„Wir brauchen langen, warmen Landregen“

Meschede..  Schon seit März ist es in der Region viel zu trocken: Es fielen 85 Liter Niederschlag pro Kubikmeter weniger als in einem normalen Frühling. Wer einen Garten hat, merkt es an leeren Zisternen und daran, dass er ständig gießen muss. Die Redaktion hat nachgefragt:

Landwirtschaft

„Wir brauchen dringend Regen - am liebsten einen langen, warmen Landregen.“ Dr. Christian Mohr, der Leiter der Landwirtschaftskammer Mescheder hat die Situation der Landwirte im Blick. „Das Wachstum der Pflanzen stoppt.“ Und das gelte sowohl fürs Grünland als auch fürs Ackerland. „Der Regen der vergangenen Wochen verdunstete schneller, als er runterfiel.“ Deshalb rate die Landwirtschaftskammer zurzeit auch davon ab, Gülle auszubringen. Die könne auf dem trockenen Boden nicht einziehen und liege nur oben auf.

Beim Grünland hätten die Landwirte schon längst den zweiten Schnitt machen müssen. Vereinzelt sei das auch passiert, so Mohr, aber ohne großen Erfolg. Noch haben die Landwirte Silovorräte, so dass sie zufüttern können und zum Ende der Woche ist Regen angesagt. „Wenn der aber kommt, dann bitte nicht als Sturzbach“, hofft der Leiter der Landwirtschaftskammer, einen schweren Regenguss könne der trockene Boden gar nicht aufnehmen.“

Garten- und Landschaftbau

„Ich will nicht nur klagen“, sagt Peter Horst vom gleichnamigen Garten- und Landschaftsbaubetrieb. Fürs Pflastern und für die Maschinenarbeit sei das Wetter ideal, „aber alles, was mit Pflanzen zu tun hat, ist arbeitsintensiv und teuer.“ So müssten im Moment alle Neuanpflanzungen regelmäßig gegossen werden. Dazu fahren die Mitarbeiter gleich mit einem Lkw, der mit einem Wasserfass, beladen ist vor. „Vor allem die Neuanpflanzungen brauchen das Wasser“, sagt Horst: die Eiben auf dem Hennedamm, die Bäume am Henneboulevard und die Grabbepflanzungen. „Aber im Grunde ist das auch nur ein Erhaltungsgießen, deswegen wächst noch nichts. Wir Gärtner brauchen dringend Regen.“

Feuerwehr

„Die Waldbrandgefahr steht im Moment auf einem mittleren Wert“, weiß Kreisbrandmeister Bernd Krause. Der Deutsche Wetterdienst gibt einen Waldbrandindex heraus, in den neben den Niederschlägen auch Wind und Sonne eingerechnet werden. Auf einer Skala von eins bis fünf stehe das Sauerland bei drei. „Aber es wird besser. Die Gefahrenlage entspannt sich schon.“

Außerdem hätten die meisten Städte im Hochsauerlandkreis vorgesorgt und sich mit speziellen Tank- und Schlauchfahrzeugen gerüstet, um auch abseits gelegene Waldgebiete gut erreichen zu können. „Und dann klappt die Zusammenarbeit mit den Landwirten, die im Brandfall ihre Güllefässer mit Wasser füllen auch sehr gut.“

Der Wetterforscher

Seit 1954 beobachtet Dieter Fiebag das Wetter - seit vielen Jahren in seiner Arnsberger Wetterstation mit mechanischen und automatischen Geräten für den Deutschen Wetterdienst. Deutlich weiche die Niederschlagsmenge des gesamten Frühjahrs vom Mittelwert (1961 bis 1990) ab.

„Eigentlich ist auch der Juni ein niederschlagsreicher Monat“, sagt Fiebag. Normal seien im Juni durchschnittlich 103 Liter pro Kubikmeter. „Wir haben jetzt schon Mitte des Monats, und es sind gerade einmal 4,5 Liter gefallen, der Normalwert wird wohl kaum noch zu schaffen sein.“ Außer mit Starkregen, den will aber auch keiner.

Wer in der Trockenperiode Rasen eingesät hat, sollte die Finger von der Gießkanne lassen, rät Gärtner Peter Horst, solange die Saat nicht grün aufgegangen ist. „Der Rasensamen quillt sonst nur auf und vertrocknet.“

Man könne kaum soviel wässern, wie es der Samen brauche. „Das regelt die Natur besser von alleine.“