Wie sehen Mescheder Griechen den „Grexit“

(von links):Thomas Bakaras, Papapanagiotou Basile, Nachamos Georgios im Gespräch.
(von links):Thomas Bakaras, Papapanagiotou Basile, Nachamos Georgios im Gespräch.
Foto: Felix Schröder
Was wir bereits wissen
„Das ist schlimm für unsere Heimat“ sagen Mescheder mit griechischen Wurzeln. Wer hier lebt und Berichte der Medien verfolgt, könne sich die Situation dort nur schwer vorstellen.

Meschede..  Der „Grexit“ könnte – glaubt man Experten – kurz bevorstehen. Die Situation ist angespannt. Doch wie sehen Mescheder mit griechischen Wurzeln die Lage in ihrer zweiten Heimat? Wie geht es den Verwandten in Griechenland? „Das ist schlimm für unsere Heimat“, sagt Pascal Moutaftsi, Inhaber des Normatex-Reinigungs-Service, den er seit 28 Jahren betreibt. „Die deutschen Medien berichten viel. Die Situation ist aber eine andere.“

Vor zwei Wochen ist Moutaftsi aus Griechenland zurückgekehrt, wo er eine Familie kennenlernte, die seit zwei Jahren keinen Strom hat. Zudem sei der Sohn seit fünf Jahren arbeitslos, was in Griechenland dadurch problematisch werde, dass es keine Grundsicherung, wie Hartz 4 in Deutschland, gibt. Das Arbeitslosengeld wird in Griechenland maximal ein Jahr lang gezahlt. Familien müssten sich irgendwie gegenseitig helfen, so der Besitzer des Reinigungsgeschäftes.

Keine Kunden verloren

Er ist stolz auf seine treuen Kunden aus Meschede: „Niemand hat uns beleidigt, und wir haben auch keine Kunden verloren.“ Pascal Moutaftsi hat die Hoffnung, dass Europa seine Landsleute nicht im Stich lässt.

In einem Café in der Mescheder Innenstadt meldet sich ein anderer Grieche zu Wort: Der gelernte Industriemeister Basile Papapanagiotou, der 37 Jahre lang bei Honsel in der Druckgießerei gearbeitet hat. „Die Leute leiden unheimlich. Das Kleinunternehmertum ist praktisch weggebrochen und von dem Geld bleibt nicht viel übrig“, erklärt der 65-Jährige. „Die Gläubiger machen mehr Unruhe als die Regierung, die versucht, die Leute zu beruhigen“.

In wenigen Tagen wird er in seine Heimat reisen. Seine Kinder leben alle in Deutschland, und aufgrund der aktuellen Situation denkt er darüber nach, sein Erspartes aus Griechenland nach Deutschland zu überweisen.

Vorwürfe und Verständnis

1968 absolvierte Papapanagiotou das Abitur, musste allerdings während der Militärdiktatur in den 1970ern nach Deutschland flüchten. Zurzeit stört er sich an einigen deutschen Diskussionspartnern, die behaupten, die Griechen seien „faul“.

„Einzelne Leute sagten auch, dass wir zurück nach Griechenland gehen sollen“, sagt er. „Das sind aber Leute, die sowieso wenig von Politik verstehen.“ Viele Deutsche würden ihn aber auch unterstützen und beipflichten, dass Europa solidarisch bleiben solle. Das fällt auch dem 36-jährigen Mescheder Nachamos Georgios auf, der sich zusammen mit Gastwirt Thomas Bakaras an einen Tisch gesetzt hat. „Die Infrastruktur leidet, und die Arbeitslosigkeit ist ein großes Problem“, sagt der aus Larisa stammende Georgios.

Ablehnung des „Grexit“

Bakaras ist der Inhaber der Gaststätte „Zum Pulverturm“ und er hat viele Verwandte in Griechenland. „In den Dörfern ist die Situation meist noch einfacher als in den Städten“, erzählt Bakaras. Dort könne man noch von der Landwirtschaft leben, wobei die Leute auch dort die Krise spürten.

Der 59-jährige Bakaras hat sogar erlebt, dass Gäste nach einer Diskussion in seinem Lokal nicht mehr gekommen sind. „Ich verstehe, dass sich Deutsche Sorgen machen, aber wenn wir ein Europa sein wollen, müssen alle mithelfen.“ Ein Grexit, da sind sich die drei Männer einig, sei keine Lösung für die Situation in Griechenland.