Über den unzerstörbaren Keim der Hoffnung

Die Tage „zwischen den Jahren“ sind geschafft. Das neue Jahr 2015 liegt ganz frisch vor uns. Es liegt in der Natur des Menschen, nach vorne zu schauen. Die Augen unseres Gesichtes gucken nicht nach hinten, sondern nach vorne. Wir gehen leicht nach vorne, aber unsicher rückwärts. Die Beine wollen nicht so recht funktionieren und den Kopf kann man auch nicht um 180 Grad wenden.


Wie geht es mir heute mit dem Weg nach vorne? Wie weit kann ich sehen? Welche Ereignisse und Termine sind schon sichtbar für das Jahr 2015? Ich sehe berufliche Pflichten und Veranstaltungen, Feiertage und Urlaubszeiten, Familientreffen und gesellschaftliche Feste. Das alles steht schon im Kalender.


Ich überlege, wann ich was vorbereite und durchführe, mit wem ich mich dafür treffen muss zu Sitzungen und Absprachen. Ich gehe davon aus, dass alles kommt wie vorgesehen. Und wenn was dazwischen kommt? Eine Krankheit, ein Unfall oder der Tod nahestehender Menschen? Oder sogar mein eigener Tod, für den ich keinen Termin vorsehe? Dann bricht die Vor­ausschau in sich zusammen. Ich sehe nichts mehr. Die Welt ist dunkel. Und dann?


Wie unser menschlicher Körper mit all seinen Sinnen und Bewegungen nach vorne ausgerichtet ist, genauso bergen wir in uns einen unzerstörbaren Keim der Hoffnung: Es wird einen neuen Weg geben. Ich werde wieder nach vorne sehen können. Ich werde wieder da sein.


Ich weiß, dass das leicht hier geschrieben ist und ich in dunklen Zeiten andere brauche, die für mich Lichter entzünden, so dass ich mich neu orientiere. Optimismus, der mir zugesagt wird, tut gut wie der Satz von der Lyrikerin Rose Ausländer (1901-1988): „Wer könnte atmen ohne Hoffnung, dass auch in Zukunft Rosen sich öffnen.“


Es ist mein Wort für 2015.
Georg Schröder
, Dechant