Verträge mit fiktiven Personen

Meschede...  „Falsche“ Freunde, die hatte ein 23-Jähriger aus Willingen im wahrsten Sinne des Wortes. Und nicht nur aus diesem Grund musste sich der junge Kaufmann für Dialogmarketing jetzt als Angeklagter vor dem Schöffengericht Meschede verantworten.

„Mach das doch mal, es passiert doch nichts …“: Lange zögerte der Angeklagte, damals noch Festangestellter in einem Telekommunikations-Shop in Meschede. Die Aufforderungen aus dem Freundeskreis verleiteten ihn schließlich dazu, von August 2012 bis Juni 2013 Mobilfunkverträge mit Hilfe fiktiver Namen oder Namen von realen Kunden abzuschließen. Seine Freunde erhielten die Karten und die Smartphones. „Ich sah, es hat geklappt“, so der junge Mann. In Anbetracht seiner rund 10 000 Euro Schulden weitete er diese Geschäfte aus und ließ 15 Geräte an die eigene Adresse liefern. Mit ihnen wollte der Angestellte seine Schulden begleichen. Weitere hochwertige 65 Apple-I-Phones, I-Pads und Samsung-Geräte ließ er an seine Freunde ausliefern. „Ich wollte helfen, dass die auch Geld verdienen“, so der Angeklagte. „Dann allerdings setzten sie mich unter Druck. Ich befand mich in einer Notlage.“ Eine Notlage zum Weitermachen, sozusagen.

Diese Notlage spürt der Angeklagte heute noch: Bis auf zwei Empfänger traute er sich keine Namen zu nennen, da ihm ansonsten Gefahr drohen würde.

Missbrauch einer 15-Jährigen

Als dem Mobilfunk-Unternehmen die Machenschaften seines Mitarbeiters auffielen, leitete es ein Ermittlungsverfahren ein. Außerdem erstatteten zwei echte Kunden, die Rechnungen und Mahnungen erhalten hatten, Strafanzeige.

Im weiteren Verlauf der Verhandlung ging es zudem um den Vorwurf des sexuellen Missbrauchs seiner damals 15-jährigen Freundin. Dieser Vorwurf konnte dem Angeklagten allerdings nicht nachgewiesen werden. Wohl aber hatte der 23-Jährige seine damalige Freundin durch – wie es im Juristendeutsch hieß – „Drohung mit einem empfindlichen Übel“ zu einer derartigen Handlung nötigen wollen. Auch wenn es bei dem Versuch blieb, so lagen ca. 30 beweiskräftige WhatsApp-Nachrichten vor. Aus diesen ging hervor, dass die junge Frau sich bedroht fühlen musste. Wenn sie dem Angeklagten beispielsweise nicht weiterhin zur Verfügung stände, dann würde er die bis dahin geheime Beziehung öffentlich machen und so auch ihren Vater in Kenntnis setzen.

Die Staatsanwaltschaft sah es als erwiesen an, dass der Angeklagte lediglich in den 15 Betrugsfällen gewerbsmäßig handelte. Für das Gesamtmaß der insgesamt 80 Fälle forderte Oberstaatsanwalt Thomas Poggel ein Jahr und sechs Monate auf Bewährung, der Pflichtverteidiger hielt ein Jahr für den Betrug ausreichend. Richterin Christina Spenner folgte dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Der Jobverlust und das Geständnis beeinflussten das Urteil.

Strafen zur Bewährung

Weitere sechs Monate hielt die Staatsanwaltschaft für die versuchte Nötigung für angemessen. Das sahen sowohl der Verteidiger als auch die Richterin so. „Aus Fehlern lernt man“, meinte der Angeklagte. Er werde sich auch bei seinem früheren Arbeitgeber entschuldigen: „Das waren die größten Fehler, die ich in meinem Leben gemacht habe.“ Die Strafen wurden zur Bewährung ausgesetzt. Der Angeklagte hat inzwischen eine feste Arbeitsstelle als Reinigungskraft.