Tagesmutter aus Leidenschaft – seit 20 Jahren

Tagesmutter Birgit Rinke und Lilly (9) füttern die Eselstuten Liese und Ilka. Das gehört zu Lillys Lieblingsbeschäftigungen nach der Schule. Vorher stehen allerdings auch bei der Tagesmutter Hausaufgaben auf dem Plan.
Tagesmutter Birgit Rinke und Lilly (9) füttern die Eselstuten Liese und Ilka. Das gehört zu Lillys Lieblingsbeschäftigungen nach der Schule. Vorher stehen allerdings auch bei der Tagesmutter Hausaufgaben auf dem Plan.
Foto: Katrin Clemens
Was wir bereits wissen
Die Schmallenbergerin Birgit Rinke hat selbst vier Kinder und betreut zusätzlich mehrere Tageskinder.

Schmallenberg..  Seit 20 Jahren gehören neben ihren eigenen vier Kindern auch Tageskinder zur Familie von Birgit Rinke. In ihrem haus ist rund um die Uhr etwas los. Denn da sind nicht nur die Kinder, sondern auch noch zwei Esel, zwei Hunde, zwei Katzen und mehr als 50 Hühner.

Den Trubel mag Birgit Rinke. „Das ist einfach meins, ich will nichts anderes machen“, sagt die 53-jährige Tagesmutter. „Ich werde erst mit 60 aufhören.“ Diese Ansage gefällt der neunjährigen Lilly. Denn dann könnte sie noch viele weitere Jahre hierher kommen. „Das werde ich ausnutzen!“, sagt sie. Momentan kommt sie jeden Nachmittag zu Rinke. Dort isst sie zu Mittag, macht ihre Hausaufgaben und spielt mit den Tieren.

Betreuung sogar über Nacht

Birgit Rinke selbst hat vier Kinder im Alter von 13 bis 29 Jahren. Als die beiden Nachzügler dazukommen, entschloss sich die gelernte Hotel- und Gaststättengehilfin, Tagesmutter zu werden. So konnte sie gleichzeitig für ihre eigenen Kinder da sein und Geld verdienen. „Das ist der ausschlaggebende Grund für viele Tagesmütter“, sagt sie. „Aber die meisten hören dann auch wieder auf, wenn ihre eigenen Kinder aus dem Gröbsten raus sind.“

Bei ihr selbst war es anders. Sie betreut schon seit zwei Jahrzehnten Tageskinder. Wie viele es bisher genau waren, weiß sie nicht. „Ich habe mal angefangen zu zählen, aber am nächsten Tag fielen mir dann immer noch mehr ein.“ Momentan kommt neben Lilly noch ein vierjähriger Junge zu ihr. Zeitweise hatte sie aber auch bis zu sieben Tageskinder. „Eine Zeit lang hatte ich sogar einen Jungen, der immer über nacht geblieben ist, weil seine Mutter alleinerziehend war und als Krankenschwester gearbeitet hat.“

Kontakte aus der Kita

Allerdings gab es in all der Zeit nie ein Kind, das nicht auch in den Kindergarten gegangen ist. Das findet Rinke wichtig: „Mit spätestens vier Jahren sollte ein Kind in den Kindergarten gehen. Da knüpfen sie Kontakte und lernen auch schon viele der Kinder kennen, mit denen sie dann später eingeschult werden.“ Sie ist dann für die sogenannten Randzeiten außerhalb der Kita- und Schulzeiten zuständig.

Den Job als Tagesmutter möchte sie trotz der eher ungewöhnlichen Arbeitszeiten nicht mehr missen. „Ich selbst bin in einer Familie mit zehn Kindern aufgewachsen und unsere Mutter war immer für uns da – sie ist mein großes Vorbild“, sagt Rinke. Was für sie aber nicht heißt, dass ein Kind rund um die Uhr von den eigenen Eltern betreut werden muss. Einige der Mütter trügen ein schlechtes Gewissen mit sich rum, wenn sie ihre Kinder nach Schule oder Kita zur Tagesmutter brächten. Aus Rinkes Sicht sollten sie das nicht haben: „Für ein Kind ist es viel wichtiger, eine zufriedene Mutter zu haben als eine, die gefrustet ist, weil sie zu Hause bleiben muss.“

Außerdem hätten sich die Zeiten geändert, sagt sie. Schließlich seien Rentensystem und Scheidungsrecht heutzutage so ausgelegt, dass auch Mütter Geld verdienen müssen.