Wachsende Zweifel am Meschede-Center

Im Rückblickpeinliche Szene: Bürgermeister Uli Hess (rechts) packt symbolisch mit an, stellt den Bauzaun auf und gibt den Startschuss. Das war im Januar kurz vor dem Jahresempfang von Stadt und IMW – seitdem ist nichts mehr passiert.
Im Rückblickpeinliche Szene: Bürgermeister Uli Hess (rechts) packt symbolisch mit an, stellt den Bauzaun auf und gibt den Startschuss. Das war im Januar kurz vor dem Jahresempfang von Stadt und IMW – seitdem ist nichts mehr passiert.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Was wird aus dem geplanten Meschede-Center? Bei den Vermarktern der Hertie-Immobilie wachsen Zweifel an dem Engagement der Investoren-Familie Bövingloh.

Meschede.. Die Hertie-Immobilie befindet sich wieder in der Vermarktung. Jeder, der das Objekt erwerben möchte, hat die Möglichkeit dazu.

Zwischenzeitlich war das Gebäude nicht mehr auf dem Markt. Bövinglohs hatten vor mehr als drei Jahren einen Kaufvertrag mit den Insolvenzverwaltern von Dawnay Day, dem damaligen Finanzinvestor von Hertie, geschlossen. Doch: „Das Geld ist bis heute nicht bezahlt“, sagt Sebastian Mogos-Lindemann. Er ist Bevollmächtigter des Insolvenzverwalters und kümmert sich um die Vermarktung ehemaliger Hertie-Immobilien.

Nach seiner Einschätzung kann der Vertrag mit Bövingloh jederzeit „mit einem Dreizeiler“ wieder aufgelöst werden, sobald ein neuer Interessent tatsächlich Geld auf den Tisch legt. Zwei Anfragen von Projektentwicklern hat es bereits gegeben, berichtet Mogos-Lindemann. Daraus geworden sei bisher nichts.

Mogos-Lindemann gilt bei der Stadtverwaltung als so etwas wie ein rotes Tuch: Schon vor Monaten hatte er Zweifel an dem Bövingloh-Projekt angemeldet – weil der Kaufvertrag zwar geschlossen, aber kein Geld überwiesen worden war. Ihm wird seitdem unterstellt, eigene Interessen als Makler zu verfolgen, während mit seinem Auftraggeber, dem Insolvenzverwalter Prof. Dr. Volker Römermann aus Hamburg, weiterhin Einigkeit über den Verkauf an Bövingloh herrsche. Dessen Kanzlei lehnte gegenüber unserer Zeitung eine Stellungnahme ab.

Fakt ist: Bövingloh muss den Kaufpreis erst dann bezahlen, wenn mit dem Projekt begonnen wird. So ist es vereinbart. Fakt ist aber auch: Seit Jahren warten alle Beteiligten auf den Startschuss, der sich immer wieder verschiebt. Während die Vermarkter der Immobilie ihre Konsequenzen nun gezogen haben und nach neuen Käufern suchen, wächst nach Informationen unserer Zeitung auch bei Stadtverwaltung und insbesondere in der Politik die Unruhe. Alle wissen: Weihnachten 2015 wird das Meschede-Center nicht mehr eröffnen. Wird es überhaupt fertiggestellt?

Peinlicher vermeintlicher Startschuss

Als peinlich wird in der Bevölkerung inzwischen der vermeintliche Startschuss für den Baubeginn Mitte Januar eingestuft: Bürgermeister Uli Hess stellte sich am Winziger Platz symbolträchtig vor den Bauzaun mit den Worten: „Jetzt geht es los“ – ausgerechnet einen Tag vor dem Jahresempfang von Stadt und Interessengemeinschaft Mescheder Wirtschaft. Dort bekannte der damalige IMW-Vorsitzende Volker Arens in seiner Ansprache mit Blick auf die Vorarbeiten, die allein von der Stadt geleistet worden waren: „Das letzte Mal war es in der Kindheit, dass ich mich so sehr gefreut habe, einen Bagger und einen großen Dreckhaufen zu sehen“. Der Beifall ist inzwischen verhallt.

Warum wurde damals der Bauzaun aufgestellt? „Der Startschuss zum Beginn der Arbeiten außerhalb des Gebäudekörpers erfolgte auf ein entsprechendes Signal des Investors“, erklärte Jörg Fröhling, Pressesprecher der Stadt. Seitdem sind Verwaltung und Bövingloh im ständigen Kontakt – auf die Nachricht vom Durchbruch warten sie Woche für Woche.

Investor Oliver Bövingloh wollte sich auf Nachfrage unserer Zeitung nicht äußern.