Warum die Polizei im HSK den höchsten Personalrückgang hat

HSK-Polizeidirektor Klaus Bunse an seinem Arbeitsplatz. Er erklärt die aktuelle Lage.
HSK-Polizeidirektor Klaus Bunse an seinem Arbeitsplatz. Er erklärt die aktuelle Lage.
Foto: MATTHIAS GRABEN
Was wir bereits wissen
  • Die Polizei im Hochsauerlandkreis hat prozentual den höchsten Personalrückgang
  • Aktuell nur noch 360 Stellen
  • Der Verteilungsschlüssel richtet sich nach den angezeigten Straftaten
  • Die Polizei im HSK hat prozentual den höchsten Personalrückgang
  • Aktuell nur noch 360 Stellen
  • Der Verteilungsschlüssel richtet sich nach den angezeigten Straftaten

Meschede.. Der gebürtige Marsberger Klaus Bunse (50) ist seit einem halben Jahr ranghöchster Polizeibeamter im Hochsauerlandkreis (HSK). Im Interview äußert sich der Polizeidirektor unter anderem zu den Rahmenbedingungen für eine effektive Polizeiarbeit auf dem Land.

Bürgernahe Polizei

Bei Ihrem Dienstantritt haben Sie eine „enge Verzahnung von Bürgern und Polizei“ versprochen. Ist das angesichts der Personalsituation überhaupt möglich?

Klaus Bunse: Die Polizei im HSK ist sehr bürgernah. Aber das ist in Zukunft nur zu gewährleisten, wenn weitere personelle Verluste verhindert werden. Wir sind die Polizeibehörde in NRW mit dem prozentual höchsten Personalrückgang. Im Jahr 2000 waren noch 430 Polizeibeamte bei der Kreispolizei beschäftigt. Jetzt haben wir nur noch 360 Stellen (plus 50 Angestellte). Maßgeblich bei der Personalverteilung durch das Innenministerium sind unter anderem angezeigte Straftaten und Verkehrsunfälle. Uns würde ein Verteilschlüssel, der auch die Flächengröße berücksichtigt, schon helfen.

Sie können nur Präsenz in der Fläche zeigen, wenn eine ausreichende Zahl an Polizeiwachen vorhanden ist. Ist das gesichert?

Das Auflösen von Polizeiwachen bringt keine nennenswerten Einspareffekte und führt zu Qualitätsverlusten. Wir wollen auch in Zukunft unsere sieben Polizeiwachen möglichst erhalten. Man kann nicht alles zentralisieren.

Gibt es noch den typischen Dorfpolizisten?

Ja, in Form des Bezirksbeamten. Die Kollegen machen eine wichtige Arbeit vor Ort, aber sie sind nicht mehr so häufig sichtbar wie früher. Wir hatten im HSK einmal 36 solcher Stellen, derzeit sind es 26. Dabei ist angesichts steigender Wohnungseinbrüche und angesichts der Flüchtlingsproblematik das Bedürfnis in der Bevölkerung, die Polizei zu sehen, eher noch gewachsen.

Aufklärungsquote der Einbrüche bei 18 Prozent

Sie sprechen Wohnungseinbrüche an. Wie ist die Situation?

Der landesweite Trend der seit Jahren steigenden Wohnungseinbruchszahlen hat 2015 auch den HSK erreicht. Ende Oktober lagen die in der Kriminalstatistik erfassten Fälle um 34 Prozent über denen des Vorjahreszeitraumes. Trotzdem sind die Fallzahlen und die Aufklärungsquote von 18 Prozent im Landesvergleich noch sehr gut.

Bei Einsätzen teilweise schneller vor Ort als Kollegen in Großstädten

Kann die HSK-Polizei angesichts der Personalsituation schnell genug an Einbruchsorten sein?

Unsere Einsatzreaktionszeiten liegen im NRW-Vergleich trotz der riesigen Fläche völlig im Rahmen. Teilweise sind wir schneller vor Ort als Kollegen im großstädtischen Bereich, was auf die derzeitige Struktur der Wachen und Strei­fenbezirke zurückzuführen ist. Sollte allerdings weiteres Personal bei der Kreispolizei abgebaut werden, sind Einschränkungen zu befürchten.

Neue Ermittlungskommission Einbruch

Wie wollen Sie dem Problem Einbrüche entgegensteuern?

Am 1. November 2015 hat die neue Ermittlungskommission Einbruch mit zehn Beamten ihre Arbeit aufgenommen. Die Kollegen sind dabei zum Teil verdeckt unterwegs, führen Informationen und Ermittlungsergebnisse zusammen und können bei Hinweisen schnell reagieren. Zudem zeigen wir mehr Präsenz durch uniformierte Beamte und Fahrzeugstreifen in Wohnvierteln, in denen es vermehrt zu Einbrüchen kommt. Darüber hinaus ­haben wir auch die Präventionsarbeit noch weiter intensiviert.

Wie sieht es mit der sonstigen Ausstattung aus?

Zwischen Oktober 2013 und Dezember 2015 mussten wir nach ­landesweiten Vorgaben 21 Dienstfahrzeuge abgeben. Wir wünschen uns, dass das Land auch hier zu ­anderen Berechnungen kommt. Wir brauchen aufgrund der ­Infrastruktur in der Fläche einfach mehr Fahrzeuge als in der Stadt. ­Technisch, sprich: PC-Ausstattung, ­Digitalfunk, neue Telefonanlage, neue BMW-Streifenwagen - sind wir auf einem sehr hohen Niveau.

Wie wirkt sich die Flüchtlingsproblematik auf die Arbeit aus?

Im Hochsauerlandkreis gibt es ­derzeit vier Lan­desunterkünfte und 358 kom­munale Unterkünfte, in denen sich etwa 4100 Flücht­linge aufhalten. Wir registrieren schon ein erhöhtes Einsatz­aufkommen. Meist sind es aber kleinere Streitereien ­zwischen Flüchtlingen. Außerhalb der Unterkünfte finden nur wenige Einsätze statt. Auch wenn wir rund um die Wohnheime unsere ­Streifenwagenpräsenz ausgeweitet und in der Behörde eine Beamtin mit der Koordination der ­Flüchtlingsangelegenheiten beauftragt haben, ist das Ganze im ­Moment noch gut zu beherrschen. Für mögliche Übergriffe auf die Heime haben wir Notfallpläne ­parat.

Auch auf dem Land nimmt Gewalt zu

Ist ein Polizeibeamter noch eine Respektsperson?

Grundsätzlich ja. Aber auch auf dem Land nehmen Gewalt und Respektlosigkeit gegen Beamte tendenziell zu. In den 80er Jahren bin ich noch alleine in Köln auf Fußstreife gegangen. Das ist heute fast nicht mehr möglich.