Warnung vor teurer Masche

So sehen die Schreiben aus, die bei der Einzelhändlerin eingangen sind.
So sehen die Schreiben aus, die bei der Einzelhändlerin eingangen sind.
Foto: WP
Diese Masche greift bundesweit um sich: Auch in Meschede hat jetzt ein Telefonbuchverlag einem Einzelhändler für einen Eintrag in ein Branchenverzeichnis eine Rechnung über mehr als 550 Euro geschickt. Die Filialleiterin fühlt sich betrogen.

Meschede.. Mehrmals hatten die hartnäckigen Werber telefonisch versucht Kontakt mit ihr aufzunehmen. Die Kollegen wimmelten sie immer ab. „Bis sie mich dann doch erreicht haben“, berichtet die Meschederin. „Es war viel zu tun“, erinnert sie sich, „Kundengespräche, Vertreterbesuche und Betriebs-Organisation und dann dieser seltsamen Anruf.“

„Schicken Sie es schriftlich“

Nein, sie wolle kein Angebot, versuchte sie die Werber freundlich und bestimmt abzuwimmeln. „Schicken Sie mir alles schriftlich.“ Und dabei, so berichtet sie, habe sie immer noch geglaubt, es handele sich um den Anbieter des örtlichen Telefonbuchs. „Nur deshalb war ich so freundlich.“

In diesem Glauben lässt sie auch der Anrufer. Man wolle nur wissen, ob der schon bestehende Vertrag unbefristet weiterlaufen soll, fragt der Anrufer. Das verneint die Meschederin, bestätigt aber Adresse, Telefonnummer und E-Mail-Adresse und stimmt vor allem zu, dass ihre Aussage auf Band aufgenommen wird. Ein Fehler. „Dann wurde angeblich die Verbindung schlecht, und der Mitarbeiter erklärte, er müsse noch einmal anrufen“, berichtet die Kauffrau. Wieder wird alles auf Band mitgeschnitten.

Schon einen Tag später kommt die erste Rechnung. 249 Euro für den ungewollten Eintrag in ein Branchenregister. Wieder einen Tag später die zweite Rechnung - diesmal über 299 Euro für den Eintrag in einem Telefonbuch. „Ich habe mich von denen unter Druck setzten lassen“, sagt die Filialleiterin. Sie fühlt sich überrumpelt und ihr ist im Nachhinein klar: „Ich hätte nur aufzulegen brauchen.“

Doch die Werber melden sich sogar weiter, wollen wissen, ob die Rechnung auch eingegangen ist. Die Meschederin erstattet Anzeige wegen versuchten Betrugs und reicht die Rechnungen an den Anwalt weiter. Denn während jeder normale Endkunde bei einem solchen Geschäft, das nicht in Geschäftsräumen stattfindet - ein Widerrufsrecht hat, ist der Vertrag zwischen zwei Geschäftskunden bindend. Ihnen bleibt nur das Widerspruchsrecht. Angelika Walter von der Verbraucherberatung ist daher auch nicht zuständig. „Wir dürfen nur Endverbraucher beraten“, erklärt sie. Aber das Problem sei ihr bekannt. „Gerade kleine Geschäfte werden bei solchen Anrufen überrumpelt.“

Schutzverband kann abmahnen

Ansprechpartner für die Geschäftsleute sind IHK und der Deutsche Schutzverband gegen Wirtschaftskriminalität. Der Schutzverband kann die entsprechenden Firmen auch abmahnen, da sie laut eigener Einschätzung mit ihren Anrufen gegen das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb verstoßen.

„Ich ärgere mich über mich selbst“, sagt die betrogene Meschederin. Doch nun ist ihr wichtig, dass auch die Öffentlichkeit über diese Tricks aufgeklärt wird. Der Verlag war für unsere Nachfrage nicht zu erreichen.