Und wieder verschwinden Hortensien

So abgeschnitten sehen die Hortensien aus . Niemand weiß, was dahinter steckt.
So abgeschnitten sehen die Hortensien aus . Niemand weiß, was dahinter steckt.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Es sind wieder Hortensien abgeschnitten worden - und niemand weiß, wer dahinter steckt. Der Polizei graut es schon vor massenhaften Anzeigen, die zu nichts führen.

Meschede..  Hortensien-Diebe? „Nein, bitte nicht!“ - so dürfte der ein oder andere bei der Polizei denken. Die Täter, die bei Nacht unerkannt Blüten abschneiden und mitgehen lassen, gelten ein bisschen als der Schrecken der Beamten. Warum? Weil jede Anzeige erfahrungsgemäß viel Papierkram und wenig Ermittlungserfolg bedeutet. Und weil die Diebstähle oft massenhaft verübt werden. Die neue Saison in Meschede ist übrigens eröffnet.

Noch nie ist ein Täter im Hochsauerlandkreis gefasst oder gesehen worden. Bundesweite Statistiken zum Hortensien-Diebstahl gibt es nicht, aber es scheint, als ob überhaupt noch nie ein Täter überführt und verurteilt worden ist. Es gibt auch nicht wenige, die daher behaupten, dass es gar keine Menschen sind, die diese Pflanzentriebe mitgehen lassen, sondern dass es Tiere sein könnten, die Gefallen an dem Geschmack haben. Rehe stehen beispielsweise in Verdacht - doch auch hier fehlt der zwingende Beweis. Das macht die Hortensien-Diebstähle so mysteriös.

In den Nischen des Internets

Die gängigste Theorie ist diese: Jugendliche oder junge Leute knipsen die Hortensien unerkannt ab, weil sie glauben, dass sie sich mit den Inhaltsstoffen einen berauschenden Joint drehen könnten. In den „Nischen des Internets“, so nennt es Ludger Rath, Pressesprecher der Polizei im Hochsauerlandkreis, mag es die ein oder andere Anleitung dazu geben. Doch wie bei vielen Dingen, die im Internet stehen, gilt: Stimmen müssen die Angaben nicht. Bei den Hortensien sind sie aus medizinischer Sicht auch definitiv falsch - und sogar gefährlich.

Experten warnen eindringlich davor, die Blüten zu rauchen. Erstens gebe keine ernstzunehmende Untersuchung, die eine berauschende Wirkung von Hortensien belege und keine Hinweise auf Inhaltsstoffe, die einen Rausch hervorrufen könnten. Und zweitens seien als Folgen schwere Nebenwirkungen bis hin zu Vergiftungen möglich: Beim Rauchen von Hortensien werde Blausäure freigesetzt - im schlimmsten Fall könne die Atmung aussetzen, ein Tod durch Ersticken.

Trotzdem werden die prächtigen Zierpflanzen immer wieder verstümmelt, die Triebe sehen wie abgeschnitten aus - oder sind tatsächlich abgeschnitten worden. Das grundsätzliche Problem aus polizeilicher Sicht: „Es gibt keine Spuren“, sagt Pressesprecher Ludger Rath. Die ersten bekannten Tatorte dieser Saison: die August-Macke-Straße und Auf der Heide in Meschede.

Viel Aufwand, wenig Ertrag

Strafrechtlich gesehen könnten Hortensien-Diebe einen Diebstahl oder eine Sachbeschädigung begangen haben. Die Polizei ist daher dazu verpflichtet, Strafanzeigen aufzunehmen, die - siehe oben - oft in Massen kommen, viel Aufwand und wenig Ertrag haben. „Wirklich helfen würde es uns, wenn jemand einmal Täter gesehen hätte, wenn er sie womöglich beschreiben könnte, wenn etwas konkret Verdächtiges aufgefallen wäre oder etwas am Tatort zurückgelassen worden wäre“, sagt Pressesprecher Rath. Dann könnte das Rätsel um die Hortensien-Diebe vielleicht doch einmal gelöst werden.