Zwillinge feiern ihren 95. Geburtstag in Meschede

Gabriele Gödde aus Löllinghausen (rechts)  feiert mit ihrer Zwillingsschwester Mathilde Müller-Deimel  (links) den 95. Geburtstag Ehrengast ist ihre 100-jährige Schwester Elisabeth Grae-Budde.
Gabriele Gödde aus Löllinghausen (rechts) feiert mit ihrer Zwillingsschwester Mathilde Müller-Deimel (links) den 95. Geburtstag Ehrengast ist ihre 100-jährige Schwester Elisabeth Grae-Budde.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Drei Schwestern sind zusammen 290 Jahre alt. Gefeiert haben die Zwillinge. Ehrengast war ihre 100-jährige Schwester.

Vellinghausen.. „Erzähl bloß nicht soviel“, sagt Gabriele und knufft ihre Zwillingsschwester Mathilde in die Seite. „Das kommt alles in die Zeitung!“ 190 Jahre sind die beiden zusammen - gestern feierten sie ihren 95. Geburtstag. Ehrengast war ihre Schwester Elisabeth - die feierte im Januar ihren 100. Geburtstag.

Gabriele Gödde wohnt in Löllinghausen, ihre Zwillingsschwester Mathilde Müller-Deimel in Uelde bei Anröchte und die 100-jährige Schwester Elisabeth Grae-Budde in Mellrich. Auf Xavers Ranch in Vellinghausen hatten sich mehr als 40 Enkel, Kinder und Urenkel zu Ehren der Jubilarinnen versammelt.

Die schönsten Jahre? Mathilde Müller-Deimel überlegt nur kurz: „Das waren die Jahre, als der Krieg vorbei, wir jung verheiratet und die Kinder klein waren.“ 1949 und 1950 heiraten die Schwestern kurz nacheinander und verlassen den elterlichen Hof in Hönkhausen.

Eine Jugend im heutigen Sinn, die hatten sie nicht. „Unsere Brüder waren im Krieg, und wir mussten den Eltern helfen.“ Viel Arbeit sei das gewesen. „Immer um fünf Uhr raus“, sagt Mathilde - „und dabei hätten wir noch so gern geschlafen.“ Das ändert sich auch nach der Hochzeit nicht, denn beide heiraten Landwirte.

Als Kinder unzertrennlich

Als Kinder sind sie unzertrennlich. Hand in Hand seien sie über den Hof marschiert und jedem präsentiert worden, berichtet Mathilde. In der Schule allerdings habe der Lehrer die eineiigen Mädchen auseinandergesetzt. „Jede an eine andere Seite des Tisches“, um sie nicht zu verwechseln.“ Noch heute telefonieren die Zwillinge regelmäßig miteinander und sehen sich, so oft es geht.

Alle drei Schwestern erfreuen sich guter Gesundheit, mit Stock und Rollator sind sie noch mobil. Gabriele Gödde dreht täglich ihre Runde mit dem Rollator durchs Dorf, berichtet ihre Enkelin: „Nach dem Wetter gucken.“ Bis vor einem halben Jahr habe sie noch regelmäßig alle zwei Wochen Rommé gespielt. Auch gestern feierten die fitten Jubilarinnen durch - keine Schläfchen zwischen Mittagessen und Kaffeetrinken.

Wie sie es geschafft haben, so alt so werden? Am liebsten will Gabriele Gödde gar nichts mehr sagen und dann sagt sie es doch und lacht dabei schelmisch: „Unkraut vergeht nicht, sage ich immer!“ Mittlerweile haben sich Töchter und Schwiegertöchter um den Tisch versammelt. Sie ergänzen, was die drei Frauen auszeichnet: Selbstbewusstsein, Gottvertrauen und Familiensinn.

Bis heute stünden sie trotz ihres hohen Alters mitten im Leben. „Da vergesse ich mehr, als unser Mutter“, sagt eine der Schwiegertöchter. „Sie weiß genau Bescheid über Kinder, Enkel und Nachbarschaft. Sieht auch noch jeden Abend die Nachrichten.“ Die drei Seniorinnen wohnen im Kreis der Familie. „Ins Altenheim?- Da kommen sie in diesem Leben nicht mehr hin“, sagt eine der Töchter leise.

Immer zufrieden gewesen

Der liebe Gott habe es gewollt, dass sie so alt werden, sagen die Schwestern, die beide eine neue Herzklappe haben. Sie seien immer zufrieden gewesen - bis heute. Eher schweigsam als geschwätzig, sagen die Töchter. Und dann erzählt Gabriele Gödde doch noch, dass der Vater nach der Geburt der Zwillinge gesagt haben soll: „Herr, hör’ auf mit deinem Segen.“ Und dabei blitzen schalkhaft ihre Augen: „Aber nicht, dass Sie das schreiben.“