Vom neuen Leben nach dem Krebs

Bei einer Tasse Tee in ihrem Haus in Lenne erzählt Christine Borys von ihrem Neustart – mit einem Strahlen in den Augen.
Bei einer Tasse Tee in ihrem Haus in Lenne erzählt Christine Borys von ihrem Neustart – mit einem Strahlen in den Augen.
Foto: WP
Christine Borys (32) hatte einen Tumor in der Brust – als junge Mutter mit zwei kleinen Kindern.

Lenne..  Gerade schien die Familienidylle perfekt. Christine Borys hatte geheiratet, mit ihrem Mann ein Haus in Lenne gekauft und zwei Kinder bekommen. Dann die Diagnose: Brustkrebs. Eine besonders aggressive Form. Den Tag, an dem der Arzt ihr die Diagnose mitgeteilt hat – es war der 12. September 2011 – wird sie wohl nie vergessen. „Es war eine wirklich beschissene Situation, auch der Arzt hat mitgelitten“, sagt die heute 32-Jährige. „An seiner Reaktion habe ich gemerkt, wie ernst es ist.“

Es folgen eine Chemotherapie, eine Operation im Brustzentrum der Uniklinik Köln und eine Reha. Die beiden Kinder sind in dieser Zeit noch klein – Mats ist gerade ein Jahr alt, seine ältere Schwester Neele ist drei. „Das war eigentlich ein Vorteil, weil sie es nicht anders kannten, als dass Mama ständig zum Arzt rennt“, sagt Borys. „Und vieles, zum Beispiel die Chemotherapie, haben sie schon wieder ganz vergessen.“

Erfahrungsaustausch

Obwohl der Krebs so aggressiv war, konnte Christine Borys ihn besiegen. Heute glaubt sie, dass auch die Psyche eine große Rolle dabei gespielt hat. Familie, Freunde und Ärzte haben ihr während der Krankheit den Rücken gestärkt. Und sie ist einfach nicht der Typ, der sich schnell umhauen lässt. „Ich glaube, ich bin einfach noch stärker durch diese ganze Geschichte geworden.“

Ihre Erfahrungen gibt sie in der Winterberger Selbsthilfegruppe nach Krebs und in einem neuen Gesprächskreis in Saalhausen weiter. Auch sonst haben sich einige Dinge in ihrem Leben verändert: „Ich war früher der unsportlichste Mensch der Welt und seit der Reha gehe ich regelmäßig laufen.“

Folgen der Chemo

Einen Neustart von einem Tag auf den anderen, nach dem Motto „Auf die Plätze, fertig, los!“, hat Borys allerdings nicht hinlegen können. Es ist eher ein schleichender Prozess, der auch jetzt, vier Jahre nach der Therapie, noch nicht zu Ende ist. Schuld daran ist ein chronisches Erschöpfungssyndrom, eine Folge der Chemotherapie. Borys leidet unter ständigen Kopfschmerzen, kann sich manchmal nur schwer konzentrieren und ist schnell müde, fast jeden Mittag muss sie sich kurz hinlegen. Eine schwere Aufgabe für die Powerfrau. „Für mich war es wichtig, mir meine Grenzen einzugestehen“, sagt sie. „Ich war immer eher der Typ, der 130 Prozent gibt, mich zurückzunehmen fällt mir immer noch schwer – aber zum Glück bremst mich mein Mann dann.“

Der Krankheit davonlaufen

Und dann ist da noch die Sorge, dass der Krebs wiederkommen könnte. „Es ist so ein Damoklesschwert. das immer über einem schwebt, jedes Wehwehchen wird auf die Goldwaage gelegt.“ Das Risiko eines Rückfalls ist in den ersten drei Jahren nach der Therapie besonders hoch – die sind schon vorbei. Je mehr Zeit vergeht, desto unwahrscheinlicher wird eine erneute Erkrankung. Mittlerweile arbeitet Borys auch wieder, sie hat einen Job in der Qualitätsprüfung bei Falke. Privat genießt sie das Familienleben. Wenn der Stress oder die Sorgen zu groß werden, schnürt die junge Mutter ihre Laufschuhe und läuft den Folgen der Krankheit einfach davon. Überholen lässt sie sich nicht.