Das aktuelle Wetter Meschede 13°C
Geisterfahrer

Willi Geißler koordiniert Hilfe für die Retter

27.10.2012 | 09:00 Uhr
Willi Geißler koordiniert Hilfe für die Retter
Der schwere Unfall auf der A46 bei Meschede.Foto: Sascha Schuermann

Meschede.   Brände löschen und Menschen retten ist ihr tägliches Geschäft. Doch manchmal brauchen die Retter auch selbst Hilfe, wenn zum Beispiel - wie zuletzt bei dem Unfall auf der A46 - nur noch Leichen geborgen werden können. Auch wer damit professionell umgeht, kann später unter den Bildern leiden. Hilfe erfahren die Einsatzkräfte dann von ihrem PSU-Team, der psychologisch-sozialen Unterstützung. Willi Geißler koordiniert die Hilfe.

Sie sind in der Regel bei schweren Einsätzen direkt mit vor Ort. Wie merken Sie, dass ein Kollege Hilfe braucht?

Willi Geißler: Die Kameraden verhalten sich untypisch. Sie werden besonders hektisch oder wirken passiv. Um dieses ungewöhnliche Verhalten zu erkennen, sind wir natürlich auf die Zusammenarbeit mit der Einsatzleitung vor Ort angewiesen, die uns dann zu Hilfe holt.

Wie können Sie dann helfen?

Um post-traumatische Belastungen zu verhindern, kann das erste Gespräch schon vor Ort stattfinden. Es findet auch immer direkt zum Abschluss des Einsatzes ein Gespräch in der Gruppe statt. Da fällt es manchen leichter zu reden. Das Wichtigste aber ist eigentlich die Präventionsarbeit. Wir schulen ja schon vor dem Ernstfall. Die Feuerwehrleute wissen, wenn mich die Bilder nach dem Einsatz erst mal nicht loslassen, das ist noch normal, wenn aber Schlafstörungen hinzukommen und der Einsatz wie ein Film immer wieder vor meinem inneren Auge abläuft, dann brauche ich Hilfe. Und wir bitten auch darum, dass die Kollegen aufeinander achten und uns informieren, wenn ihnen an anderen etwas auffällt.

Was macht einen Einsatz - wie den am Sonntag auf der A 46 - besonders belastend?

Da hat jeder Mensch sein eigenes Weltbild, das sich zusammensetzt aus Erfahrung, Ausbildung und Erlebtem. Der eine leidet mehr, wenn er Leichen bergen muss, der andere, wenn die Opfer vor Schmerzen schreien. Alle sagen übereinstimmend, dass ein Einsatz mit Kindern ihnen besonders nah geht. Und wir hier im Sauerland müssen natürlich auch - anders als der Berufsfeuerwehrmann in Dortmund - viel häufiger damit klar kommen, dass wir auf Opfer aus dem Familien- und Freundeskreis treffen. Am Sonntag war sicherlich die große Anzahl an Toten besonders belastend.

Sie betreuen auch Angehörige und Betroffene an den Einsatzstellen. Wie können Sie da Trost spenden?

Meist ist es schon gut, dass einfach jemand für sie da ist, sie in den Arm nimmt, zuhört oder erklärt, was gerade bei den Arbeiten an der Einsatzstelle passiert. Hilfe anbieten, einfach da sein. Das ist auch im täglichen Umgang wichtig, wenn jemand einen schweren Schicksalsschlag erleidet - wie jetzt die Freunde und Verwandten der Unfallopfer in Sundern und Hellefeld. Und es ist wichtig, Hilfe und Gesprächsbereitschaft auch noch anzubieten, wenn die erste Betroffenheit vorbei ist.

Ute Tolksdorf



Kommentare
Aus dem Ressort
Ein unvergesslicher Tag für Heringhausen
Dorfjubiläum
Grundherren, Müller, Schenkenwirte, Krämer und auch Ordensleute. Sie alle tummelten sich gestern auf den Straßen von Heringhausen. Das ganze Dorf war auf den Beinen und feierte mit einem historischen Markt und einem Festzug das 700-jährige Dorfjubiläum. Rund 5000 Besucher erlebten, so Ortsvorsteher...
Fachkräftemangel als Herausforderung
Agentur für Arbeit
Oliver Schmale ist der neue Geschäftsführer der Agentur für Arbeit Meschede-Soest. Der Jurist will „der Demografie ein Schnippchen schlagen, um in der Region wettbewerbsfähig zu bleiben.“
Das Konzept „Ein Fest für alle“ ist aufgegangen
Schmallenberger Woche
Die 19. Schmallenberger Woche ist ein voller Erfolg gewesen. Buntes Treiben und dichtes Gedränge am Wochenende in der historischen Altstadt lassen keine andere Schlussfolgerung zu.
Kolpingsfamilie: Vom Gesellenverein zum familiären Verband
150 Jahre
„Alle Bevölkerungsgruppen, ob jung oder alt, ob Mann oder Frau, erfahren in der Kolpingsfamilie gelebtes Miteinander.“ Beim Festakt zum 150-jährigen Bestehen hat der Vorsitzende Andreas Wrede das Kennzeichen des Vereines auf den Punkt gebracht. Als Leitspruch für dieses Jubiläum stand das Zitat...
Veleda-Höhle öffnet 2015
Geschichte
Im Frühjahr 2015 soll die Veleda-Höhle in Velmede für Besichtigungen freigegeben werden. Sie ist das älteste Kulturdenkmal des Ortes.
Fotos und Videos
Schmallenberger Woche 5. Tag
Bildgalerie
Fotostrecke
Schmallenberger Woche
Bildgalerie
Fotostrecke
700 Jahre Heringhausen
Bildgalerie
Fotostrecke
Schmallenberger Woche
Bildgalerie
Fotostrecke