Vorsätze teilen: Muckis auf Klick

N achdem man in der Weihnachtszeit mal wieder ein bisschen zu viel genascht hat, sind plötzlich alle fest entschlossen, im neuen Jahr etwas zu ändern. Auf der To-Do-Liste fürs neue Jahr finden sich Punkte wie „mehr Sport treiben“ oder „sich gesünder ernähren“ bei fast jedem. So versucht man das schlechte Gewissen zu beruhigen.

Das Studio wird zum Schlachtfeld

Ein überwältigendes Phänomen: Anfang Januar wird das Fitness-Studio zum Schlachtfeld, alle reden nur noch von Clean-Eating, und wirft man einen Blick auf seine Facebook-Startseite, handelt jeder zweite Status von Low-Carb-Pasta, neuen Bestzeiten und anstrengenden Workouts. Da darf natürlich auch das Trainingsfoto nicht fehlen - muss ja jeder wissen, wie ernst man es mit seinen Vorsätzen meint. Das geht bei den meisten etwa fünf Wochen so, es sei denn die Vorsätze bröckeln bereits nach drei Tagen...

Für den Fall gibt es die sogenannten Happy Challenges. Einfach auf Facebook an einer Happy-Challenge-Veranstaltung teilnehmen und schon ist man wieder voll dabei. Die Auswahl ist groß, von der Squat- über die Ab- bis hin zur Plank- und Liegestütz-Challenge ist viel dabei. 30 Tage soll man den Plan der jeweiligen Übung verfolgen und sich jeden Tag steigern, Start ist im Februar. Da wird der Vorsatz, sich ein paar Muskeln anzutrainieren, zum Kinderspiel. Und das Tolle dabei: Jeder sieht gleich, dass man mitmacht.

An dieser Stelle sollen keine Illusionen und Motivationshochs zerstört werden, aber es ist ernsthaft lächerlich zu glauben, dass man von ein paar Sit-ups am Tag zum Waschbrettbauch gelangt. Das einzig verlockende an der Challenge ist, dass es gleich offiziell für alle sichtbar ist. Man hat kein schlechtes Gewissen mehr und braucht nur brav seine zehn Wiederholungen machen. Nach 30 Tagen hat man es dann auch schon überstanden – wenn nicht schon vorher ein paar Wiederholungen und „Trainingstage“ mit irgendwelchen Ausreden weggeschummelt werden. Die meisten werden ihren Vorsatz, den sie sich durch Klicken auf den „Teilnehmen“-Knopf gesetzt haben, bis zum nächsten Tag eh wieder vergessen haben. Das Training der Muskeln mit immer der gleichen Übung ist ohnehin eintönig.

Man kann es auch positiv sehen: Vielleicht ist der Vorsatz-Bedarf damit erfüllt, und man bleibt endlich verschont von faulen Fitness-Vorsätzen. Und wer wirklich drangeblieben ist, das sehen wir dann im Sommer.