Wartelisten für Sonderheft von Charlie Hebdo

Meschede / Schmallenberg / Eslohe..  Nach dem Anschlag auf das Satiremagazin Charlie Hebdo haben die verbliebenen Redaktionsmitglieder mit Unterstützung eine Sonderausgabe herausgebracht - statt 60 000 Mal wurde sie bereits fünf Millionen Mal gedruckt. Doch das reicht offenbar immer noch nicht. Auch in unserer Region ist die Nachfrage groß.

Schmallenberg

35 Menschen hat Vera Dünnebacke vom gleichnamigen Zeitschriftenladen in der Schmallenberger Oststraße schon auf der Liste. „Ich träume schon von Charlie Hebdo“, sagt sie und lacht. „Abends um sieben Uhr kam die letzte Anfrage, am nächsten Morgen, beim Aufschnüren der Zeitungspakete, die nächste.“ Dabei freut sie sich über die Nachfrage, kann aber leider noch nicht sagen, ob es überhaupt ein Heft bis ins Sauerland schafft.

Bis Mitte nächster Woche, so hat ihr Großhändler versprochen, gibt er Bescheid, ob er wenigstens die französische Ausgabe liefern kann oder aber das Nachfolgeheft. Auch über den Preis gibt es noch keine genauen Auskünfte. Von vier Euro ist die Rede. Die Nachfragen kommen von Menschen jeden Alters und aus den unterschiedlichsten Berufen. „Einige Kunden waren noch nie vorher bei mir im Laden.“ Vera Dünneback: „Ich wünschte, ich hätte 100 Stück hier liegen und könnte sie verkaufen. Mir tut es einfach leid, die Menschen wegschicken zu müssen.“

Eslohe

Auch bei Tabakwaren Wagener an der Esloher Hauptstraße gibt es bereits vereinzelte Anfragen. Unsicher ist allerdings auch dort noch, ob die erste Charlie-Hebdo-Ausgabe nach den Terror-Anschlägen zu bekommen sein wird. „Ich gehe davon aus, dass uns Exemplare geliefert werden“, sagt Mitarbeiterin Hedwig Böhmer. Sie wisse jedoch nicht, wie viele es sein werden.

Meschede

Wartelisten gibt es auch in Meschede, zum Beispiel bei Tabakwaren Gerstgarbe. „Dabei ist nicht einmal klar, in welcher Sprache wir die Ausgabe bekommen werden“, sagt Dorothea Gerstgarbe. Sie hofft darauf, dass ab Samstag die ersten Exemplare erhältlich sind. Dass sie dieses Heft anbietet, ist für sie mehr als ein einfaches Geschäft: „Es geht um die Meinungsfreiheit. Es geht darum, dass respektiert wird wie andere denken“, betont die Geschäftsfrau, und erwähnt zugleich „das gute Miteinander bei uns in Meschede.“ In Deutschland dürfe jeder seine Meinung sagen - „das ist auch mir ganz wichtig.“

Schon bald nach dem Attentat auf die Redaktionsräume von Charlie Hebdo gab es bei Tabakwaren Adams in Meschede erste Nachfragen nach der Satire-Zeitschrift. Zehn Leute stehen inzwischen auf der Warteliste, die noch länger werden wird. Für die Kunden ist die Sprache, in der sie das Heft erhalten, zweitrangig - sie wollen dieses Zeitdokument haben. Sorgen vor Islamisten, die Reaktionen auf den Verkauf des umstrittenen Magazins zeigen könnten, haben Constanze und Paul Köster nicht: „Dann schon eher vor Einbrechern.“