„Wir müssen leider realistisch bleiben“

Dirk Friedhoff, Ulrich Bathen und Stephan Gerbracht.
Dirk Friedhoff, Ulrich Bathen und Stephan Gerbracht.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Kaum eine lokale Meldung wird in Heringhausen im vergangenen Jahr für mehr Gesprächsstoff gesorgt haben, als die über die Schließung des Tankstellenshops.

Heringhausen..  Ende des Jahres hatte Inhaber Bernhard Habitzki die Reißleine gezogen – dem Ort ging damit ein kleiner „Tante-Emma-Laden“ verloren. Wir haben mit Vertretern der Dorfgemeinschaft Heringhausen - darunter der Vorsitzende Stephan Gerbracht, Kassierer Dirk Friedhoff sowie Ortsvorsteher Ulrich Bathen - über die Reaktionen auf die Schließung gesprochen.

Frage: Nach knapp vier Jahren hat eine kleine, aber wichtige Nahversorgungseinrichtung in Heringhausen geschlossen. Wie waren die Reaktionen im Ort?

Ulrich Bathen: Viele Heringhauser zeigten sich enttäuscht. Besonders war man verwundert, dass so plötzlich Schluss war. Natürlich war die Meldung durch Mundpropaganda schon etwas früher durchgesickert, die offizielle Bestätigung hat uns dann natürlich doch noch einmal getroffen.

Was bedeutet die Schließung für den Ort?

Stephan Gerbracht: Es ist ein herber Verlust. Als nach etwa fünf Jahren 2011 wieder eine Tankstelle im Ort aufgemacht hat, war das eine Bereicherung für ganz Heringhausen. Die Möglichkeit, neben dem Tanken auch noch ein paar Kleinigkeiten zu besorgen, frische Brötchen zum Beispiel, war ein toller Nebeneffekt. Eine Umfrage der Dorfgemeinschaft aus dem Jahr 2012 bestätigt das: Auf die Frage, was den Heringhausern im Dorf besonders gefällt, war eine der Top-Antworten: die Tankstelle mit (Back-)Shop.

Nach der Meldung über die Schließung kursierte das Gerücht, die Dorfgemeinschaft sei interessiert, in dem Gebäude einen ehrenamtlichen „Tante-Emma-Laden“ aufzubauen. Was ist dran?

Dirk Friedhoff: Wir müssen leider realistisch bleiben. Für einen Ort mit etwas mehr als 800 Einwohnern und Supermärkten in direkter Nähe ist es nicht wirtschaftlich, einen reinen Tante-Emma-Laden zu eröffnen. Vielmehr sind wir froh, dass es einen 24-Stunden-Tankautomaten und am Wochenende sogar eine Waschanlage gibt.

Für Heringhausen war 2014 ein ereignisreiches Jahr. Das Dorf feierte sein 700-jähriges Bestehen. Welches Fazit ziehen Sie?

Stephan Gerbracht: Wir können auf ein gelungenes Jubiläumsjahr zurückblicken. Höhepunkte waren dabei sicherlich der historische Markt und der große Festumzug. Mehr als 300 Akteure aus dem Dorf waren beteiligt. Es war toll zu sehen, wie gut der Zusammenhalt innerhalb des Dorfes ist - alle haben an einem Strang gezogen. Auch die anderen Veranstaltungen anlässlich des Jubiläums, wie die Silvesterparty, das Eröffnungskonzert oder die Jubiläumsschnad, waren ein voller Erfolg.

Auf was dürfen die Heringhauserinnen und Heringhauser in diesem Jahr gespannt sein?

Ulrich Bathen: An Ideen fehlt es bei uns im Dorf ganz bestimmt nicht. Einer der wichtigen Punkte, die wir uns wieder vorgenommen haben, ist die Teilnahme am Leader-Programm. Die Historie der Grubenbahn und den Bähnchenweg wieder attraktiver zu gestalten ist hier eine Idee. Dank vieler Unterstützer, gerade im Jubiläumsjahr, haben wir nun auch die Möglichkeit, Projekte zu realisieren, an die wir uns bisher vielleicht nicht heran getraut haben.