Wenholthausen als Vorbild für Südwestfalen

Mit dem Bau eines neuen Ferienhaus-Dorfes könnte in Wenholthausen ein Leuchtturmprojekt für ganz Südwestfalen umgesetzt werden.

Wenholthausen..  Entstehen sollen bis zu 15 Hütten an der Habbeckestraße in unmittelbarer Nähe des vorhandenen Pony- und Ferienhofs Gut Habbecke. Der Gemeinderat ist von dem Vorhaben angetan.

Langfristige Planung

Der Oberkirchener Georg Voss von der Naturdorf GmbH hat große Pläne - nicht nur in Wenholthausen. Für seine Gesellschaft sei der Esloher Ortsteil ein Pilotstandort. Voss hat sich die Marke „Naturdorf“ schützen lassen und möchte unter diesem Namen langfristig deutschlandweit Projekte wie das in Wenholthausen umsetzen. Wichtig sei ihm zum einen eine überschaubare Größe der jeweiligen Naturdörfer sowie eine authentische Bauweise, die in die Landschaft passe.

Hubertus Schmidt von der Kur- und Freizeit GmbH, die Voss bei seinem Vorhaben unterstützt, sprach bei der Vorstellung in der Ratssitzung von einer „homogenen Gesamtkonzeption mit Gut Habbecke“. Deren Betreiber, die Familie Bücker, sollen später auch Betreiber des Naturdorfes werden. Die Naturdorf GmbH selbst wird sich dann um Marketing, Vertrieb und die betriebswirtschaftliche Begleitung kümmern. „Die Betreiber sollen sich voll und ganz auf die Gäste vor Ort konzentrieren können“, so Voss. Zielgruppe seien in erster ­Linie Familien mit Kindern, die ­Ruhe im Grünen suchen.

Flucht aufs Land

Deren Kurzurlaube, so sagt er, seien in den vergangenen Jahren zu einer Art Landflucht geworden. „In der heutigen hektischen Zeit werde das Verlangen nach Natur immer größer“, weiß Voss. Holz hacken, Tiere füttern, Grillen, Feuerstellen errichten, Dämme bauen - all das soll später im Wenholthauser Naturdorf möglich sein. Es gehe darum, im Urlaub „Dinge gemeinsam zu tun“, so Voss. Genutzt werden soll für die „neue Art des Urlaub machens“ auch die bereits vorhandene Infrastruktur des Guts Habbecke. Für ihre Verpflegung wären die Naturdorf-Gäste selbst zuständig. In den Selbstversorgerhütten solle auf Wunsch lediglich ein Frühstücksservice angeboten werden. Daher, so Voss, würden auch die gastronomischen Betriebe in Wenholthausen profitieren. Der Oberkirchener rechnet nach eigenen Angaben mit einer Auslastungsquote von 65 Prozent. Soll heißen: 2500 Gäste pro Jahr bzw. 10 000 Übernachtungen.

Geplant sind zwei Bauabschnitte. Im ersten sollen zunächst zehn Häuser für vier, zwei bzw. vier bis acht Personen entstehen, in einem zweiten kämen fünf weitere Häuser hinzu. Zum Investitionsvolumen wollte sich Voss in der öffentlichen Sitzung nicht äußern. Auch zu Übernachtungspreisen konnte er noch keine Angaben machen.

Zustimmung der Bezirksregierung

Wann das Projekt umgesetzt werden kann, steht ebenfalls noch nicht fest. Weil Bauleitplanverfahren für derartige Vorhaben allein wegen des Flächenverbrauchs nicht unproblematisch seien, gebe es noch dicke Bretter zu bohren, betonte Bürgermeister Stephan Kersting. Immerhin: Bei einem ersten Abstimmungsgespräch mit der Bezirksregierung, deren Zustimmung für die Änderung des Flächennutzungsplanes erforderlich wäre, hätten mögliche Lösungswege aufgezeigt werden können. Kersting wies zudem darauf hin, dass es sich bei der Projekt-Vorstellung im Rat lediglich „um den ersten Aufschlag“ handele.

Finanzielle Transparenz

Und von dem waren die drei Fraktionen durchaus angetan. CDU-Fraktionschef Dr. Rochus Franzen sprach von einem „spannenden und innovativen Vorhaben“. Auf den ersten Blick sehe er nicht, was man dagegen haben könnte, den Tourismus in der Gemeinde auf diese Art voranzubringen. Auch SPD-Fraktionschef Volker Frenzel, selbst Wenholthauser, kann sich vorstellen, dass das Naturdorf einen touristischen Schub mit sich bringt. Ebenso FDP-Fraktionsvorsitzender Thorsten Beuchel. Er wünsche sich allerdings mehr finanzielle Transparenz, zumindest in nichtöffentlicher Sitzung. „Es geht uns darum, bei einem Scheitern des Projektes später keine Bauruinen im Ort stehen zu haben“, so Beuchel.

Vergleichbar sei das Naturdorf-Projekt mit dem Bergdorf „Liebesgrün“ (www.liebesgruen.de) im Raum Schmallenberg, betonte Hubertus Schmidt von der Kur- und Freizeit GmbH in der Sitzung. Das dortige Projekt sei quasi Ideengeber gewesen. Der Standard solle in Wenholthausen allerdings bewusst nicht so gehoben sein, wie beim „Liebesgrün“-Projekt.

Die Auslastung des Bergdorfs „Liebesgrün“ von 94 Prozent spreche für sich, so Schmidt. Der Bedarf für derartige Angebote sei am Markt zu spüren, betonte der Tourismus-Experte.

EURE FAVORITEN IN DIESER STUNDE