Wirbel um wild gewordene Kuh

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Was wir bereits wissen
Nachdem Beamte der Mescheder Polizei am Pfingst­wochenende in Untervalme eine ausgebüxte trächtige Kuh er­schossen hatten, wies Polizei-Pressesprecher Ludger Rath gestern Vorwürfe zurück, nach denen seine Kollegen in „Wild-West-Manier“ gehandelt hätten.

Untervalme..  Kritisiert werden die Beamten im Internet vor allem deshalb, weil in Untervalme kein Betäubungsgewehr zum Einsatz kam. „Man muss ja nicht direkt das arme Tier erschießen“, schreibt zum Beispiel Daniel Marvel auf unserer Facebook-Seite. „Nen Tierarzt zu rufen, der die Kuh betäubt, wäre ja zu viel verlangt gewesen“, mutmaßt Markus Steinbach.

Große Distanz

Tatsächlich, so betont Pressesprecher Rath, verfügt die Polizei nicht über Betäubungsgewehre. Und dennoch war an der Einsatzstelle in Untervalme zumindest ein Blasrohr mit Betäubungspfeilen vorhanden, wie Landwirt Hermann-Josef Köster, dem die trächtige Kuh gehörte, betont. Es sei aber nicht zum Einsatz gekommen, weil weder er, noch die Beamten, noch sein Nachbar, nah genug an die wild gewordene Kuh herangekommen seien.

Filmreif

Köster stellt sich vor die Beamten und lässt keine Zweifel an der Richtigkeit ihres Verhaltens: „Ich bin froh, dass bei der Aktion nichts Schlimmeres passiert ist“, sagt der 51-Jährige. Das, was sich am Samstag in Untervalme abgespielt habe, sei filmreif gewesen schildert er. Er habe die Kuh gemeinsam mit weiteren Tieren nachmittags auf die Weide gelassen. Gegen 16.30 Uhr habe er dann festgestellt, dass irgendjemand die obere Pforte der Weide unbefugt geöffnet habe. Beim Versuch, die trächtige Kuh wieder einzufangen, habe er um sein Leben gebangt. Immer wieder habe er sich hinter Bäumen verstecken müssen, um nicht angegriffen zu werden. Erst als sein Vater, der die Szenerie beobachtete, mit seinem Auto gekommen sei, habe er in dessen Wagen flüchten können. Von dort aus habe er dann die Polizei alarmiert.

Gefahrenabwehr

Es ist etwa 19 Uhr, als die Beamten der Flucht mit einem gezielten Schuss aus einem Jagdgewehr ein Ende setzen. Zwischenzeitlich hatte das Tier eine weitere Frau angegriffen. „Natürlich tut es mir um die Kuh leid“, sagt Landwirt Hermann-Josef Köster. „Aber ich habe in erster Linie an die Menschen gedacht.“ Und die gab es in der Nähe reichlich. „Da war ein Spielplatz, auf dem fast 50 Kinder gespielt haben. Hier ist ein Campingplatz in der Nähe“, betont Köster.

Er selbst habe den Beamten nahe gelegt, die Kuh mit dem Jagdgewehr seines Bekannten zu erschießen.

Auch Meschedes Polizei-Pressesprecher Ludger Rath betont: „Niemand unserer Beamten macht so etwas gerne.“ Aber es habe in diesem Fall ganz klar die Gefahrenabwehr an erster Stelle gestanden.

Er wolle sich nicht vorstellen, was hätte passieren können, wenn das wild gewordene und unberechenbare Tier auf den Spielplatz, den Campingplatz oder auf der Straße vor ein fahrendes Auto gelaufen wäre. Als Polizeibeamter sei man es gewohnt, nicht immer „Everybody’s Darling“ zu sein, sagt Rath und spielt damit auf die zum Teil auch unsachliche Kritik im Internet an. In diesem Fall sei es aber ganz klar darum gegangen, Menschenleben zu schützen.