„Wahl-Sauerländer mit Herz, Leib und Seele“

An seinem Haus in Bracht mag Tiny Brouwers vor allem den großen Garten. Wichtig ist ihm auch der gute Kontakt zu den Nachbarn rundherum.
An seinem Haus in Bracht mag Tiny Brouwers vor allem den großen Garten. Wichtig ist ihm auch der gute Kontakt zu den Nachbarn rundherum.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Journalist Tiny Brouwers ist glücklich über seine Entscheidung, aus dem Süden der Niederlande nach Bracht zu ziehen.

Bracht..  Seit fast sieben Jahren wohnt der gebürtige Niederländer Tiny Brouwers mit seiner Frau in Bracht. Im Gespräch mit dieser Zeitung erklärt der 65-jährige Journalist, was er beim Anblick des Brachter Kirchturms empfindet, wie er das Herz der Schmallenberger gewonnen hat und warum er eine besondere Vorliebe für Milch und Käse hegt.

Sind die Gardinen an den Fenstern etwas, was Sie von den Deutschen übernommen haben?

Tiny Brouwers: Warum?

Ich kenne keinen Niederländer, der welche hat.

Das ist dann wohl eines der Vorurteile, das stimmt. (lacht) Wir ziehen sie auch niemals zu, sie sind nur Deko.

Wie steht es mit den Vorurteilen über die Sauerländer – etwas stoffelig und verschlossen?

Sie sind auf jeden Fall anders als Niederländer, natürlich gilt das nicht für jeden. Aber die meisten sind nur verschlossen, wenn sie jemanden nicht kennen. Wenn man sie dann aber kennt, sind sie auch sehr locker. Allerdings habe ich den Eindruck, dass die Deutschen grundsätzlich mehr diskutieren, bevor sie etwas ausprobieren. Die Niederländer versuchen es sofort, und wenn es nicht klappt, probieren sie etwas anders. Sie nehmen mehr Umwege. Und was mir auch auffällt, ist, dass die Deutschen das Glas eher halb leer sehen, die Niederländer sehen es grundsätzlich eher halb voll.

Haben Sie sich selbst nach Ihrem Umzug verändert?

Ich habe meine ganze Art hierher mitgenommen und das wird akzeptiert. Ich sage immer, man muss sein Leben mit Humor nehmen. Es kommt darauf an, viel zu kommunizieren. Und weil das auch noch mein Beruf ist, fällt es mir nicht schwer.

Sie waren jahrelang Pressesprecher der niederländischen Milchindustrie – wo kaufen Sie hier Ihre Milch?

Im Supermarkt.

Sie sind also kein Verfechter der frischen Milch direkt vom Hof?

Nein, meiner Meinung nach muss Milch immer pasteurisiert sein, das ist einfach sicherer. Wenn man Rohmilch trinkt, muss man schon sehr genau wissen, woher sie kommt. Aber ich trinke immer noch gerne Milch und noch viel lieber esse ich Käse. Das Schöne hier in Bracht ist, dass wir im Hawerland wohnen, wo es viele Wiesen und sanfte Hügel gibt, so dass man viele Kühe sieht – das gefällt mir.

Was hat Sie gerade nach Schmallenberg gebracht?

Meine Frau und ich haben jahrelang Urlaub in Holthausen gemacht auf dem Hof Belke-Grobe. Und als dann meine Frührente in Sicht kam, haben wir uns entschieden, hierher zu ziehen. Dann haben wir zwei Jahre lang nach einem Haus gesucht und das hier in Bracht gefunden, mit einem wunderschönen großen Garten.

Wo ist Ihre Heimat?

Ganz ehrlich – mittlerweile hier. Ich bin immer viel unterwegs in ganz Deutschland und wenn ich auf der Autobahn das Sauerland-Schild sehe, denke ich: Jetzt bist du fast zu Hause. Und wenn ich dann den Kirchturm von Bracht sehe, weiß ich, dass ich zu Hause bin.

Wie haben Sie und Ihre Frau es geschafft, die Schmallenberger für sich zu gewinnen?

Sie sehen, dass wir Wahlsauerländer sind und mit Herz, Leib und Seele hier wohnen. Ich engagiere mich zum Beispiel als Kassenprüfer beim Wasserbeschaffungsverein in Bracht und bin Pressesprecher der Kulturellen Vereinigung Schmallenberger Sauerland. Und ich versuche auch den Belgiern und Niederländern zu zeigen, wie schön es im Sauerland ist.

Mit welchen drei Gründen würden Sie einen Touristen überzeugen, seinen Urlaub hier zu verbringen?

Es gibt eine schöne Landschaft, es ist sehr ruhig und es gibt sehr viel zu sehen und zu erleben – vom Wandern über das Skifahren bis zum Wellness. Man kann hier einfach sehr gut Urlaub machen. Allerdings sehe ich auch Gefahren für den Tourismus, zum Beispiel die Diskussion um die Windräder. Viele Niederländer erzählen mir, dass sie gerade wegen der Landschaft hier Urlaub machen und schon bei sich zu Hause den Eindruck haben, die Windräder würden die Landschaft verschandeln. Man sollte solche Auswirkungen auf den Tourismus bedenken.

Als Pressesprecher der Kulturellen Vereinigung machen Sie Werbung für viele Veranstaltungen – haben Sie vorher erwartet, dass die Kulturszene hier so lebhaft ist?

In den Niederlanden haben wir zwischen Rotterdam und Den Haag gewohnt, da hatten wir Orchester, Oper, Theater und so weiter in direkter Nähe. Als ich dann hierher gekommen bin, hat man mir gesagt, dass hier kulturell nichts los ist. Das bestreite ich. Wenn man sucht und genau hinsieht, gibt es hier eine Menge an Kultur zu erleben. Allerdings denke ich, dass die Kommunen im Sauerland sich besser vernetzen sollten was die Kultur angeht. Denn auch Winterberg, Meschede und Arnsberg haben viel zu bieten. Nur die Informationen fließen nicht gut genug, das sollte man verbessern.

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