Vorwürfe wegen Abholz-Politik

Was wir bereits wissen
Nach dem Fällen von neun Bäumen kritisieren die Mescheder Grünen die Stadtverwaltung. Zu leichtfertig würden Bäume gefällt. Die Stadt beruft sich auf ihre Pflicht, für die Verkehrssicherheit zu sorgen.

Meschede..  Im Zweifel: Abholzen. Diese Praxis im Umgang mit Bäumen wirft die Fraktion der Grünen der Stadtverwaltung vor. „Jetzt reicht es“, sagt Ratsmitglied Antonius Vollmer. Für ihn bringt das Fällen von gleich neun Bäumen an der Beringhauser Straße das Fass zum Überlaufen. Er wirft der Stadt einen Verstoß gegen das Bundesnaturschutzgesetz vor. Die Stadt weist das zurück. „Erhaltung wenn möglich, Fällung wenn nötig“, nennt Bauhofleiter Marc Böhm die städtische Praxis. Die Stadt müsse als Straßenbaulastträger Verantwortung übernehmen.

„Hier wurde definitiv gegen das Gesetz verstoßen“, meint Antonius Vollmer. „Die Bäume hätten nicht fallen müssen“, sagt Grünen-Fraktionsvorsitzende Mechthild Thoridt. Bäume an Straßen dürfen zwischen dem 1. März und 30. September nicht gefällt werden. Da ist das Bundesnaturschutzgesetz eindeutig. Bei Verstößen drohen bis zu 10 000 Euro Geldbuße. Die neun Ahornbäume sind im April gefällt worden. Die Stadtverwaltung nutzte die einzige Ausnahme, die das Gesetz für das Baumfällen außerhalb des Zeitraums vorsieht – nämlich die Verkehrssicherheit. Die rund 70 Jahre alten Bäume seien erheblich beschädigt gewesen sein.

Nur vereinzelt schadhaft?

Antonius Vollmer, selbst Forstmann, lässt die Begründung nicht gelten: „Das war keine Notlage.“ Hier habe es nur vereinzelt schadhafte Stellen gegeben. Die Stadt fasse den Begriff der Verkehrssicherheit viel zu weit: Nur unmittelbare Gefahren rechtfertigten ein sofortiges Baumfällen: „Was für ein unglaublicher Zufall muss das gewesen sein, dass gleichzeitig neun Bäume plötzlich so bedrohlich gewesen waren.“ Und vor dem Fällen müssten Rückschnitte oder das Beseitigen von Totholz erfolgen. Bauhofleiter Böhm betont, ein Rückschnitt hätte „keinerlei Perspektiven für die Bäume gezeigt“. Beim Fällen selbst habe sich ihr sehr schlechter Zustand offenbart: Teilweise hätte der Bagger wegen der starken Faulstellen kaum Kraft aufwenden müssen.

Vier neue Bäume sind neben den Stümpfen der neun alten gepflanzt worden. Das sei kein vollwertiger Ersatz, meint Vollmer: Junge Bäume bräuchten viel Zeit, um die Rolle der alten zu erfüllen – etwa für das Innenklima einer Stadt. Außerdem dienten sie als Unterschlupf für Tiere. Die Auswirkung einer Baumfällaktion, selbst auf Haselmäuse oder Siebenschläfer, muss eine Stadt im Voraus mit begutachten. Dass dies auch bei der Beringhauser Straße erfolgte, ist für Vollmer fraglich: In der den Politikern vorliegenden Dokumentation fehlen dazu Aussagen. „Selbstverständlich“ sei darauf geachtet worden, so die Stadt. Es seien keine Hinweise auf Brut- oder Nistplätze gefunden worden.

Diskussionsprozess anstoßen

Sorgen vor Konsequenzen muss die Stadt nicht haben. „Die Beurteilung, ob das Fällen aus Gründen der Verkehrssicherheit geboten ist, liegt bei der Stadt Meschede“, sagt Kreissprecher Martin Reuther für die Untere Landschaftsbehörde: „Das kann die Stadt selbst regeln.“ Die Stadtverwaltung betont, sie habe beim Kreis vor der Fällung um Zustimmung oder einen Ortstermin gebeten. Dabei sei erklärt worden, dass Bäume gefällt werden könnten, die die Verkehrssicherheit gefährdeten. Der Wunsch nach einem Ortstermin wurde abgelehnt.

Meschede habe zu wenig Bäume, denen man die Chance gebe, alt zu werden, meint Antonius Vollmer. Die Grünen wollen einen Diskussionsprozess anstoßen, „damit Bäume eine Chance bekommen“. Immer wieder kommt die Baum-Frage auf. Langfristig möchte die Stadtverwaltung am Ende der Beringhauser Straße, an der Einmündung zur Remblinghauser Straße, den Bereich der ehemaligen Bushaltestelle umbauen. Dafür müssten auch dort die beiden noch stehenden mächtigen Bäume beseitigt werden.