Wisente schälen Buchen im Stadtwald

Auf der Suche nach beschädigten Bäumen: Fortwirtschaftsmeister Hermann-Josef Vollmers und Stadtförster Siegfried Hunker markieren die Buchen, an den die Wisente schon Rinde abgeschält haben.
Auf der Suche nach beschädigten Bäumen: Fortwirtschaftsmeister Hermann-Josef Vollmers und Stadtförster Siegfried Hunker markieren die Buchen, an den die Wisente schon Rinde abgeschält haben.
Was wir bereits wissen
Schmallenberger Förster ärgern sich über die Schäden in ihrem Revier. Die Projektverantwortlichen setzen auf Dialog.

Schmallenberg..  Das nächste Kapitel in der Diskussion um die Wisente ist aufgeschlagen: Seit einiger Zeit halten sich die Tiere regelmäßig im Schmallenberger Stadtwald auf und haben dabei schon an der Rinde von mehreren Buchen genagt. Das ärgert die zuständigen Förster.

„Die Wisente waren vor 14 Tagen das erste Mal im Stadtwald und haben elf Bäume auf der großen Barmecke geschält“, sagt Stadtförster Siegfried Hunker. Auch zwischen Felix Wieschen und Falken Jagdhütte hätten sie sich schon aufgehalten – dort hat Hunker Schäden an 26 Buchen festgestellt. „Für uns ist das sehr ärgerlich“, sagt er. Über die offene Rinde könnten leicht Fäulnisbakterien in den Baum ziehen und so seinen Wert mindern. Außerdem sei es möglich, dass die betroffenen Bäume nach einiger Zeit umstürzen. Dann wiederum könne es passieren, dass die umstehenden Buchen zu viel Licht abbekämen und einen Sonnenbrand davontragen würden. Vor dieser Kettenreaktion will Hunker warnen.

Sorge um Zukunftsbestände

Besonders ärgerlich ist für die Förster, dass die Wisente am liebsten die Rinde von Buchen fressen. „Der aktuell betroffene Bestand ist ein sogenannter Zukunftsbestand aus Buchen, die eigentlich noch 75 Jahre lang wachsen sollen“, sagt Forstwirtschaftsmeister Hermann-Josef Vollmers. Hinzu kämen Trittschäden und langfristig eine Veränderung des Waldbildes.

Hunker beschäftigt vor allem, welche Folgen die Schäden noch für die Baumbestände haben werden, die er bereits seit zwei Jahrzehnten pflegt, immer mit dem Gedanken, sie an seine Enkel weitergeben zu können. „Wir wollen die Wisente hier nicht haben, weil so die Waldarbeit von Generationen kaputt geht“, lautet deshalb sein Schluss. „Wir wissen ja noch gar nicht, wie sich das Projekt langfristig auswirken würde – gerade sehen wir erst die ersten Anzeichen und die stimmen uns schon sehr besorgt.“ Am liebsten würde er es sehen, wenn die Wisente komplett eingezäunt wurden. Doch das ist momentan noch nicht in Sicht.

Nach den ersten Prozessen am Landgericht Arnsberg hat ein Mediationsverfahren zwischen dem Trägerverein des Wisent-Projekts und betroffenen privaten Waldbesitzern begonnen. Auf diesen Dialog setzen die Verantwortlichen des Projekts. „Natürlich respektieren wir das Eigentum der Menschen und verstehen die Problemlage der Waldbesitzer“, sagt Dr. Michael Emmrich, Sprecher des Trägervereins. Zur Diskussion steht unter anderem ein Zaun, der die Tiere von den Privatwäldern fern halten soll. Allerdings läuft das Verfahren noch bis Ende Oktober.

Der Schmallenberger Forstbetrieb hat die bisher entstandenen Schäden bereits dem Trägerverein gemeldet. Ein Gutachter wird sie nun aufnehmen und die Stadt bekommt eine Entschädigung aus dem eigens für diese Fälle eingerichteten Fonds.

Bürgermeister Bernhard Halbe sagte zu diesem Thema in der vergangenen Ratssitzung, dass er davon ausgehe, dass die Schäden beglichen würden und der Trägerverein sich darum bemühen werde, die Tiere in Zukunft von Stadt- und Privatwäldern fern zu halten.