Umbau in Ostwig läuft auf Hochtouren

Begegnung in der Eingangshalle der Anne-Frank-Schule: Bei Kaffee, Tee und Keksen lernten sich Flüchtlinge und Ostwiger kennen.
Begegnung in der Eingangshalle der Anne-Frank-Schule: Bei Kaffee, Tee und Keksen lernten sich Flüchtlinge und Ostwiger kennen.
Foto: Dieter Schwermer
Was wir bereits wissen
In der ehemaligen Anne-Frank-Schule in Ostwig sind Asylbewerber untergebracht. Die Ostwiger helfen und sorgen für Begegnungen im Dorf.

Ostwig.  . In der Eingangshalle hängt noch ein Mobile von der Decke. Regenbogenfische. Gebastelt von den einstigen Förderschülern der Anne-Frank-Schule in Ostwig. An einem der beiden umgebauten Klassenräume ist auf einem Schild zu lesen: „Frau Kort, Unterstufe“. Neu hingegen sind die großen Zettel mit Zimmernummern. 47 Flüchtlinge aus acht Ländern leben inzwischen in der Schule.

Viele der Zimmer sind bereits belegt

Seit einigen Wochen wird gewerkelt und gearbeitet. Eine Sicherheitsbeleuchtungsanlage wurde installiert. Die Brandmeldeanlage soll noch erweitert werden. 16 Mini-Küchen mit Kühlschrank, zwei Kochplatten und Spüle wurden in den Zimmern aufgebaut. Jeweils drei kleine Zimmer für je zwei Personen wurden aus zwei der großen Klassenräume gemacht. Ausgestattet sind auch diese kleinen Räume mit einer Mini-Küche. Lediglich der Anstrich fehlt noch. In den anderen großen, nicht umgebauten Klassenzimmern haben je sechs Personen Platz, erläutert Hubertus Kreis vom Bau- und Umweltamt der Gemeinde Bestwig. Viele der Zimmer sind bereits belegt.

Überwältigende Bereitschaft

Das ehrenamtliche Engagement wird in Ostwig groß geschrieben. Die Caritas hatte zu Spenden aufgerufen – und die Bereitschaft war überwältigend, wie Dieter Schwermer, der die ehrenamtliche Arbeit vor Ort koordiniert, berichtet. Somit kann jeder Flüchtling mit einem Hausratspaket ausgestattet werden.

Die örtlichen Vereine fassen mit ins Rad: Die Löschgruppe Ostwig hat Kleiderhaken in den Zimmern montiert. Der Heimat- und Förderverein hat Fahrräder organisiert. Die Freifunker sorgen dafür, dass die Bewohner Zugang zum Internet bekommen. Unter Federführung der Caritas hat die Dorfgemeinschaft Schränke, Teppiche und Stühle besorgt. Montags nachmittags gibt eine Studentin ehrenamtlich Deutschunterricht. Zwei Marokkaner beeindrucken derzeit beim FC Ostwig-Nuttlar mit ihrem Fußballkönnen.

Der TV Germania Ostwig übernimmt den Umbau zweier Kellerräume für Freizeitaktivitäten. Ein großer Gruppenraum als Aufenthalts-, Fernseh-, Spielzimmer entsteht im ehemaligen Werkraum.Daneben können sich die Flüchtlinge in einem Raum ein wenig sportlich betätigen: Der TV stellt eine Hantelbank und Gymnastikmatten zur Verfügung. Wichtiger ist dem Verein die Integration der Neu-Ostwiger. Informationen über weitere Sportangebote nebenan in der Turnhalle hängen in der Eingangshalle aus: Fußball, Volleyball, Gymnastik – die Bewohner der Schule sind überall zum Mitmachen und zum Sport gemeinsam mit Einheimischen willkommen.

Software für Herz und Kopf

Begegnungen zwischen Flüchtlingen und Dorfgemeinschaft fördert auch die Caritas. Jüngst gab es in der Eingangshalle eine Feier bei Kaffee, Tee und Weihnachtsgebäck: „Das wurde gut angenommen“, freut sich Dieter Schwermer. Auch türkische Mitbürger sind aktiv: „An einem Tag haben sie für alle Bewohner Essen gekocht“, erzählt er. Wichtig sei, ins Gespräch zu kommen. Obwohl das nicht immer einfach sei: Mit Händen und Füßen kommuniziere man mit den meist ausschließlich Arabisch sprechenden Bewohnern.

Das sind nur einige Beispiele, betont Schwermer. Der Rentner sieht den Einsatz ganz pragmatisch: „Die Gemeinde ist für die Hardware zuständig, wir für die Software, für Herz und Kopf.“ Wichtig sei, „dass sich die Leute gut aufgehoben fühlen“. Für ihn ist klar: „Man konnte die Leute doch nicht alleine lassen. Die Caritas fühlte sich dafür verantwortlich, ihnen das Leben in dieser Unterkunft so angenehm wie möglich zu machen.“