Tiere vernachlässigt

Diesen Kühen geht es gut: Das liegt an einem gepflegten Stall.
Diesen Kühen geht es gut: Das liegt an einem gepflegten Stall.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Wegen Vernachlässigung seiner Tiere muss ein Landwirt aus Meschede eine Geldbuße zahlen. Landwirtschaftskammer und Landwirtschaftlicher Kreisverband wissen um die Probleme.

Meschede.. Ein Landwirt aus Meschede muss eine Geldbuße zahlen, weil er seine Tiere vernachlässigt hat. Ein Einzelfall? Landwirtschaftskammer und Landwirtschaftlicher Kreisverband wissen um die Probleme, sagen aber auch, dass es ausreichend Hilfen gibt. Die Betroffenen müssten nur bereit sein, die auch anzunehmen.

Kreisveterinär Dr. Thomas Delker hatte Ställe und Außenanlagen des beschuldigten Landwirts in Augenschein genommen: Die Gülle war nicht ausreichend entfernt und die Kühe standen auf dem blanken Spaltenboden. „Die Tiere hatten keinen angemessenen Pflegezustand“, sagt er. Der Kreisveterinär ordnete an, dass die Missstände behoben werden. Der Landwirt muss mit einer Geldbuße rechnen. Die Einhaltung der Maßnahmen wird kontrolliert.

Ein Bürger hatte sich an unsere Zeitung und die Redaktion sich dann an den Kreisveterinär gewandt. Darauf war dieser tätig geworden. „Solche Einsätze kommen immer mal wieder vor“, sagt Dr. Delker. Zum Teil läge die Ursache in der physischen und psychischen Überforderung der Landwirte. „Die Betriebsleiter werden den Anforderungen nicht mehr Herr.“ Dabei könne er keine bestimmte Betriebsgröße ausmachen – „das geht queerbeet“.

Karsten Drews-Kreilmann, Geschäftsführer des landwirtschaftlichen Kreisverbandes, glaubt nicht, dass die Zahl der überforderten Landwirte zugenommen hat. „Auch wenn der Druck um die Flächen härter wird, sind wir mittlerweile weg vom Motto ,Wachsen oder Weichen’. Der Landwirt sollte auch an sich und seine Familie denken.“

Drews-Kreilmann verweist auf die Hilfen, die sein Verband und die Landwirtschaftskammer anbieten. Neben fachlicher Begleitung gibt es seit neuestem auch eine ehrenamtlich organisierte häusliche Familienberatung. Besonders geschulte Landwirte bieten Kollegen ihre Hilfe an. Doch überforderte Landwirte müssten die Angebote auch annehmen. „Bevor der Kreis einen Betrieb schließt, muss schon viel passieren“, sagt Drews-Kreilmann.

„Kein Wachstum um jeden Preis“

Die Anforderungen seien zwar insgesamt gestiegen. Wer aber die gute Ausbildung der Fachschule für Agrarwirtschaft in Meschede genossen habe, sei gut vorbereitet, ist er überzeugt. Während der Ausbildung analysieren die Junglandwirte im zweiten Jahr auch ihren eigenen Betrieb in einem Zukunftskonzept „offen und ehrlich“, wie Schulleiter Dr. Christian Mohr betont. Er befürwortet zwar ein kontinuierliches Wachsen der Betriebe, aber eben auch nicht um jeden Preis.

Für das Hochsauerland gehe es darum, gesunde Familienbetriebe weiterzuentwickeln. Ein Milchviehbetrieb mit 60 bis 80 Kühen biete da durchaus ausreichendes Produktionpotenzial, sagt Mohr. „Wenn man es gut macht.“ Ein Landwirt müsse verantwortungsvoll mit Natur und Umwelt umgehen, betont der Schulleiter. Er habe nichts dagegen, wenn die schwarzen Schafe, die es immer mal gebe, die Landwirtschaft aufgeben. „Denn die machen nur das Bild der Landwirtschaft kaputt.“