Brücke in der Rümmecke.

Weiße Fahne gehisst

Gerwinn: „Sofort wurde am Turm die weiße Fahne gehisst. (....) Die Kapitulation wurde angenommen und in der Mittagsstunde zogen die amerikanischen Soldaten in Freienohl ein.“