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Frühlings-ABC: Q wie Quak

Wo bitte geht es hier an den See?

11.04.2012 | 09:00 Uhr
Wo bitte geht es hier an den See?

Q wie Quak oder das Ende des Froschkönigs: Wenn mit dem Frühling auch die Tage wieder länger und die Temperaturen milder werden, dann erwachen auch Erdkröte, Grasfrosch und Co. und begeben sich auf eine gefährliche Wanderung.

Mehrere Monate haben sie unter Steinen und totem Holz im Wald verbracht, bevor sie jetzt die Gewässer ansteuern, um dort ihren Laich abzulegen und so für den Fortbestand der eigenen Art zu sorgen. Die Autofahrer unter Ihnen werden sie kennen: die Krötenwanderung. Zu Tausenden machen sich Erdkröten und Grasfrösche, die hier im Sauerland am häufigsten vorkommen, auf den Weg Richtung Wasser. „Sie bevorzugen stehende Gewässer in den Auen. Daher kommt es vor allem an Wäldern, die in eine Aue übergehen, zur Krötenwanderung. Ein Straßenverlauf ist oft ein Auenrand“, erklärt Axel Markus Schulte, Mitarbeiter der biologischen Station des Hochsauerlandkreises in Bödefeld.

Wenn am Abend die Dämmerung hereinbricht, machen sich Tausende Kröten und Frösche auf einen besonders für die Weibchen beschwerlichen Weg. Denn der Krötengatte lässt sich auf dem Rücken seines Weibchens bequem zum Wasser tragen: „Die Tiere können dabei Strecken von mehreren hundert Metern zurücklegen“, weiß Axel Markus Schulte. Eine Reise, die für unzählige Kröten tödlich endet.

„Wie viele Kröten während der Wanderung überfahren werden, ist nicht bekannt“, sagt der Biologe, „aber die Opferzahlen können so hoch sein, dass ganze Populationen ausgerottet werden.“

Dabei stehen die quakenden Geschöpfe unter besonderem Artenschutz. „Sie stehen zwar noch nicht auf der Roten Liste, aber die Populationen gehen stark zurück“, kennt Schulte die bedrohliche Lage. Kröten-Leitsysteme mit Untertunnelungen oder flexible Zäune können dem Krötensterben auf der Straße ein Ende machen. „Aber“, so Schulte, „man kann nicht überall Zäune aufstellen. Zudem ist es ein großer Aufwand für die ehrenamtlichen Naturschützer.“

Denn täglich müssen die Tiere eimerweise an den Zäunen eingesammelt und über die Straße getragen werden. Ein festes Leitsystem am Straßenrand, welches die Kröten zu einer Röhre führt, die unter der Straße verläuft, ist da schon praktischer – aber auch nicht überall umzusetzen. Sind keine Schutzsysteme vorhanden, kann bei extrem starker Wanderung auch mal eine Straße polizeilich gesperrt werden. Wie beispielsweise in Meschede-Stockhausen, Fahrtrichtung Wennemen.

„Das hat dann mit Tierliebe nichts zu tun“, betont Schulte, „das ist eine artenschutzrechtliche Notwendigkeit und appelliert an die Autofahrer, bitte langsam zu fahren und Rücksicht auf die Kröten zu nehmen.“

Seit Millionen von Jahren leben die Amphiben schon auf der Erde – und dort vor allem im und am Wasser. Die Probleme, die heute ihren Fortbestand gefährden können, sind hingegen ganz moderner Natur: Klimawandel und Straßenverkehr sind hier als Feind Nr. 1 zu nennen. Und auch wenn die grünen oder braunen quakenden Gesellen für den Menschen keine ausgesprochene Schönheit darstellen, so lohnt es sich doch, einmal anzuhalten und den Tieren über die Straße zu helfen.

Daniela Köhler



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